Bündnis "Zukunft der Industrie":
Chance für den Industriestandort

Lange Zeit galt Trendforschern, weiten Teilen der veröffentlichten Meinung und der Politik als zukunftsträchtig, was sich dem Dienstleistungssektor zurechnen ließ: Banken oder Internet-Startups waren, so die verbreitete Auffassung, die Pioniere der kommenden Wissensgesellschaft. Doch spätestens die seit 2008 schwelende Finanz-, Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise hat einer breiten Öffentlichkeit den Wertschöpfungsbeitrag, die Innovationskraft und die enorme Beschäftigungswirkung eines fast vergessenen Wirtschaftssektors vor Augen geführt: der Industrie. Der neuen Wertschätzung folgte bald eine Renaissance der Industriepolitik. Brüssel etwa gab sich Ende 2012 das Ziel, den Industrieanteil am EU-Bruttosozialprodukt bis 2020 auf 20 Prozent zu erhöhen.

Das Bündnis geht an den Start
 
Mittlerweile hat auch Bundeswirtschaftsminister Gabriel sein Herz für das Verarbeitende Gewerbe entdeckt. Auf Initiative seines Hauses, der IG Metall und des BDI hat sich am 3. März das Bündnis »Zukunft der Industrie« konstituiert. Die Allianz, der mittlerweile 14 Mitglieder — neben dem Ministerium auch Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände (darunter der BAVC) sowie Gewerkschaften — angehören, hat sich zum Ziel gesetzt, die industrielle Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland zu stärken und mehr und bessere Industriearbeitsplätze zu schaffen. In der gemeinsamen Erklärung, die BAVC-Präsidentin Margret Suckale für die Chemie-Arbeitgeber unterschrieben hat, wird nicht nur auf die Bedeutung der Industrie für die deutsche Volkswirtschaft hingewiesen, sondern bereits das Themenspektrum und die künftige Arbeitsweise skizziert: Auf fünf Themenfeldern (Industrieakzeptanz, Investitionen, Zukunft der Arbeit, Wertschöpfungsstrukturen und internationale Wettbewerbsfähigkeit) sollen Arbeitsgruppen Handlungsempfehlungen formulieren. Die Gesamtrichtung gibt die »High-Level Group« vor, der neben dem Wirtschaftsminister die Präsidenten bzw. Vorsitzenden der Verbände sowie Gewerkschaften angehören. Eine Geschäftsstelle soll für einen transparenten Informationsfluss innerhalb des Bündnisses sorgen und die Allianzpartner bei der Kommunikation von Zwischenergebnissen und Sitzungsterminen unterstützen. Schließlich wird die Einrichtung eines Netzwerkes »Bündnis der Industrie« angekündigt, das eine gesellschaftspolitische Diskussion über Rolle und Bedeutung der Industrie in Deutschland befördern soll — bereits bis Sommer 2015.
 
In der Konzentration liegt die Kraft
 
Das Bündnis »Zukunft der Industrie« hat das Zeug, die industriepolitische Debatte in Deutschland zu befeuern und die Akzeptanz des Sektors zu erhöhen. Doch wird es nicht leicht sein, die durchaus gegensätzlichen industriepolitischen Vorstellungen innerhalb der Allianz — hier eher dirigistische, dort eher ordoliberale Vorstellungen — unter einen Hut zu bringen. Um sicherzustellen, dass es dem Gabriel-Bündnis nicht so ergebnislos ergeht wie ähnlichen Initiativen der Vergangenheit — Schillers »konzertierte Aktion« der 1960er Jahre oder Schröders »Bündnis für Arbeit« um die Millenniumswende — gilt es, sich diesmal konsequent auf die Schnittmenge gemeinsamer Interessen zu konzentrieren.


Downloads

Typ Dateiname Dateigröße
pdf Impuls_04_2015_Industriestandort.pdf 1,1 MB

BAVC-Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie Nachrichten, Infodienste und Pressemitteilungen bequem per E-Mail

BAVC auf Twitter

Folgen Sie dem BAVC auf Twitter, um aktuelle Informationen und Neuigkeiten des Verbandes in Echtzeit zu erhalten.

BAVC-Partner

Heute Morgen Sozialpartnernetz Berufskompass Chemie Chemiepensionsfonds Gibuci mint UCI CSSA INQA
VOILA_REP_ID=C12574AC:00338A87