BAVC-Konjunkturumfrage 2010
Nur langsam aus dem Krisen-Tief

Ein Viertel der vom Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) befragten Unternehmen hat das Jahr 2009 mit Verlust abgeschlossen. In 46,5 Prozent der Unternehmen ist die Ertragslage „kaum befriedigend“ oder „schlecht“. Für 2010 erwartet die Hälfte aller Firmen (50,3 Prozent) eine Ertragslage wie 2009. Sechs von zehn Unternehmen gehen davon aus, dass das Vorkrisenniveau erst wieder 2012, 2013 oder sogar noch später erreicht werden kann. Das sind herausragende Ergebnisse einer soeben veröffentlichten Umfrage, die der BAVC unter den Firmen in seinem Organisationsbereich im Januar/Februar 2010 durchgeführt hat. Daran beteiligt haben sich 704 Unternehmen mit etwa 380.000 Beschäftigten. Die Ergebnisse können damit als repräsentativ angesehen werden.

Lage-Einschätzung „durchwachsen“

41 Prozent der befragten Unternehmen im Organisationsbereich des BAVC stellen der Chemie-Konjunktur zum Jahresbeginn 2010 das Zeugnis „kaum befriedigend“ oder „schlecht“ aus. Nur ganze acht Prozent halten die Lage für „gut“.

Verglichen mit der vorausgegangenen Umfrage zum Jahresbeginn 2008, also vor der letzten Tarifrunde, hat sich das Bild dramatisch gedreht: Damals hielten knapp 30 Prozent (!) die Lage für gut und nur 15,5 Prozent für kaum befriedigend oder schlecht. Das „befriedigend“ urteilende Mittelfeld lag 2008 bei 52,7 Prozent, diesmal waren es genau 50 Prozent. Offenbar hängt diese weit gehende „Konjunkturneutralität“ mit der sehr differenzierten Absatzstruktur der Chemie zusammen. Sie ist Vorlieferant für fast alle anderen Branchen mit der Folge, dass abgesehen von der „großen Depression“ an irgendeiner Stelle immer etwas „geht“.

So wird 2010: Mehrheitlich wie 2009 – „fragile Entwicklung“

Nach der Einschätzung der Konjunktur für 2010 gefragt, antworten 53,6 Prozent, also die absolute Mehrheit, mit „in etwa wie 2009“. 34,2 Prozent erwarten eine Besserung. Für 11,4 Prozent der Befragten zeigt die Konjunkturkurve weiter bergab. Und jene, die von einer Besserung ausgehen, halten dies mit über 70 Prozent für eine „fragile Entwicklung“.

Gespaltene Ertragslage

Gab es in der 2008er Erhebung noch eine „Dreiviertel-Gesellschaft“, die mit der Wirtschaftslage zufrieden war, und ein Viertel, das über die Lage klagte, so befindet sich die Chemie heute in einer „Halbe-halbe-Gesellschaft“. In 24,4 Prozent der Firmen war 2009 die Ertragslage kaum befriedigend, in 22 Prozent sogar schlecht. Gut lief es nur in 13,2 Prozent der Chemie-Unternehmen, während 36,9 Prozent die 2009er Ertragslage als befriedigend bewerten. Zur Frage „Wird die Ertragslage 2010 besser als 2009?“ meinen 68,3 Prozent: „Nein“. 31 Prozent antworten darauf mit „Ja“.

 Ein Viertel mit Verlust

Die Krise hat die Bilanzen der Chemie-Firmen gründlich verhagelt: 24 Prozent, also rund ein Viertel, sind im vergangenen Jahr in die Verlustzone gerutscht. (2008: lediglich acht Prozent). Eine Nettoumsatzrendite (Jahresüberschuss nach Steuern) bis drei Prozent erzielte mit 20 Prozent ein Fünftel (2008: 20,8 Prozent) aller Befragten, die sich damit im „Skontobereich“ bewegten. 19,2 Prozent, also knapp ein weiteres Fünftel (2008: 22,7 Prozent) hatten eine Rendite von über drei bis fünf Prozent, über fünf bis zehn Prozent erreichten 18 Prozent (2008: 24,9 Prozent). Auf über zehn Prozent kamen 8,2 Prozent (2008: 13,1) der Unternehmen im Organisationsbereich des BAVC. Mit 10,4 Prozent war hierbei erwartungsgemäß der Anteil derer, die keine Antwort gaben, überdurchschnittlich groß. Die Prognosen für 2010 lassen nur wenig Besserung erwarten: Die Firmen, die mit einem Verlust rechnen, halbieren sich zwar auf rund elf Prozent. Der „Skontobereich“ steigt von 20 auf 28,7 Prozent. Ansonsten verschieben sich die Relationen nur unwesentlich.

Jobsicherung auch 2010 im Fokus

Jedes zehnte Unternehmen plant im Jahr 2010 der Umfrage zufolge eine Aufstockung der Belegschaft. Andererseits rechnen 31,4 Prozent der Firmen mit einem Rückgang der Beschäftigtenzahlen. Immerhin 57,5 Prozent der Befragten wollen die Belegschaften konstant halten. Diese Konstellation spricht per Saldo für einen leichten Beschäftigungsrückgang, wie er schon in der Vergangenheit als mittelfristiger Trend zu verzeichnen war.

Vorkrisenniveau frühestens ab 2012

„Wann erreichen Sie, gemessen an Umsatz oder Produktion, das Vorkrisenniveau?“ Fast 60 Prozent der Chemie-Firmen halten das erst 2012 oder später für möglich (2012: 30,4; 2013: 16,1; später: 11,8 Prozent). Nur 15,5 Prozent sehen die Konjunkturscharte schon in diesem Jahr ausgewetzt. 18,8 Prozent erwarten dies frühestens im nächsten Jahr. Mit 7,5 Prozent will oder kann sich eine relativ hohe Zahl der Firmen nicht festlegen.

Zahlreiche Risiko-Faktoren

Der BAVC hat die Chemie-Unternehmen auch nach den größten gesamtwirtschaftlichen und chemiespezifischen Risiken befragt. Dabei waren Mehrfachnennungen möglich. Gesamtwirtschaftliches Risiko Nummer 1 ist aus Sicht der Firmen mit 42,3 Prozent Nennungen die Finanzkrise. Gefahren durch eine Insolvenzwelle rangieren mit 41,8 Prozent auf Platz 2, gefolgt von der Kredit-klemme, die immerhin 29,7 Prozent der Befragten als Risiko identifiziert haben. Chemie-spezifisch sind Probleme bei den Abnehmerbranchen das mit Abstand größte Risiko aus Sicht der befragten Firmen. 62,9 Prozent der Antworten entfielen auf diese „Risikoklasse“. Ein neuer Rohstoffkostenschub wird mit 51 Prozent von der Hälfte der Unternehmen befürchtet, während mit 27 Prozent über ein Viertel der Befragten die Konkurrenz aus Fernost als Gefahr an die Wand malt.



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