Gewerkschaften:
Augen zu und durch?

Die deutschen Gewerkschaften haben in den letzten Jahren unverkennbar an Renommee und Anerkennung hinzu gewonnen. Waren sie in der Diskussion um die Hartz-Reformen noch als Bremser verschrien, haben sie sich insbesondere durch ihr umsichtiges Krisenmanagement 2008/2009 wieder als politische Gestaltungsmacht etablieren können. Vielfach wird den Gewerkschaften auch bescheinigt, Lohnpolitik mit Augenmaß betrieben und so die deutsche Wirtschaft nach vorne gebracht zu haben.

ver.di und IG Metall mit hohen Lohnforderungen

Angesichts der aktuellen weltwirtschaftlichen Bremsspuren sind die Lohnforderungen der Gewerkschaften für 2016 allerdings alles andere als moderat. Für die Metall- und Elektroindustrie werden 5 Prozent mehr Lohn gefordert, für den Öffentlichen Dienst gar 6 Prozent. Und das in einer Situation, in der der Ölpreis immer mehr zum Risiko für die Weltwirtschaft wird, das Wachstum in China deutlich schwächer ausfällt und die Börsen heftige Turbulenzen erleben.

Hinzu kommt, dass die Arbeitnehmer gerade erst das höchste Reallohnplus seit 20 Jahren verbuchen konnten — dank der niedrigen Inflation, die in diesem Jahr kaum höher ausfallen dürfte. Selbst moderate Lohnabschlüsse führen demnach zu einem spürbaren Anstieg der verfügbaren Einkommen.

Nachholbedarf bei der Produktivität

Speziell für die exportorientierte Industrie ist zu beobachten, dass die Schere zwischen Lohnentwicklung und Produktivität in der jüngsten Zeit zu weit auseinander gegangen ist. In der Metall-Branche steht seit 2008 ein Lohnplus von 20 Prozent in den Büchern — bei einem Produktivitätszuwachs von nur 2 Prozent. Die IG Metall habe den Ernst der Lage nicht erkannt, kritisieren die Arbeitgeber.

Die Chemie-Gewerkschaft IG BCE hat bei den Beratungen über ihre Lohnforderung nun die Chance, es besser zu machen. Und das ist nötig, denn in der Chemie ist die Diskrepanz noch größer: Während die Löhne ähnlich stark gestiegen sind wie in der Metall-Industrie, liegt die Produktivität heute gegenüber 2008 um 0,9 Prozent im Minus. Mit einer moderaten Lohnforderung kann die IG BCE ein Zeichen setzen. Augen zu und durch — das kann nicht die Devise sein.



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