BAVC-Konjunkturumfrage 2014/2015
Gestiegene Unsicherheit

Die politischen Krisen in der Welt und die unsichere Entwicklung der Weltwirtschaft haben die Nachfrage nach Chemie-Produkten im Jahresverlauf 2014 deutlich gedämpft. Die konjunkturelle Abkühlung, die anhaltend hohe Kostenbelastung am Chemie-Standort Deutschland sowie der zunehmende globale Wettbewerbsdruck spiegeln sich auch in den Ergebnissen der aktuellen BAVC-Konjunkturumfrage wider: Der Ausblick der Chemie-Unternehmen auf den weiteren Geschäftsverlauf im Jahr 2015 fällt verhalten aus. An der im November 2014 durchgeführten Erhebung haben sich 578 Unternehmen mit rund 362.000 Beschäftigten aus dem Organisationsbereich des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (BAVC) beteiligt.

Ertragslage unter Druck
 
Die Einschätzungen zur aktuellen Geschäftslage sowie zur Ertragssituation zeugen von der Heterogenität im Geschäftsverlauf der Branche: Viele Unternehmen spüren den konjunkturellen Gegenwind. Während rund ein Drittel (32 Prozent) der befragten Firmen ihre aktuelle Geschäftslage als »gut« bezeichnet, schätzt ein knappes Viertel (23 Prozent) der Unternehmen die gegenwärtige wirtschaftliche Situation als »kaum befriedigend« oder »schlecht« ein.
Hohe Kosten für Energie, Rohstoffe und den Faktor Arbeit, ein nur geringes Mengenwachstum und gleichzeitig rückläufige Erzeugerpreise — dies schlägt sich in weiten Teilen der Chemie negativ in der Ertragslage nieder. Während 28 Prozent der Firmen zuletzt »gute« Erträge erzielen konnten, kennzeichnet beinahe die gleiche Anzahl (25 Prozent) ihre Ertragssituation als »kaum befriedigend« bzw. »schlecht«. 9 Prozent der antwortenden Unternehmen schrieben im Jahr 2014 sogar Verluste und weitere 23 Prozent erzielten Nettoumsatzrenditen zwischen 0 und 3 Prozent. Der Blick nach vorne lässt keine durchgreifende Verbesserung bei der Gewinnsituation erwarten. Insgesamt 30 Prozent der Unternehmen rechnen im Jahr 2015 mit sinkenden Erträgen, nur 19 Prozent mit einem Anstieg.
 
Nur verhaltene Aussichten für 2015
 
Das eingetrübte Wirtschaftsklima schlägt sich in den Aussichten für 2015 nieder.
Produktion: Derzeit gehen 30 Prozent der Unternehmen für das kommende Jahr von einem Produktionsanstieg aus, 14 Prozent rechnen mit einem Rückgang. Die Vorjahreserhebung erbrachte einen identischen Saldo-Wert von 16 Punkten. Daraus lässt sich schließen, dass die Chemie-Produktion auch 2015 nur schwach zulegen wird — wie bereits im abgelaufenen Jahr. Die Firmen rechnen offenbar nicht mit einer deutlicheren Ausweitung der Mengen.
Investitionen: Das unsichere wirtschaftliche Umfeld, aber auch die hohen Energie- und Arbeitskosten wirken sich zudem negativ auf die Investitionspläne aus: 2015 wollen 22 Prozent der Chemie-Firmen mehr am Standort Deutschland investieren. 23 Prozent der Unternehmen werden voraussichtlich weniger inves­tieren. Betrachtet man die Investitionspläne für das Ausland, so ist der Saldo hier leicht positiv. Der Anteil der Firmen, die 2015 ihre Auslandsinvestitionen forcieren wollen, liegt bei 14 Prozent. Dagegen wollen nur 10 Prozent der Unternehmen ihre Investitionspläne im Ausland zurückschrauben. Bereits im Jahr 2012 hat die chemisch-pharmazeutische Industrie mehr im Ausland als in Deutschland investiert.
Beschäftigung: Ein ähnlich zurückhaltendes Bild wie bei den Inlandsinvestitionen zeigt sich bei den Plänen zur Beschäftigung. Der Anteil der Betriebe, die zusätzliche Mitarbeiter einstellen wollen, ist mit 18 Prozent leicht geringer als der Anteil jener, die einen Personalabbau erwarten (19 Prozent).
Angesichts der zuletzt schwächelnden Konjunktur in Deutschland hat sich bei den Chemie-Unternehmen Skepsis breit gemacht. Nur 9 Prozent der befragten Betriebe erwarten verbesserte Nachfrageimpulse aus dem Inland, während 30 Prozent hier von einer Verschlechterung ausgehen (Saldo -21). Ähnlich sorgenvoll richtet sich der Blick nach Europa. Nach wie vor gehen 70 Prozent der deutschen Chemie-Exporte in diesen Kernmarkt. Die wirtschaftliche Schwäche der Euro­zone hinterlässt ihre Spuren: 24 Prozent der Betriebe gehen von einer verschlechterten Nachfragesituation durch europäische Kunden aus, nur 18 Prozent sind positiv gestimmt (Saldo -6). Die Hoffnungen ruhen hingegen auf den Schwellenländern, obwohl diese bei zuletzt niedrigeren Wachstumsraten insgesamt nicht mehr das gewohnte Gegengewicht zu den Industrieländern darstellten.

Gegensteuern: Sparen und Kosten senken
 
Aber nicht allein die schwache Nachfrage nach Chemie-Produkten bereitet den Betrieben Kopfzerbrechen. Als Exportindustrie spielen die Kosten für Energie, Rohstoffe und den Faktor Arbeit eine ganz entscheidende Rolle, um mit qualitativ überzeugenden Produkten im internationalen Wettbewerb auch preislich konkurrieren zu können. Sowohl bei den Energiekosten (54 Prozent), den Rohstoffkosten (44 Prozent), besonders bei den Arbeitskosten (69 Prozent) fürchten die Unternehmen weitere Belastungen und damit einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit. Verschärfend kommt hinzu, dass der globale Wettbewerbsdruck für den deutschen Chemie-Standort zunimmt. Niedrigere Energie- und Rohstoffkosten, etwa in den USA oder in Nahost, lenken Investitionen in diese Regionen und führen zu einem Aufbau neuer Produktionskapazitäten. Mehr als ein Drittel der befragten Chemie-Unternehmen (36 Prozent) fürchten durch einen solchen Kapazitätsaufbau eine Verschlechterung ihrer eigenen Wettbewerbssituation.
Die Chemie spürt den Gegenwind aus schwächelnder Konjunktur, rückläufigen Erzeugerpreisen und steigender Kostenbelastung. Gleichzeitig nimmt der globale Wettbewerbsdruck stetig zu. Zum Erhalt ihrer Wettbewerbsfähigkeit zwingt dies die Unternehmen der Chemie-Branche zum Handeln. Aktuell steht deshalb bei mehr als drei Vierteln der Betriebe Sparen und Kostensenken auf der Agenda.


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