Gelungenes Krisenmanagement
Investition in die Zukunft

Im Vorfeld der am 16. Februar beginnenden Chemie-Tarifrunde 2011 wird von Seiten der Gewerkschaft betont, dass viele Arbeitnehmer in der Krise Einschnitte hinnehmen mussten. Dabei fehlt jedoch der Hinweis, dass die Unternehmen im Gegenzug weitgehend auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet haben. Und es fehlt auch der Hinweis, dass die erfolgreiche Strategie der Beschäftigungssicherung mit erheblichen Kosten für die Chemie-Unternehmen verbunden war.

Erfolgreiche Beschäftigungssicherung...

Im Ausland ist das „German Jobwunder“ in aller Munde. Dass der deutsche Arbeitsmarkt so robust durch die Krise gekommen ist, ist ein gemeinsamer Erfolg von Unternehmen, Beschäftigten, Tarifpartnern und Politik. Ein striktes und schnelles Kostenmanagement, Flexibilisierungsmaßnahmen zur Arbeitszeitreduzierung und die Nutzung flexibler Lohnkomponenten haben in Krisenzeiten Jobs gesichert. Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben also gemeinsam zur Beschäftigungssicherung beigetragen. Und auch die Politik hatte ihren Anteil. Sie hat zum Beispiel die Vorschläge der Arbeitgeberverbände und der Gewerkschaften zur Neugestaltung der Kurzarbeit in der Krise aufgegriffen. Die mit dem erfolgreichen Krisenmanagement verbundenen Einbußen aller Beteiligten sind insofern als bewusste Investition in die Zukunft zu werten. Davon profitieren die Unternehmen und ihre Beschäftigten jetzt in Zeiten der wirtschaftlichen Erholung – auch in der Chemie-Industrie.

...in der Chemie-Branche

Im Vergleich zum Verarbeitenden Gewerbe insgesamt hat sich die Chemie-Beschäftigung im Jahresverlauf 2009 stabiler entwickelt (Chemie minus 2,9 Prozent; Verarbeitendes Gewerbe minus 4,5 Prozent). Dieser Trend hat sich auch im Jahr 2010 fortgesetzt. Aber erst im europäischen Vergleich wird die erfolgreiche Krisenbewältigung in Deutschland besonders deutlich: Während die Zahl der Chemie-Beschäftigten in Europa (EU 27) von Anfang 2008 bis September 2010 – dies sind die aktuell verfügbaren Daten – um ins-gesamt 8 Prozent rückläufig war, hat die Beschäftigtenzahl in der deutschen Chemie im gleichen Zeitraum um lediglich 2,8 Prozent abgenommen.

Teure Kurzarbeit

Insbesondere durch den Abbau von Guthaben auf den Arbeitszeitkonten und durch die Kurzarbeit wurden Arbeitsplätze gesichert.

Im Frühjahr 2009 war in der Chemie-Branche der Höchststand in Sachen Kurzarbeit zu verzeichnen. Laut BA-Statistik waren im April 2009 rund 48.000 Chemie-Beschäftigte in Kurzarbeit. Obwohl die BA einen Großteil der Kurzarbeitskosten übernommen hat, schlugen bei den Unternehmen die so genannten Remanenzkosten zu Buche. Nach Berechnungen des BAVC sind den Betrieben im Chemie-Tarif allein im Jahr 2009 im Rahmen von Kurzarbeit Remanenzkosten von – konservativ gerechnet – einer Viertel Milliarde Euro entstanden. Gut ein Drittel dieser Kosten resultierte aus dem tariflichen Zuschuss zum Kurzarbeitergeld.

Weil die Chemie-Unternehmen trotz Mangels an Aufträgen und trotz der stark gedrosselten Produktion ihre Belegschaften an Bord hielten, drückte dies die Produktivität der Unternehmen stark nach unten. 2009 sank die Arbeitsproduktivität in der Chemie um deutliche 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erst mit der Ausweitung der Produktion im Jahresverlauf 2010 haben sich die Produktivitätsdaten wieder normalisiert.

Bewusste Investition der Unternehmen

Spiegelbildlich war die Entwicklung bei den Lohnstückkosten, die sprunghaft in die Höhe geschossen sind. Allein der Anstieg im 4. Quartal 2008 gegenüber dem Vorquartal betrug 11 Prozent. Die zweite Stufe der Entgelterhöhung um 3,3 Prozent aus dem Chemie-Tarifabschluss vom April 2008 wurde im Frühjahr 2009 – also inmitten der Krise – wirksam. Auch deshalb lagen die Lohnkosten je Produkteinheit in der Chemie-Branche auf Jahresbasis betrachtet in 2009 um rund 9 Prozent über dem Vorjahreswert. Erst seit der wirtschaftlichen Erholung im Jahr 2010 finden die Lohnstückkosten allmählich „zurück in die Spur“. Allerdings sind hier die Vorkrisenwerte noch nicht wieder erreicht.



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