Krisen-Tarifrunde

Die Chemie-Industrie braucht einen Tarifabschluss, der nicht zu einem Rückschlag auf dem mühsamen Weg aus der Krise führen darf – dieses Fazit aus den regionalen Tarifverhandlungen können vermutlich sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer unterschreiben. Dennoch bestehen nach den intensiven Diskussionen in den einzelnen Tarifbezirken weiterhin erhebliche Unterschiede in der Frage, wie ein Krisen-Tarifabschluss konkret aussehen kann.

Krisenbewältigung hat absolute Priorität

Wechselseitig anerkannt wird die gemeinsame Leistung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern bei der Sicherung von Beschäftigung in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Allerdings fallen die Lagebeurteilungen mit Blick auf die kommenden Monate unterschiedlich aus. Die IG BCE sieht bereits jetzt Tendenzen einer zügigen Aufwärtsbewegung. Aus Sicht der Arbeitgeber hat Krisenbewältigung nach wie vor absolute Priorität. Eine Rückkehr auf das Niveau vor der Krise wird frühestens für 2012 erwartet.

Insbesondere warnen die Arbeitgeber davor, positive Unternehmensergebnisse falsch zu interpretieren: Schwarze Zahlen trotz Krise sind vor allem eine Folge von Einmaleffekten, die in 2010 nicht wiederholbar sind (z.B. kurzfristige Sparmaßnahmen).

Auch der von Seiten der IG BCE oft strapazierte Hinweis auf angeblich florierende Sparten wie die Pharma-Industrie hilft kaum weiter: Betrachtet man die gesamte Branche ohne Pharma, sehen die Produktionseinbrüche noch deutlich dramatischer aus als das Minus von zehn Prozent für 2009 ohnehin schon ist.

Steigende Kosten sichern keine Jobs

In dieser Situation beharrt die IG BCE einerseits auf ihren Forderungen nach Beschäftigungs- und Nachwuchssicherung in der Krise, begründet aber andererseits die Forderung nach mehr Geld mit dem vermeintlichen Aufschwung. Das passt aus Sicht der Arbeitgeber nicht zusammen.

Wer weiterhin Beschäftigung sichern will, darf dieses Ziel nicht durch zusätzliche Kostenbelastungen für die Unternehmen in Frage stellen. Steigende Kosten sichern keine Jobs. Vielmehr muss die Tarif-runde die Weichen stellen, um Jobsicherung zu vereinfachen. Deshalb schlagen die Arbeitgeber vor, den tariflichen Zuschuss zum Kurzarbeitergeld auf den Prüfstand zu stellen. 

Realismus bei Nachwuchssicherung

Zum Forderungskomplex „Nachwuchssicherung“ wiesen die Arbeitgeber in den Verhandlungen darauf hin, dass hier in den vergangenen Jahren bereits erhebliche Anstrengungen erfolgt sind. Zugleich wurde die Basis erfolgreicher Nachwuchssicherung klar benannt: Eine Perspektive für junge Menschen können nur Unternehmen bieten, die auf Dauer wettbewerbsfähig sind. Sollen neue Chancen für Nachwuchssicherung entstehen, müssen die Unternehmen daher an anderer Stelle entlastet werden.

Kein Spielraum für Entgeltsteigerungen

Im Laufe der regionalen Verhandlungsrunde wurde von Arbeitnehmerseite stets betont, dass die Beschäftigten die weltweite Wirtschaftskrise nicht zu verantworten haben. Für die Arbeitgeber gilt diese Feststellung ebenfalls ohne Abstriche. Auch die Unternehmen der Chemie-Industrie sind Opfer einer Krise, die sie nicht verursacht haben. Gleichwohl führt kein Weg daran vorbei, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Folgen der Krise in den kommenden Monaten gemeinsam bewältigen müssen. In einer solch schwierigen konjunkturellen Lage ist für Entgeltsteigerungen keinerlei Spielraum vorhanden.

Bundesverhandlungen ab 20. April 2010

Insgesamt braucht die Chemie-Industrie einen Abschluss, der dieser einmaligen Krisensituation in allen Punkten gerecht wird. In der ersten Runde der Tarifverhandlungen auf Bundesebene am 20. und 21. April in Würzburg kommt es nun darauf an, einen Krisen-Tarifvertrag auszugestalten, mit dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Herausforderungen der Krise auch 2010 erfolgreich meistern können.



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