Betriebliche Altersversorgung
'Wer sie nicht hat, verschenkt Geld'

Treffender als die Süddeutsche Zeitung vor kurzem titelte, lässt sich der Nutzen der betrieblichen Altersversorgung kaum formulieren: „Wer sie nicht hat, verschenkt Geld“. Das ist so, bleibt aber nur ein Argument für die betriebliche Altersversorgung. In Zeiten zunehmender demografischer Veränderungen und drohender Versorgungslücken im Alter trägt die betriebliche Altersversorgung wirksam dazu bei, die Absicherung der Arbeitnehmer zu stärken. Zu oft wird die Entscheidung für die Vorsorge in die Zukunft verschoben. Dabei ist jeder Beitrag, der heute geleistet wird, ein wertvoller Bestandteil der sozialen Sicherung im Alter. Je später die Vorsorge beginnt, desto schwieriger wird es, die Versorgungslücken zu schließen und die gesetzliche Rente auf ein ausreichendes Maß aufzustocken. Die chemische Industrie hat bei dieser wichtigen Zusatzvorsorge einen starken Akzent gesetzt: Grundlegendes Prinzip ist die vom Arbeitgeber geförderte Eigenverantwortung des Arbeitnehmers.

Staat fördert Altersvorsorge

Um einen Anreiz für zusätzliche Vorsorge zu bieten, wird die betriebliche Altersversorgung staatlich gefördert. Jeder Mitarbeiter hat den Anspruch, Teile seines Entgelts in betriebliche Altersversorgung umzuwandeln, so genanntes „Bruttosparen“. Für Beiträge bis zu 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung West (aktuell 2.640 Euro jährlich für 2011) fallen in der Ansparphase weder Steuern noch Sozialversicherungsbeiträge an. Im Vergleich zu privaten Anlageformen, die der Mitarbeiter nur aus seinem bereits um Steuern und Sozialabgaben gekürzten Nettoentgelt aufbauen kann, steht ihm mit dem Bruttosparen ein wesentlich höherer Beitrag für den Vermögensaufbau zur Verfügung. Ein Beispiel: Ein Tarifmitarbeiter mit einem Bruttoentgelt von 3.000 Euro, Steuerklasse I/IV, wandelt einen Beitrag in Höhe von 200 Euro monatlich um. Aufgrund der staatlichen Förderung (Steuer- und Sozialversicherungsfreiheit) wirkt sich dies netto nur mit 100 Euro aus. Der Beitrag von 200 Euro wird jedoch in voller Höhe für die Altersvorsorge angelegt.

Bei Auszahlung der betrieblichen Altersversorgung in der Rentenphase wird die Leistung als Einkommen versteuert und verbeitragt. In der Regel ist der Steuersatz im Rentenalter deutlich geringer als im Erwerbsleben. Die Leistungen aus der betrieblichen Altersversorgung werden dann günstiger versteuert als das Entgelt, das im Berufsleben ausgezahlt worden wäre. Dies kann neben der Anlagerendite aus der Altersversorgung zu weiteren Steuerspareffekten führen.

Die starke Chemie-Lösung

Die tarifliche Vorsorge greift dieses Prinzip des Bruttosparens auf: Der Tarifvertrag über Einmalzahlungen und Altersvorsorge (TEA) fördert die Entgeltumwandlung zusätzlich durch Arbeitgeberzuschüsse. Nimmt der Mitarbeiter an der tariflichen Vorsorge teil, so erhält er den Entgeltumwandlungsgrundbetrag von 478,57 Euro pro Jahr. Dieser entspricht den ehemals gewährten Vermögenswirksamen Leistungen (VWL). Seit 2006 wird der Betrag ausschließlich für die tarifliche Altersvorsorge zur Verfügung gestellt. Grund für diese Umstellung ist, dass die Vermögenswirksamen Leistungen nicht aus dem Brutto-, sondern aus dem Nettoentgelt an den Bausparträger oder Lebensversicherer gezahlt werden. Der Mitarbeiter stockt die um Steuer-und Sozialversicherungsbeiträge reduzierten VWL-Beiträge des Arbeitgebers aus seinem Nettoentgelt auf. Der Vorteil des Arbeitgeberzuschusses ist somit weitgehend aufgebraucht.

Chemie-Tarifförderung I

Anders hingegen bei der tariflichen Altersvorsorge: Wandelt der Mitarbeiter den Entgeltumwandlungsgrundbetrag um, so fördert der Arbeitgeber diesen Beitrag zusätzlich mit weiteren 134,98 Euro pro Jahr (Chemie-Tarifförderung I, CTF I). Insgesamt kann der Arbeitnehmer somit 613,55 Euro pro Jahr in tarifliche Altersvorsorge umwandeln, ohne einen Eigenbeitrag leisten zu müssen. Aufgrund der staatlichen Förderung bleiben diese Beiträge in der Ansparphase steuer- und sozialversicherungsfrei. Sie stehen bis zur Auszahlung in voller Höhe dem Kapitalaufbau der Altersvorsorge zur Verfügung.

Chemie-Tarifförderung II

Darüber hinaus werden Eigenbeiträge des Arbeitnehmers mit einer weiteren Chemie-Förderung belohnt: Wandelt der Arbeitnehmer freiwillig weitere Beiträge aus seinem Bruttoentgelt um, so erhält er für jede 100 Euro Eigenbeitrag eine Zusatzförderung von 13 Euro (Chemie-Tarifförderung II, CTF II). Dies gilt bis zu einem Gesamtumwandlungsbetrag von 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung jährlich.

Optimierung durch Demografiebetrag

Der Demografiebetrag aus dem Tarifvertrag „Lebensarbeitszeit und Demografie“ sieht vor, pro Tarifarbeitnehmer 300 Euro jährlich in einen betrieblichen Demografiefonds einzustellen. Der Demografiefonds kann für verschiedene Zwecke verwendet werden: Neben der tariflichen Altersvorsorge ist auch die Verwendung für Langzeitkonten, Altersteilzeit, Teilrente oder die Berufsunfähigkeitszusatzversicherung Chemie (BUC) möglich. Arbeitgeber und Betriebsrat bestimmen in einer Betriebsvereinbarung gemeinsam über die Verwendung. Wenn die Entscheidung zugunsten der tariflichen Altersvorsorge gefallen ist, steht der Demografiebetrag für die tarifliche Altersvorsorge zur Verfügung. In über 60 Prozent der Chemie-Unternehmen haben sich die Betriebsparteien für diesen Verwendungszweck entschieden. Der Mitarbeiter erhält zudem auf den Demografiebetrag die Chemie-Tarifförderung II und damit für 300 Euro weitere 39 Euro durch den Arbeitgeber. Aufgrund der hohen Arbeitgeber-Förderung ist die Chemie-Altersvorsorge besonders attraktiv: Zusammen mit dem Demografiebetrag kann der Mitarbeiter ohne Eigenaufwand einen Beitrag von jährlich 952,55 Euro für die Altersvorsorge abrufen. Auch die Mitarbeiter der chemischen Industrie haben dies erkannt: Insgesamt werden jährlich bereits über 100 Millionen Euro für die tarifliche Altersvorsorge umgewandelt.



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