Wirtschaftliche Lage
Zahlreiche Belastungsfaktoren für die Chemie

Die Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft bleiben gedämpft, nicht zuletzt aufgrund der anhaltenden Unsicherheit im Euro-Raum und der notwendigen Sparanstrengungen der europäischen Staaten zur Konsolidierung ihrer Staatshaushalte. Zusätzlich belasten die Spannungen im Nahen und Mittleren Osten.
 
Das schwächere wirtschaftliche Umfeld schlägt sich an erster Stelle in der konjunktursensiblen Industrie nieder und betrifft damit auch wichtige Abnehmerbranchen der deutschen Chemie. Die Chemie-Konjunktur hatte zuletzt bereits deutlich an Fahrt verloren; die Unternehmen mussten sich auf eine merkliche Abkühlung der Geschäfte einstellen. Der Tiefpunkt wurde im 4. Quartal 2011 erreicht. Für das Jahr 2012 erwartet der Verband der Chemischen Industrie (VCI) eine stagnierende Chemie-Produktion. Der Umsatz wird der aktuellen Prognose zufolge bei leicht steigenden Erzeugerpreisen um 1 Prozent zulegen.
 
BAVC-Konjunkturumfrage 2012: Verhaltener Ausblick
 
Die Indikatoren deuten darauf hin, dass die Chemie-Konjunktur die Talsohle zum Jahreswechsel wohl erreicht hat. Allerdings muss die chemische Industrie — ausgehend vom niedrigen Stand Ende 2011 — in diesem Jahr von Quartal zu Quartal wachsen, damit für 2012 insgesamt kein Rückgang zu verzeichnen ist.
 
Diese für das laufende Jahr eher verhaltenen Aussichten der Chemie-Branche spiegeln sich auch in den Ergebnissen der BAVC-Konjunkturumfrage 2012 wider, an der sich im Februar/März insgesamt 679 Unternehmen mit rund 357.000 Beschäftigten beteiligt haben. Per Saldo erwarten die Chemie-Unternehmen gegenüber 2011 keine Verbesserung der Geschäftsentwicklung. Dem Anteil der Unternehmen, die eine bessere Entwicklung erwarten (21 Prozent), steht ein nahezu gleich hoher Anteil von Unternehmen gegenüber (20 Prozent), die schlechtere Geschäfte als im Vorjahr befürchten. In den beiden Jahren zuvor war der Saldo der Geschäftserwartungen hier noch deutlich positiver ausgeprägt. Bei den Ertragsaussichten für das laufende Jahr sind die Einschätzungen noch zurückhaltender. 22 Prozent der Unternehmen gehen für 2012 von einer schlechteren Ertragssituation als im Vorjahr aus, während 20 Prozent mit einer Verbesserung rechnen. Ein Drittel der antwortenden Unternehmen kalkuliert für das Jahr 2012 mit einer Nettoumsatzrendite von höchstens 3 Prozent oder muss sogar damit rechnen, in die Verlustzone zu geraten.
 
Euro-Krise bremst Dynamik
 
Aktuell sehen sich die Unternehmen der Chemie-Branche mit einer Reihe von Belastungsfaktoren und Risiken für die Geschäftsentwicklung konfrontiert (siehe Abbildung). Etwa 80 Prozent der chemischen Erzeugnisse landen bei industriellen Kunden. Die Konjunkturzyklen der Abnehmerbranchen beeinflussen deshalb direkt die Umsatz- und Ergebnisentwicklung der Chemie-Industrie. Probleme bei den Abnehmerbranchen trüben derzeit vielfach die Aussichten für das eigene Geschäft (42 Prozent der Unternehmen). Die Abschwächung der Weltwirtschaft bremst hier die Dynamik und insbesondere die Schuldenkrise in Eu­ropa verunsichert weiterhin Konsumenten und Unternehmen gleichermaßen.
Die Wirtschaft in der Euro-Zone wird 2012 um 0,3 Prozent schrumpfen, schätzt die EU-Kommission. Nicht allein in Griechenland und Portugal wird die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr sinken. Auch für Spanien, Italien und die Niederlande geht die EU-Kommission von einer Rezession aus. Die schwache Wirtschaft in Europa trifft wichtige Kundenindustrien der deutschen Chemie, etwa den Elektro- oder Bau­bereich, aber auch den Automobilsektor. Dies bremst die Entwicklung des Chemie-Geschäfts.
 
Druck auf die Margen wächst
 
Die aktuell größten Sorgen bereiten den Unternehmen der Chemie-Branche die anhaltend hohen Rohstoffkosten. 71 Prozent der befragten Unternehmen sehen hierin den zentralen Belastungsfaktor für ihre Geschäftsentwicklung. Für mehr als die Hälfte der Chemie-Unternehmen (51 Prozent) ist die Weitergabe der steigenden Kosten angesichts der hohen Wettbewerbsintensität bei zum Teil rückläufigen Absatzmengen problematisch. Der Rohölpreis je Barrel sowie die Tonnenpreise wichtiger Primärchemikalien sind bereits im Jahresverlauf 2011 gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen:
 
  •          Rohöl:            + 39 Prozent
  •          Naphtha:        + 25 Prozent
  •          Benzol:          + 12 Prozent
  •          Ethylen:         + 20 Prozent
  •          Propylen:       + 20 Prozent
 
Das aktuelle Preisniveau liegt damit über den Höchstwerten aus dem Jahr 2008. Ein Risiko für die weitere Preisentwicklung beim Öl bleiben die geopolitischen Konflikte, etwa im Nahen und Mittleren Osten. Im Februar lag der Preis für ein Barrel der Sorte Brent bereits bei 119 US-Dollar. Im Vorjahresvergleich stieg der Rohölpreis damit weiter kräftig an — um 15 Prozent.
 
Energiekosten steigen weiter
 
Die energieintensive chemische Industrie ist auf eine zuverlässige Versorgung mit Grundlaststrom zu wettbewerbsfähigen Preisen angewiesen. Diese muss auch bei der Realisierung der Energiewende in Deutschland gewährleistet sein. 45 Prozent der an der BAVC-Konjunkturumfrage beteiligten Unternehmen sehen bereits heute in den Energiekosten einen besonderen Belastungsfaktor. Für die nahe Zukunft ist damit zu rechnen, dass die Stromkosten weiter ansteigen. Dies würde zusätzliche Belastungen verursachen. Eine Erhöhung des Strompreises um 1 Cent pro Kilowattstunde kostet die Chemie-Branche nach VCI-Angaben pro Jahr rund 500 Millionen Euro zusätzlich.
 
Gesundheitspolitik belastet Pharma
 
Als häufigste Antworten auf die Frage „Welche sonstigen Belastungsfaktoren sehen Sie für Ihre Geschäftsentwicklung?“ wurden „Gesundheitspolitik“ und „Generika-Konkurrenz“ genannt.
Dies ist ein deutliches Indiz für die besonderen Herausforderungen, denen sich der Pharma-Sektor weiterhin stellen muss. Die Gesundheitsreformen in zahlreichen Ländern und die Konkurrenz durch Generika-Produkte belasten Umsatz und Gewinn vieler Pharma-Unternehmen.


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