Konjunktur: Die Macht der Erwartung

Allenthalben werden die Wachstumsprognosen für dieses Jahr derzeit mehr oder weniger stark nach unten korrigiert.
Jüngste Beispiele sind die Bundesregierung (siehe Seite 7) und die EU-Kommission, die kürzlich ebenfalls auf die Prognosebremse getreten ist. Für den Euroraum veranschlagt die Kommission nunmehr einen Rückgang des BIP von 1,9 Prozent, für die gesamte EU ein Minus von 1,8 Prozent. Für Deutschland wird ein BIP-Rückgang von 2,3 Prozent erwartet.
Dies deckt sich in etwa mit der Konjunkturprognose der Bundesregierung (-2,25 Prozent). Die Ursachen für die zurückgenommenen Prognosen liegen auf der Hand:
 
  • die Finanzmarktkrise hat sich verschärft
  • der Abschwung der Weltwirtschaft hält an
  • der Außenhandel wird überproportional belastet
  • der Immobilienmarkt in einigen Ländern hat einen heftigen Dämpfer erlitten
  • die Investitionsbereitschaft ist eingebrochen
Wann kommt die Wende?
 
Die EU-Kommission erwartet, dass eine Konjunkturerholung nicht vor Ende 2009 einsetzen wird. Für 2010 wird ein BIP-Anstieg im Euroraum um 0,4 Prozent prognostiziert. Das deutsche BIP-Wachstum sieht die Kommission bei 0,7 Prozent im nächsten Jahr. Dieser „U-förmige“ Konjunkturverlauf liegt den meisten derzeit gehandelten Prognosen zugrunde. Offen ist dabei, wie „breit“ das U sein wird, wann also der „aufsteigende Ast“ erreicht werden kann.
Allen Unkenrufen zum Trotz scheint es doch einige Aspekte zu geben, die zu positiven Erwartungen Anlass geben:
 
  •  Da sind vor allem die Konjunkturprogramme und 'Rettungsschirme' zu nennen, die – international mehr oder weniger gut koordiniert – in mehrstelliger Milliarden-, wenn nicht gar in Billionenhöhe, die Gesamtnachfrage steigern und die Wachstumsbedingungen wieder verbessern sollen.
  •  Da ist ferner die Hoffnung, dass es gelingt, die internationale Finanzarchitektur auf eine neue Grundlage zu stellen und mit koordinierten nationalen Maßnahmen die Finanzkrise in den Griff zu bekommen.
  •  Da ist der private Konsum als stabilisierender Faktor, gestützt durch eine niedrigere Inflationsrate.
  •  Und da sind schließlich die deutlich rückläufigen Öl- und Rohstoffpreise, die sich allein für Deutschland wie ein Konjunkturprogramm in einer Dimension von über 20 Milliarden Euro auswirken.
Psychologische Effekte
 
Die amtlichen statistischen Daten, die naturgemäß nur die Vergangenheit abbilden, lassen allerdings noch keine Trendwende erkennen. Im Gegenteil: Die Konjunkturindikatoren für den November vergangenen Jahres waren „verheerend“. Und auch die Daten für den Dezember 2008 und das erste Quartal dieses Jahres werden nicht viel besser ausfallen.
Bekannt ist aber, dass der realen Veränderung ein Wandel in den Köpfen vorausgeht, der sich in Veränderungen von Erwartungshaltungen niederschlägt und sich mit zeitlicher Verzögerung auch realwirtschaftlich manifestiert.
 
Anlass zur Hoffnung
 
Daran gemessen gibt es gleich drei hoffnungsvoll stimmende Indikatoren. Das sind die ZEW-Konjunkturerwartungen, die sich auf Umfragen unter Finanzexperten stützen, das Ökonomen-Barometer von n-tv und Euro am Sonntag sowie zuletzt der ifo Konjunkturtest mit den Geschäftserwartungen von 7.000 befragten Unternehmen. Alle haben im Januar ins Positive gedreht. Dies wird mit den erwarteten Wirkungen der Konjunkturprogramme einerseits und den Zinssenkungsmaßnahmen andererseits begründet.
 
Ist es schon nicht einfach, die konjunkturelle Grundtendenz vorauszusagen, so ist es bei weitem schwieriger, konjunkturelle Wendepunkte zu erkennen. Dies ist mit dem jetzigen Abschwung auch so gewesen. Noch im letzten Spätsommer erschien alles als eitel Freud’ und Sonnenschein, um binnen weniger Monate 'umzukippen'. Bei der nächsten Aufschwungphase, die mit Sicherheit kommen wird, könnte das genauso sein. Ökonomie ist nicht nur rational; auch auf die Psyche kommt es an. Und die tendiert insbesondere als Massenphänomen zu Übertreibungen – sowohl ins Negative als auch ins Positive.


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