Flexible Tarifverträge: Bewährungsprobe

Die Chemie-Arbeitgeber haben gemeinsam mit der Gewerkschaft seit Mitte der 1990er Jahre konsequent auf eine Flexibilisierung der Tarifverträge gesetzt. Dass diese Entscheidung richtig war und ist, zeigt sich insbesondere in schweren Zeiten wie der aktuellen Rezession, die auch die Chemie erfasst hat.

Vertrauen ...

Grundvoraussetzung für diesen Weg ist das besondere Vertrauensverhältnis zwischen BAVC und IG BCE. Die Chemie-Sozialpartnerschaft hat den Paradigmenwechsel erst ermöglicht.

Die traditionellen Tarifstrukturen wurden ergänzt um flexible und passgenaue Lösungen. So stehen den Unternehmen heute zahlreiche Flexi-Instrumente zur Verfügung, die die aktuelle Krise zumindest abfedern können. Die verschiedenen Flexibilisierungsmaßnahmen können weitgehend miteinander kombiniert werden.
 
... und Transparenz
 
Die Anwendung dieser Instrumente erfordert Vertrauen und Transparenz. Sie eröffnen Kosten- und Arbeitszeitspielräume; so sichern sie die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Im Gegenzug geht es für die Arbeitnehmer in erster Linie darum, dass betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden.
 
Personalabbau ist und bleibt ultima ratio. Erst müssen alle verfügbaren Möglichkeiten ausgereizt sein – von den tariflichen Flexibilisierungen bis zu den arbeitsmarktpolitischen Instrumenten wie der Kurzarbeit. Die Unternehmen handeln dabei im eigenen Interesse: Es gilt, jetzt Fachkräfte zu halten, um im nächsten Aufschwung vorne zu bleiben. Ausgewählte Flexi-Instrumente im Detail:
 
  • Arbeitszeitkorridor:
Die tarifliche Regelarbeitszeit in der chemischen Industrie beträgt 37,5 Wochenstunden. Durch Vereinbarung auf betrieblicher Ebene kann für einzelne Arbeitnehmergruppen oder größere Betriebsteile mit Zustimmung der Tarifvertragsparteien eine längere oder kürzere Wochenarbeitszeit festgelegt werden. Hierfür steht ein Korridor zwischen 35 und 40 Wochenstunden zur Verfügung. Bezahlt werden die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden.
 
  • Verteilzeiträume:
Die festgelegte Wochenarbeitszeit muss nicht in jeder einzelnen Woche, sondern kann im Rahmen eines „Verteilzeitraums“ von bis zu 12 Monaten durchschnittlich erreicht werden. Der Ausgleich des Stundenkontos kann durch eine erweiterte Flexibilisierung seit 2005 innerhalb eines Zeitraums von maximal 36 Monaten erfolgen. Bei starkem Arbeitsanfall kann also länger gearbeitet und dies in auftragsschwächeren Zeiten entsprechend ausgeglichen werden. Die tägliche Arbeitszeit kann hierbei bis zu 10 Stunden betragen.
 
  •  Entgeltkorridor:
Auf betrieblicher Ebene kann mit Zustimmung der Tarifvertragsparteien vereinbart werden, dass die in den Flächentarifverträgen für die chemische Industrie festgelegten Tarifentgelte für alle Beschäftigten eines Betriebes bis zu 10 Prozent abgesenkt werden, wenn dies aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit oder zum Erhalt des Standortes und/oder von Arbeitsplätzen erforderlich ist.
 
  • Erfolgsabhängige Jahresleistung:
Die tarifliche Jahresleistung in der chemischen Industrie (13. tarifliches Monatsentgelt) kann bei tiefgreifenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten mit Zustimmung des Betriebsrates gekürzt, gestrichen oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Hierzu ist die Zustimmung der Tarifvertragsparteien erforderlich.
 
  • Optionsklausel:
Seit 2002 ist es durch eine Optionsklausel auf Betriebs- oder Unternehmensebene möglich, die Höhe der tariflichen Jahresleistung nach dem Prinzip 'Chance und Risiko' an die wirtschaftliche Situation zu koppeln. Anstelle der festen tariflichen Jahresleistung von 95 Prozent des tariflichen Monatsentgeltes kann eine Bandbreite von 80 bis 125 Prozent vereinbart werden.


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