Bildungspolitische Positionen der Chemie
MINT-Kompetenzen fördern

In Zeiten des demografischen Wandels und globalisierter Märkte werden gut qualifizierte und motivierte Mitarbeiter zu einem entscheidenden Standortvorteil. Gerade Deutschland als rohstoffarmes Industrieland kann seinen Wohlstand nachhaltig nur durch ein hohes Bildungsniveau der Bevölkerung absichern. Bildung schafft die Grundlage für hohe Innovationskraft und anhaltende Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Insbesondere für die deutsche Chemie-Industrie als Hochtechnologiebranche sind gut ausgebildete Mitarbeiter gerade in den MINT-Fächern von zentraler Bedeutung, um die eigene Spitzenposition in der Welt auch zukünftig zu erhalten und weiter auszubauen. Vor diesem Hintergrund ist das Internationale Jahr der Chemie 2011 für den Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC), die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und für den Verband der Chemischen Industrie (VCI) der richtige Anlass, ihre gemeinsamen bildungspolitischen Forderungen und Positionen vorzulegen. Nachfolgend werden die zentralen Handlungsfelder aus Sicht der Chemie-Organisationen in Auszügen dargestellt.

Frühkindliche Bildung

In den Kindergärten muss neben der Erziehung die frühkindliche Bildung gleichwertige Aufgabe werden. Dabei kommt spielerischen Experimenten, die die natürliche Neugier der Kinder aufgreifen, eine wichtige, prägende Rolle zu. Ausbildung und Qualifikation der in den Kindergärten für die Erziehung und Betreuung zuständigen Personen, insbesondere deren pädagogische Kompetenzen, müssen entsprechend gefördert und weiterentwickelt werden.

Schulische Bildung

Hauptziel der Schulbildung muss sein, alle Schüler adäquat auf die weitere Ausbildung vorzubereiten

– sei es im Hinblick auf die Sicherung der Ausbildungsfähigkeit für die berufliche Bildung, sei es im Hinblick auf die Sicherung der Studierfähigkeit für die Hochschulbildung. Für die Chemie-Organisationen gehört dabei die Vermittlung guter Kenntnisse und Fertigkeiten in den MINT-Fächern zum Kern des Bildungsauftrags der allgemeinbildenden Schulen. Um diesen Bildungsauftrag zu erfüllen, muss in den Schulen der Unterricht in Mathematik und Naturwissenschaften breit und verlässlich verankert werden. Dies bedeutet die verbindliche Einführung von naturwissenschaftlich-technisch orientiertem Sachunterricht an den Grundschulen. In den weiterführenden Schulen muss durchgängig ein Drittel der Stundentafel auf den Unterricht in MINT-Fächern entfallen – unabhängig von Schul-form und Jahrgangsstufe. Zur Qualitätssicherung des Schulunterrichts in den MINT-Fächern ist es unerlässlich, zum einen die für die naturwissenschaftlichen Fächer bereits vorliegenden bundesweiten Bildungsstandards (mittlerer Schulabschluss) zügig umzusetzen und zum anderen die Abitur-Bildungsstandards für diese Fächer rasch zu vereinbaren. In zentralen Abitur-Prüfungen auf Landesebene sollte mindestens ein naturwissenschaftliches Fach für alle Abiturienten verpflichtendes Prüfungsfach sein.

Berufliche Bildung

Für die Chemie-Branche ist die duale Berufsausbildung ein zentrales Element der Nachwuchssicherung. Mit Blick auf die wachsenden Anforderungen besteht der wesentliche Bildungsauftrag der Schulen darin, die Jugendlichen auf den Einstieg in das Berufsleben über eine berufliche Bildung vorzubereiten. Es gilt, die Ausbildungsfähigkeit der Jugendlichen sicherzustellen, damit sie über das erforderliche Rüstzeug für eine Ausbildung verfügen. Auch die berufliche Bildung steht vor der Herausforderung des demografischen Wandels. Zur Fachkräftesicherung müssen zukünftig besser als bisher alle Potenziale genutzt werden, damit Jugendliche einen qualifizierten Ausbildungsabschluss erwerben und beruflich Qualifizierte sich erfolgreich am lebenslangen Lernen beteiligen. Das etablierte System der beruflichen Aus-, Fort-und Weiterbildung sollte hier-zu künftig noch stärker kompetenzorientiert ausgerichtet und beschrieben werden – dies insbesondere auch vor dem Hintergrund der Diskussion über die Einführung des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR). Die Öffnung des Hochschulzugangs für beruflich qualifizierte Personen ist ein erster wichtiger Schritt, um die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung zu erhöhen und lebenslanges Lernen zu befördern. Um ein Hochschulstudium für beruflich Qualifizierte auch praktisch zu ermöglichen, bedarf es durch die Hochschulen organisatorischer Rahmenbedingungen, die an den besonderen Bedürfnissen dieser Studierendengruppe ausgerichtet sind.

Lehreraus- und fortbildung

Gerade bei der Vermittlung der Naturwissenschaften kommt dem Unterricht an den Schulen und damit den Lehrern eine zentrale Rolle zu. Der Anfang muss bei den Lehramtsstudiengängen gemacht werden, indem diese gleichwertig zu den fachwissenschaftlichen Studiengängen und inhaltlich mit Bezug auf aktuelle Themen der Naturwissenschaften organisiert werden. In starkem Maße prägt Technik auch die Alltagswelt von Kindern und Jugendlichen. Kinder und Jugendliche sollten erfahren, dass ihnen gute Kenntnisse in den Naturwissenschaften den Zugang zum Verstehen technischer Anwendungen und Problemlösungen deutlich erleichtern. In der Aus-und Fortbildung von MINT-Lehrern sollte daher die Auseinandersetzung mit der Beziehung zwischen Technik und Naturwissenschaften stärker gewichtet werden. Die Studienreform und die Einführung der Bachelor-und Master-Studiengänge bieten hierzu gute Chancen. Das Engagement von Lehrern, die ihren Beruf besonders motiviert ausüben, sollte angemessen gewürdigt werden. Hierzu sind in erster Linie Änderungen im Besoldungssystem erforderlich. Hinzu kommen individuelle Anerkennungen der Leistungen sowie die Schaffung von leistungsorientierten Förderinstrumenten für den Unterricht. Leistungen der Hochschulen in der Lehrerausbildung sollten adäquat honoriert und angerechnet werden. Dies wäre ein konkreter Beitrag zur Anerkennung der Bedeutung guter Lehramtsstudiengänge für die Nachwuchssicherung in den MINT-Fächern. Diese Maßnahmen tragen zur Steigerung der Qualität des Unterrichts und zur Verbesserung des Bildes und der Wertschätzung des Lehrerberufs in der Gesellschaft bei.

Hochschulbildung

Die Chemie-Organisationen bekennen sich unverändert zu den Zielen der Bologna-Reform im Hochschulbereich. Die im Rahmen des Bologna-Prozesses eingeführten Bachelor- und Master-Studiengänge in den MINT-Fächern sollten dahingehend weiterentwickelt werden, dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Hochschulen gestärkt wird. Hohe Qualitätsstandards in der Lehre sind für den Erfolg in diesem Wettbewerb wesentliche Voraussetzung. Die Hochschulen sollten die Curricula der Studiengänge inhaltlich so abstimmen, dass die Mobilität der Studierenden gefördert wird und die Studiengänge in der Regelstudienzeit studierbar sind. Die Autonomie der Hochschulen ist weiter zu stärken. Dies fördert den produktiven Wettbewerb unter den Hochschulen um Studierende, Professoren und Finanzmittel. Mit den Folgen des demografischen Wandels werden auch die Hochschulen konfrontiert: Die Zahl junger Erwachsener mit Studienberechtigung, die über berufliche Bildungswege an die Hochschulen kommen und spezifische Berufserfahrungen mitbringen, wird zunehmen. Vor diesem Hintergrund ist mit einer stärkeren Nachfrage nach bedarfsgerechten dualen Studiengängen und nach modularen Studienangeboten zur gezielten Weiterqualifizierung Berufstätiger zu rechnen.



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