Konjunktur
Verhaltener Ausblick für 2011

Die Wirtschaftsforschungsinstitute gehen in ihren jüngsten Konjunkturprognosen übereinstimmend davon aus, dass sich die Erholung der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr fortsetzen wird. Sie verliert allerdings deutlich an Fahrt. Wie stellt sich die Lage in der Chemie dar? Gegenüber dem Krisenjahr 2009 hat sich die chemische Industrie 2010 erfreulich schnell von dem tiefen Absturz erholen können. Die deutliche Erholung der Branche im Jahresverlauf 2010 (Produktion plus 11 Prozent) spiegelt dabei den außerordentlichen Einbruch des Vorjahres wider (Produktion minus 10 Prozent). Teile der Chemie sind jedoch im Aufholprozess bisher nicht so weit vorangeschritten. Zum Jahresende 2010 lag die Chemie-Produktion im Durchschnitt noch 2 Prozent unter dem Vorkrisenniveau. Auch bei den Investitionen ist der krisenbedingte Einbruch (2009: minus 14 Prozent) im Laufe des Jahres 2010 (plus 5 Prozent) nicht aufgeholt worden. Die Investitions-Planungen sind derzeit noch geprägt von der Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung.

Chemie-Produktion 2011: plus 2,5 Prozent

In seiner aktuellen Jahresprognose für 2011 geht der Verband der chemischen Industrie (VCI) davon aus, dass sich die Konjunkturerholung in der chemischen Industrie nur noch moderat fortsetzt. „Die deutsche Chemie wird weiter wachsen, aber wesentlich langsamer als 2010“. Der Blick nach vorne fällt eher verhalten aus. Die Geschäftsentwicklung in den kommenden sechs Monaten sehen die Chemie-Firmen deutlich skeptischer, denn die Unternehmen erwarten, dass sich das Tempo der Erholung in den nächsten Monaten weiter verlangsamen wird. Nachdem die deutsche Chemie früh von der Belebung der Weltkonjunktur profitieren konnte, hat die Dynamik der wirtschaftlichen Erholung bereits in der zweiten Jahreshälfte 2010 spürbar nachgelassen. Der Aufholprozess erfolgte nur noch in kleinen Schritten. Für das Jahr 2011 geht der VCI davon aus, dass die Chemie-Produktion um 2,5 Prozent und der Umsatz -bei nur noch leicht zulegenden Erzeugerpreisen -um 4 Prozent steigen werden. Ursächlich für diese deutliche Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik in der Chemie sind die begrenzten Wachstumsaussichten der Industrieländer, insbesondere in Europa. Die geringere Nachfrage der Handelspartner wird direkte Auswirkungen auf das Exportgeschäft der deutschen Chemie-Unternehmen haben. Bislang wies der Auslandsumsatz gegenüber dem Inlandsgeschäft (noch 10 Prozent unter Vorkrisenniveau) die stärkere Dynamik auf.

Wachstumsaussichten begrenzt

Ganz wesentlich ist die bisherige weltwirtschaftliche Erholung auf eine expansive Geld-und Fiskalpolitik der Staaten zurückzuführen – in Europa, den USA und in Asien. Wenn diese schuldenfinanzierten Konjunkturprogramme auslaufen, wird sich zeigen müssen, ob die Wachstumskräfte für eine weitere Erholung ausreichen, denn die Finanzpolitik in den Industrieländern ist angesichts der teils dramatisch hohen Budgetdefizite nicht mehr in der Lage, weitere Konjunkturimpulse zu geben. Mehr und mehr machen sich Bremsfaktoren bemerkbar, die einer dynamischen weltwirtschaftlichen Entwicklung entgegen stehen. Laut Institut für Wirtschaftsforschung (ifo, 12/2010) flacht die Expansion in den Schwellenländern bereits seit Jahresbeginn 2010 ab; die Industrieländer haben ab Mitte 2010 an Dynamik eingebüßt. Das BIP- Wachstum in 2011 liegt weltweit spürbar unter den Vorjahreswerten.

Warnung vor falscher Euphorie

Es mehren sich die Stimmen, die das „gefühlte Wirtschaftswunder“ in Deutschland einem mahnenden Realitätstest unterziehen und vor falscher Euphorie warnen. Eine weitere Zuspitzung der Schuldenkrise im Euro-Raum ist in den Basisszenarien der Prognosen bisher nicht enthalten und würde die konjunkturellen Erwartungen erheblich dämpfen. Selbst das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie (IMK) schlägt in seiner jüngsten Konjunkturprognose (12/2010) einen sehr nüchternen Ton an und sieht die Wirtschaft im Sommer 2011 am Scheideweg: „Eine Abschwächung der Weltkonjunktur, die Krise im Euro-Raum und der Sparkurs in vielen EU-Ländern führen dazu, dass das Wachstumstempo der deutschen Wirtschaft im Lauf des kommenden Jahres [2011] stetig abnimmt und sich die konjunkturellen Aussichten für 2012 deutlich eintrüben.“



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