Deutsche Exportüberschüsse:
Gut für Europa

Derzeit ist aus dem Ausland verstärkt der Vorwurf zu hören, Deutschland wirtschafte zunehmend auf Kosten seiner europäischen Nachbarn und tue nicht genug für die Binnennachfrage — die Fakten aber sehen anders aus.
 
Der sonst so robuste deutsche Außenhandel büßte im Jahresdurchschnitt 2013 angesichts eines weiterhin schwierigen außenwirtschaftlichen Umfelds an Dynamik ein: Deutschland exportierte preisbereinigt zwar insgesamt mehr Waren und Dienstleistungen als ein Jahr zuvor (+ 0,6 Prozent). Gleichzeitig stiegen aber die Importe noch stärker (+ 1,3 Prozent). Der Außenbeitrag war damit negativ und bremste so das BIP-Wachstum 2013 um minus 0,3 Prozentpunkte.
 
Handel ist kein Nullsummenspiel
 
Nach der US-Regierung und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) kritisiert nunmehr auch die EU-Kommission die hohen deutschen Exportüberschüsse. Diese tragen — so der Vorwurf — eine Mitschuld an der europäischen Krise, da sie die Defizite und die fehlende Wettbewerbsfähigkeit anderer EU-Staaten mit verur­sacht hätten. Dieser Vorwurf ist jedoch unzutreffend.
 
Der internationale Handel ist kein Nullsummenspiel, bei dem deutsche Exporte zu Lasten Dritter gehen. Deutschlands Exporte haben vielmehr einen bedeutsamen Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung nach dem Kriseneinbruch geleistet. Deutschlands europäische Nachbarn profitieren über Zulieferungen nahezu im Gleichklang von den wachsenden Exporten Deutschlands ins außereuropäische Ausland. Laut Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) gilt folgender Wirkungszusammenhang: Steigen die deutschen Exporte um 10 Prozent, nehmen die Vorleistungsausfuhren der EU-Partner nach Deutschland um rund 9 Prozent zu.
 
Überzogene Lohnerhöhungen sind kontraproduktiv
 
Auch die teilweise erhobene Forderung, Deutschland solle seine Löhne über die Maßen erhöhen, um so seine Wettbewerbsfähigkeit zu reduzieren, ist unsinnig. Die deutsche Exportindustrie konkurriert immer weniger mit Ländern innerhalb der Eurozone, sondern immer stärker mit Unternehmen aus Asien und den USA. Eine geringere Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands würde deshalb Europa nicht helfen, sondern sie würde das Wachstum in Europa schwächen — auch zum Nachteil der europäischen Nachbarn, die dann weniger Güter nach Deutschland liefern könnten.
 
Anreize für Investitionen erforderlich
 
Aus einer anderen Perspektive lassen sich die deutschen Exportüberschüsse durch die hohe private Sparquote und die im internationalen Vergleich niedrigen Investi­tionen erklären. Hat Deutschland Mitte der 1990er Jahre noch 23 Prozent seiner Wirtschaftsleistung inves­tiert, so sind es heute nur noch rund 17 Prozent.
Ein Abbau der hohen Exportüberschüsse Deutschlands sollte folglich nicht durch die Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit und die Reduzierung der Exporte erreicht werden, sondern vielmehr durch größere Planungssicherheit und bessere Rahmenbedingungen (Stichwort Energiewende) sowie durch mehr Anreize für private Investitionen.
Auch im staatlichen Sektor besteht hier dringender Handlungsbedarf, denn noch gravierender ist der Rückstand bei den öffentlichen Investitionen. Die öffen­tlichen Abschreibungen liegen in Deutschland seit 2003 über den Nettoinvestitionen, d.h. der öffentliche Kapitalstock schwindet.
Höhere Investitionsausgaben liefern über verstärkte Importnachfrage aber auch einen Beitrag zum Abbau der deutschen Leistungsbilanzüberschüsse. Hierfür die richtigen Weichenstellungen vorzunehmen, sollte eine zentrale Aufgabe für die neue Bundesregierung sein.


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