Wirtschaftliche Lage
Nur durchschnittliches Wachstum erwartet

Die erste zentrale Verhandlung in der Chemie-Tarifrunde 2011 am 15. März in Hannover hat abermals gezeigt, dass es zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeberseite bisher keine übereinstimmende Auffassung zur gegenwärtigen und künftigen wirtschaftlichen Entwicklung in der Chemie-Branche gibt.

Standortbestimmung

Auf der Suche nach einer sachgerechten Tariflösung ist eine gemeinsame Basis für die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage jedoch unerlässlich. Dabei gilt es, die ökonomischen Fakten nüchtern und ohne Wunschdenken zu analysieren und zu bewerten. Dies ist umso bedeutsamer, da gerade in wirtschaftlich turbulenten Zeiten die richtige Orientierung und eine sachgerechte Einordung notwendig sind. Aus Sicht der Chemie-Arbeitgeber lässt sich die konjunkturelle Situation der Branche Anfang 2011 wie folgt beschreiben: Die deutsche Chemie hat sich im Vorjahr erfreulich schnell und deutlich erholt. Die hohen Wachstumsraten sind jedoch das Spiegelbild der starken Einbrüche im Krisenjahr 2009. Sie lassen sich nicht einfach unverändert in die Zukunft fortschreiben. Dies hat die nachlassende Dynamik im zweiten Halbjahr 2010 bereits eindeutig gezeigt. Betrachtet man zur Standortbestimmung die zentralen Indikatoren im Mehrjahreszeitraum, so zeigt sich im Niveauvergleich eine – krisenverursachte – Diskrepanz zwischen Tariflohn-und Wirtschaftsentwicklung (siehe Seite 4). Im Jahr 2010 gab es gegenüber 2007 keine echten Zuwächse bei Produktion und Umsatz, während die Tariflöhne mit Anhebungen um 4,4 und 3,3 Prozent in den Jahren 2008 und 2009 trotz Krise deutlich gestiegen sind. Der Erholungsprozess innerhalb der Branche verläuft differenziert: Die Mehrheit der Chemie-Unternehmen gab in der BAVC-Konjunkturumfrage vom Januar 2011 an, erst in diesem Jahr oder später an die Vorkrisenwerte anknüpfen zu können. Insbesondere viele kleine und mittlere Chemie-Unternehmen haben noch Rückstand im Aufholprozess. Eine Tariflösung muss auch dieser Differenzierung innerhalb der Branche gerecht werden. Schließlich geht es um einen Abschluss im Flächentarif.

Aufholprozess nicht abgeschlossen

Insgesamt unstrittig ist, dass es nach heutiger Einschätzung auch im Jahr 2011 einen wirtschaftlichen Aufwärtstrend in der Chemie geben wird. Allerdings rechnen die Experten dabei nur mit einem durchschnittlichen Produktionswachstum von 2,5 Prozent und einer Umsatzsteigerung von 4,0 Prozent. Die Gründe für das langsamere Tempo der weiteren Erholung liegen auf der Hand: Die Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung lässt sowohl in den Schwellen- als auch in den Industrieländern nach. Im Inland verlagert sich die Konjunktur zunehmend in weniger chemie-intensive Branchen, so dass die Chemie-Nachfrage geringer wachsen wird als im Vorjahr. Die Wachstumsraten werden sich wieder normalisieren.

Wirtschaftliches Umfeld 2011

Zum wirtschaftlichen Umfeld des Jahres 2011 gehören zudem drastisch gestiegene Rohstoffpreise und zusätzliche Belastungen bei den Energiekosten – beides drückt die Margen der Unternehmen. Auch darf nicht ausgeblendet werden, dass nach wie vor erhebliche Konjunkturrisiken vorhanden sind. Weiterhin bestehende Unsicherheiten im internationalen Finanzsystem, die schwelende Schuldenkrise in Europa und den USA, die geopolitisch unsichere Lage in Nordafrika und im Nahen Osten (Stichwort Ölpreis) bergen ein Rückschlag-Potenzial für die globale Konjunktur. Die möglichen Auswirkungen der Katastrophen in Japan auf die Weltwirtschaft lassen sich derzeit noch nicht seriös abschätzen.

Die richtigen Schlüsse ziehen

Immerhin wurde von der IG BCE im Rahmen der Verhandlungsrunde in Hannover eingeräumt, dass die wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 2010 als Erholungsprozess zu werten ist und dass die Chemie-Branche insgesamt betrachtet erst im Verlauf des Jahres 2011 die Vorkrisenwerte erreichen wird. Erweitert man diese Betrachtung noch um die nur durchschnittliche Wachstumsperspektive für die Chemie-Branche und blendet die drastisch gestiegenen Belastungen bei Rohstoff-und Energiekosten nicht aus, so kommt es nun in der zweiten zentralen Verhandlungsrunde am 30. und 31. März in Bad Honnef darauf an, hieraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Schließlich gilt die Maxime: Es kann nur das verteilt werden, was über das Vorkrisenniveau hinaus an Zuwächsen erwirtschaftet wird.



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