Chemie-Konjunktur:
Weiter ohne Dynamik

Das Geschäftsjahr 2015 war wie das Vorjahr von weitgehender Stagnation der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Deutschland gekennzeichnet. Weder Produktion noch Umsatz der Branche konnten nachhaltige Zuwächse verzeichnen. Das Chemie-Jahr blieb damit noch hinter den ohnehin bereits moderaten Erwartungen zurück. Das spiegelt sich auch in der über das gesamte Jahr gesehen rückläufigen Entwicklung des Geschäftsklimaindex wider. Insbesondere das Schlussquartal 2015 fiel überraschend schwach aus; alle relevanten Indikatoren der Branche zeigten nach unten. Somit startete die Branche von einem bescheidenen Niveau aus in das aktuelle Geschäftsjahr 2016.

Produktion stagniert

Die Produktion der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Deutschland ist nach aktuellen Daten im letzten Jahr um lediglich 0,8 Prozent gestiegen. Nach 0,6 Prozent im Jahr 2014 war dies das zweite Jahr in Folge ohne eine klare Mengensteigerung für die Branche. Der Blick auf den Verlauf des vergangenen Jahres zeigt zudem, dass die Produktion im ersten Halbjahr zunächst noch stieg. Seit Juli 2015 setzte aber ein rückläufiger Trend ein. Zuletzt gab es einige Monate mit starken Schwankungen ohne eine klare Richtung. Im langfristigen Vergleich lag das Produktionsvolumen im Januar 2016 nur knapp über dem Vergleichswert vom Januar 2008. Damit setzt sich die Seitwärtsbewegung der Chemie-Konjunktur weiter fort, die mit der Erholung nach der Finanz- und Wirtschaftskrise ab dem Jahr 2011 eingesetzt hat.

Umsatz im Minus

Noch deutlicher rückläufig war zuletzt der Umsatz der Branche. Getrieben vor allem durch fallende Rohstoffpreise und Zurückhaltung der Abnehmer sanken die Chemie-Erzeugerpreise 2015 um durchschnittlich 2,8 Prozent — und waren damit schon im dritten Jahr in Folge rückläufig. Die Preise lagen so niedrig wie in den letzten 5 Jahren nicht mehr. Zum Jahresbeginn 2016 hat sich dieser Rückgang noch weiter fortgesetzt.

Entsprechend rutschte angesichts der ebenfalls mangelnden Produktionsdynamik auch der Umsatz der Branche ins Minus: 2015 lag er nach den vorläufigen Daten mit rund 190 Milliarden Euro um 0,4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Auch hier war die erste Hälfte des Jahres noch durch eine positive Entwicklung gekennzeichnet. Seit August 2015 jedoch war der Chemie-Umsatz jeden Monat niedriger als der entsprechende Vorjahreswert. Das Niveau des Umsatzindex im Januar 2016 markierte zudem den niedrigsten Wert für einen Jahresbeginn seit 2010. Der Umsatzrückgang betraf dabei das Geschäft im Inland wie auch das Geschäft mit fast allen Weltregionen gleichermaßen.

Beschäftigungsaufbau stockt

Eine erfreuliche Entwicklung war in den vergangenen Jahren allein bei den Beschäftigtenzahlen zu vermelden. Dies setzte sich in den vergangenen Monaten zunächst fort. Auch im Jahr 2015 arbeiteten noch einmal 0,8 Prozent mehr Menschen in der deutschen chemisch-pharmazeutischen Industrie als ein Jahr zuvor. Seit 2010 hat die Branche damit weit mehr als 30.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Zum Jahresbeginn 2016 hinterlassen nun allerdings die Stagnation der Chemie-Konjunktur und die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft erste Bremsspuren auch bei den Beschäftigtenzahlen. Mit einem Minus von 0,5 Prozent ergab sich im Jahresvergleich erstmals seit Anfang 2011 ein negativer Wert.

Produktivität hinkt hinterher

Die Produktivität in der deutschen Chemie als entscheidende Kennzahl für das Produktionsergebnis je Beschäftigten fällt seit Jahren noch hinter die ohnehin nur stagnierende wirtschaftliche Entwicklung der Branche zurück. Denn trotz steigender Beschäftigtenzahlen tritt die Produktion weiter auf der Stelle. Im Jahr 2015 konnte die Produktivität nach vorläufigen Daten lediglich um 0,4 Prozent zulegen — und damit noch nicht einmal den Rückgang aus dem Vorjahr auffangen. Der Trend im Jahresverlauf war zudem auch bei diesem Indikator rückläufig. Im Zeitraum seit 2010 fiel die Produktivität insgesamt um jetzt 4 Prozent und liegt damit im Niveau weiterhin unter den Werten der Vorkrisenjahre 2007 und 2008.

Aussichten eingetrübt

Auch für den weiteren Jahresverlauf 2016 ist keine Wachstumsdynamik für die deutsche chemisch-pharmazeutische Industrie in ihrer Gesamtheit in Sicht. Die aktuelle Prognose des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) für das Gesamtjahr geht im Durchschnitt der Branche nun von einer Steigerung der Produktion um 1 Prozent aus. Der Umsatz wird demnach bei erneut rückläufigen Preisen mit einem Plus von 0,5 Prozent weiterhin praktisch stagnieren. Eine nachhaltige Belebung des Geschäfts ist nicht in Sicht.



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