Unternehmensbefragung:
Investitionsschwäche in Deutschland

Investitionen von heute sind das Fundament für Wachstum und Beschäftigung von morgen. Die anhaltend schwache Investitionstätigkeit hierzulande gibt deshalb Anlass zur Sorge. Die Gründe hierfür sind vielfältig, wie eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) unter rund 2.900 Unternehmen zeigt. Insbesondere die hohe weltwirtschaftliche Unsicherheit aber auch der wirtschaftspolitische Kurs der Bundesregierung begründen die Zurückhaltung vieler Unternehmen.

Investitionsdefizit hemmt Produktivitätswachstum

Deutsche Unternehmen investieren seit einigen Jahren eher verhalten in neue Maschinen und Anlagen. Das bremst das Produktivitätswachstum — und gefährdet damit mittelfristig den Wohlstand. Im Jahr 2012 sind die preisbereinigten Investitionen in neue Maschinen, Geräte, Fahrzeuge und Anlagen um 3 Prozent und im Jahr 2013 nochmals um 2,4 Prozent zurückgegangen. Klammert man die stark schwankenden Investitionen in Fahrzeuge aus, dann steht 2012 zwar noch mit einem kleinen Investitionsplus von 0,4 Prozent in den Büchern, dafür belief sich das Minus im Jahr darauf auf 2,7 Prozent. Für 2014 ist bei den realen Ausrüstungen immerhin ein Zuwachs von rund 3 Prozent zu verzeichnen. Das Plus ist allerdings vor allem dem guten ersten Quartal im Jahr 2014 zu verdanken. Anschließend gaben die Ausrüstungsinvestitionen wieder merklich nach.

Weltwirtschaftliche Unsicherheiten

Zurückzuführen ist die Investitionszurückhaltung laut der IW-Umfrage insbesondere auf die anhaltenden weltwirtschaftlichen Unsicherheiten: Niemand weiß, wie der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine ausgeht. Das Wachstum in den großen und mittlerweile auch ökonomisch gewichtigen Schwellenländern schwächelt. Wann sich diese Länder über strukturelle Anpassungen wieder nach oben arbeiten, lässt sich nicht vorhersagen. Wie es in der Eurozone weitergeht, ist ebenfalls schwer zu sagen. Insbesondere die anhaltende Schwäche von großen Volkswirtschaften wie Frankreich und Italien blockiert Investitionen — denn nach wie vor sind diese Länder sehr große Absatzmärkte für die deutschen Exportunternehmen. Hinzu kommt: Die zögerlichen Strukturreformen in vielen Euroländern erhöhen die Gefahr einer langen Phase schwachen Wachstums — das dämpft die Investitionsneigung der deutschen Unternehmen zusätzlich.

Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik gefordert

Die Gründe für die abwartende Haltung vieler Unternehmen sind nicht nur weltpolitischer Natur, sondern vielfach hausgemacht. Die investiven Rahmenbedingungen hierzulande haben sich verschlechtert. Für die Hälfte der befragten Firmen zählen dazu vor allem die im internationalen Vergleich hohen Energiekosten.
Die meisten bislang beschlossenen Maßnahmen der Großen Koalition — beispielsweise die Frühverrentung, der Mindestlohn mit seinen umfangreichen Dokumentati-onspflichten und die geplante strengere Regulierung der Zeitarbeit — bedeuten zusätzliche Kosten für die Unternehmen und verringern deren Investitionserträge. Weitere Schwierigkeiten bereiten den Firmen laut IW-Umfrage die hohen Arbeitskosten und die wuchernde Bürokratie.

Bevor sich die Politik also an teuren Investitionsprogrammen verausgabt, sollte sie sich bemühen, die Angebotsbedingungen für Unternehmen in Deutschland wieder zu verbessern. Dies fördert die Investitionsanreize und stärkt damit die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft — und hilft über die engen europäischen Wertschöpfungsketten auch Deutschlands Partnerländern in Europa. Eine Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik ist daher dringend geboten:
Kosten in den Griff bekommen. Deutschland ist ein Hochkostenland. Das gilt nicht nur für die Arbeitskosten, sondern auch für Energie. Allein die deutsche EEG-Umlage ist höher als der Industriestrompreis in den USA. Die Große Koalition muss Sonderbelastungen wie die EEG-Umlage und die kalte Progression reduzieren. Zudem müssen die Tarifpartner bei der Lohnfindung mit Augenmaß vorgehen.
Flexibilität erhalten. Die Politik muss ihr Versprechen einlösen, Bürokratie und Vorschriften abzubauen. So könnte zum Beispiel für jede neue bürokratische Regelung tatsächlich eine andere gestrichen werden.
Grundlagen für künftiges Wachstum schaffen. Die Infrastruktur in Deutschland ist noch gut und soll es bleiben. Deshalb muss beständig und effektiv in Straßen und Schienen investiert werden — nicht nur im Rahmen von Hauruck-Programmen. Die Mittel für eine ordentliche Infrastruktur sind da — die Politik muss Prioritäten setzen. Fortsetzen müssen Regierung und Unternehmen auch ihre Anstrengungen in Sachen Qualifizierung. Denn ein wachsender Mangel an Fachkräf-ten kann sich zu einem ausgemachten Investitionshindernis entwickeln. Besonders wichtig sind die duale Berufsausbildung und die Hochschulausbildung vor allem in den sogenannten MINT-Berufen.

STANDPUNKT von BAVC-Präsidentin Margret Suckale

»Investitionen sind der Treibstoff unseres Wirtschaftswachstums. Sie ermöglichen Wohlstand und sichern Beschäftigung. Dafür müssen aber auch die Rahmenbedingungen stimmen. Damit Unternehmen wieder mehr investieren, brauchen sie mehr Planungssicherheit und weniger Regulierung. Wachstumsstärkung muss Vorrang vor weiterer Umverteilung haben. Die Große Koalition darf nicht riskieren, dass sich die weltwirtschaftlichen Unsicherheiten auf den bislang noch robusten deutschen Arbeitsmarkt niederschlagen. Auch deshalb dürfen Werkverträge und Zeitarbeit nicht eingeschränkt werden.«
 



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