Chemie-'Wachstum'
Achtung Basiseffekt!

11,1 Prozent mehr Produktion in Chemie-und Pharma-Industrie im November 2009 verglichen mit dem Vorjahresmonat: Diese Zahl ist Wasser auf die Mühlen der Konjunkturoptimisten. Die Branche kehrt zurück zu zweistelligen Wachstumsraten, die Krise ist ausgestanden, Geschichte?

Nicht blenden lassen

So erfreulich und dringend notwendig das Wachstum auch ist, niemand sollte sich von den nackten Prozent-zahlen blenden lassen. Sie sind kaum mehr als ein Gradmesser für die Dramatik, mit der die Finanz-und Wirtschaftskrise seit Herbst 2008 über die Chemie-Industrie hereingebrochen ist. Infolge der Krise ist die Produktion 2009 so stark gesunken wie nie in den letzten 35 Jahren. Wer so tief stürzt, für den geht es irgendwann zwangsläufig nach oben.

Harte Landung

Wie hart die Landung für die Chemie wirklich war, zeigen die Krisen-Indikatoren 2009:

  • Produktion minus 10 Prozent
  • Umsatz minus 12,5 Prozent
  • Produktivität minus 8,5 Prozent
  • Lohnstückkosten plus 8,5 Prozent
  • Beschäftigung lediglich minus 1,5 Prozent

Dass nun nach 13 Monaten mit Minusraten für den November 2009 im Vorjahresvergleich ein zweistelliges Produktionsplus in den Büchern steht, ist nicht auf einen selbsttragenden Aufschwung, sondern auf die Grundregeln von Mathematik und Statistik zurückzuführen.

Wachstumsraten ohne Aussagekraft

Die Erklärung liefert der Basiseffekt: Die aktuelle Betrachtung vergleicht einen Zeitraum nach Durchschreiten der Talsohle mit einem Tiefpunkt der Chemie-Produktion. So einfach erklären sich die hohen Wachstumsraten und so wenig sagen sie aus. Eine auf zwölf Monate angelegte Betrachtung greift schlicht zu kurz, weil die Realität vor Beginn der Krise damit ausgeblendet wird. Zielführender ist ein Blick auf den Index. Rechnet man den prognostizierten Produktionszuwachs von fünf Prozent für 2010 bereits hinzu, befände sich die Chemie immer noch unter dem Produktionsniveau von 2006. Das heißt: Die Zuwachsraten werden im ersten Halbjahr 2010 in der Chemie-Industrie mehr versprechen als sie halten können.



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