Chemie-Tarifrunde 2011
Weniger ist mehr

In den vergangenen Jahren war die moderate und angemessene Lohnentwicklung eine der Stärken der deutschen Wirtschaft. Die Erfolge dieser Politik schlagen sich nieder in mehr Arbeitsplätzen, mehr Chancen und mehr Wettbewerbsfähigkeit für die deutsche Wirtschaft. Diesen Pfad der Tugend stellt die Chemie-Gewerkschaft IG BCE in der Tarifrunde 2011 massiv in Frage. Sie schießt mit ihrer Forderung nach 6 bis 7 Prozent mehr Geld weit über das Ziel hinaus. Wie so oft gilt auch in diesem Zusammenhang: Weniger ist mehr!

Denn: Löhne sind Kosten. Steigende Löhne sind steigende Kosten. Umso wichtiger ist es, dass die Tarifparteien in der Lohnrunde 2011 den Bogen nicht überspannen.

Mehr Wettbewerbsfähigkeit

Die deutsche Chemie-Industrie steht in einem harten internationalen Wettbewerb. Im täglichen Ringen um Marktanteile, Innovationen und Investitionen entscheidet eine Reihe von Faktoren über Erfolg und Misserfolg. Neben der Qualifikation der Mitarbeiter, den Kosten für Rohstoffe und Energie oder staatlich gesetzten Rahmenbedingungen wirken die Arbeitskosten positiv oder negativ auf die Chancen der Branche. Die Arbeitskosten in der deutschen Chemie-Industrie sind im internationalen Vergleich nach wie vor in der Spitzengruppe. Lediglich in Belgien kostet eine Arbeitsstunde mehr als in der westdeutschen chemischen Industrie. Die Folge: Je höher die Arbeitskosten durch einen Tarifabschluss steigen, desto eher verlieren die Unternehmen an Wettbewerbsfähigkeit. Hier ist weniger mehr – mehr Wettbewerbsfähigkeit.

Mehr Chancen für Beschäftigung

In der Krise haben die Unternehmen alles daran gesetzt, Arbeitsplätze zu sichern. Die kurzfristigen Maßnahmen zur Kostensenkung haben entgegen den Erwartungen gegriffen. Betriebsbedingte Kündigungen konnten weitgehend verhindert werden – durch das gemeinsame Krisenmanagement von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, durch eine faire Lastenverteilung sowie durch Flexibilität in den tariflichen und betrieblichen Regelungen. Allerdings haben noch nicht alle Betriebe die Krise überwunden. Gerade kleine und mittlere Unternehmen sind im Aufholprozess bislang nicht so weit vorangeschritten. Diese werden mit überzogenen Lohnforderungen an die Wand gedrängt. Konsequenzen für die Beschäftigung sind dabei nicht ausgeschlossen. Deshalb gilt: Weniger ist mehr – mehr Chancen für Beschäftigung.

Mehr Schutz vor Risiken

Trotz der raschen Erholung auch in der chemischen Industrie im Verlauf des Jahres 2010 sind die Unsicherheiten für die weitere Entwicklung groß. Schon allein die Schuldenprobleme einiger Euro-Länder und deren Konsequenzen für die Gemeinschaftswährung bergen die Gefahr eines erneuten Rückschlags.

Blinde Euphorie hat noch keiner Tarifrunde genutzt. Ein überhöhter Tarifabschluss mindert die Beweglichkeit der Unternehmen, die sie jedoch dringend brauchen, um mit unvorhergesehenen Schwierigkeiten umgehen zu können. Auch mit Blick auf die Risiken gilt: Weniger ist mehr – mehr Schutz vor Risiken.

Mehr Bewegung nötig

Viel Zeit, die Erwartungshaltung an die Realitäten anzupassen, hat die IG BCE nicht mehr. Bereits am 16. Februar 2011 beginnt die Chemie-Tarifrunde mit der regionalen Auftaktverhandlung für den Bezirk Nordrhein (weitere Termine siehe Kasten). Bislang ist nicht zu erkennen, dass die IG BCE sich von ihren Maximalforderungen verabschiedet und den Weg zurück zu einer moderaten Tarifpolitik findet. Hier ist mehr Bewegung notwendig. 

Tarif-Termine

16.  Februar           2011    Nordrhein
17.  Februar           2011    Hessen
18.  Februar           2011    Rheinland-Pfalz
21.  Februar           2011    Baden-Württemberg
22.  Februar           2011    Bayern
23.  Februar           2011    ChemieNord
25.  Februar           2011    Westfalen
  1.  März                2011    Nordost
  2.  März                2011    Saarland

Eine Fortsetzung der Tarifrunde auf Bundesebene ist für Mitte März 2011 geplant.



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