Wirtschaftskrise und Arbeitsmarkt
Immer noch über eine Million Kurzarbeiter

„Auch nach einem Jahr Wirtschaftskrise zeigt sich der Arbeitsmarkt robust. Die Auswirkungen auf Arbeitslosigkeit und Beschäftigung sind weit weniger dramatisch als zunächst von vielen befürchtet.“ Mit diesen Worten kommentierte der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, die Arbeitsmarktzahlen für November 2009. Diese für viele überraschende Entwicklung ist einem gemeinsamen Kraftakt von Unternehmen und Beschäftigten zu verdanken. Mit dem Einsatz flexibler Instrumente z.B. des Chemie-Tarifvertrages und mit Kurzarbeit ist es bislang gelungen, die Beschäftigung weitgehend stabil zu halten.

 Kurzarbeit bleibt Alltag in den Betrieben

Allerdings zeigen insbesondere die Zahlen zur Kurzarbeit, dass die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise weiter den Alltag in vielen Betrieben der Bundesrepublik bestimmen. So waren nach aktuellen Zahlen der BA im September 2009 (letzter verfügbarer Wert) immer noch 1,056 Millionen Beschäftigte in konjunktureller Kurzarbeit. Zwar ist dies gegenüber dem Höchststand aus April 2009 (1,518 Millionen) ein deutlicher Rückgang. Nach Angaben der Bundesagentur dürfte diese Abnahme jedoch vor allem mit den Sommerferien zusammenhängen. Für Urlaubszeiten zahlt die BA kein Kurzarbeitergeld. Darüber hinaus sind nach Schätzungen der Bundesagentur im November 2009 mehr Neuanzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit eingegangen als im Vormonat.

Der durchschnittliche Arbeitsausfall der konjunkturellen Kurzarbeiter belief sich im September auf 30,2 Prozent. In Verbindung mit der absoluten Zahl der Kurzarbeiter ergibt sich somit ein „Beschäftigtenäquivalent“ von 319.000 Arbeitnehmern. Zumindest ein großer Teil dieser 319.000 wäre ohne Kurzarbeit arbeitslos geworden.

Chemie weiterhin betroffen

Im Wirtschaftszweig Chemie waren im September 2009 insgesamt 19.179 Beschäftigte in Kurzarbeit. Der Höchststand war im April mit über 47.000 Kurzarbeitern zu verzeichnen. Auch hier dürfte der Rückgang maßgeblich durch die Urlaubszeit begründet sein. Im Organisationsbereich des BAVC liegt die Zahl der Kurzarbeiter deutlich höher, da der Verband u.a. auch große Teile der Kaut-schuk-Industrie vertritt. In diesem Wirtschaftszweig waren im September 2009 41.586 Beschäftigte in Kurzarbeit.

Bundesregierung fördert Kurzarbeit befristet

Die Bundesregierung hat auf die anhaltend schwierige wirtschaftliche Situation reagiert und die Möglichkeit geschaffen, auch bei Anzeige im Jahr 2010 länger Kurzarbeit zu nutzen als im Gesetz ursprünglich vorgesehen. Statt der gesetzlich vorgegebenen sechs Monate wird für Anzeigen ab 1. Januar 2010 für 18 Monate Kurzarbeitergeld gezahlt. Für Anzeigen in 2009 galt noch eine ausgeweitete Bezugsdauer von 24 Monaten. Allerdings ist die Erstattung der Sozialabgaben (50 Prozent in den ersten sechs Monaten Kurzarbeit, 100 Prozent ab Monat sieben) und damit die Entlastung der Unternehmen derzeit bis 31. Dezember 2010 befristet.

Tarifliche Zuschüsse überprüfen

Trotz der Erstattung der Sozial-abgaben ist Kurzarbeit für die Unternehmen keineswegs zum Nulltarif zu haben. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der BA hat errechnet, dass die Unternehmen im Jahr 2009 Kosten in Höhe von rund fünf Milliarden Euro getragen haben, um die Beschäftigung mit Kurzarbeit so stabil wie möglich zu halten (siehe Informationsbrief 10/2009). Diese so genannten Remanenzkosten entstehen, weil die Unternehmen bei den Kosten für bezahlte Freistellungen (z.B. Urlaub, Feiertage) nicht entlastet werden.

Auch tarifliche Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld sind in vollem Umfang von den Unternehmen zu tragen. Die Erfahrungen mit Kurzarbeit in der Krise haben in der Chemie-Industrie gezeigt, dass der tarifliche Zuschuss zur Kurzarbeit zu übermäßigen Belastungen für die Unternehmen führt. Daher hat BAVC-Hauptgeschäftsführer Hans Paul Frey angemahnt, die tariflichen Zuschüsse zur Kurzarbeit in der kommenden Tarifrunde zu überprüfen.



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