Alternde Belegschaften
Die 5 Demografie-Mythen

Der demografische Wandel ist eine der zentralen Herausforderungen in der Arbeitswelt. Kein Wunder, dass die Diskussion um längeres und flexibleres Arbeiten auch die laufenden Chemie-Tarifverhandlungen prägt.
 
Demografie ist komplex und vielschichtig, im Grunde jedoch einfach erklärt: Wir werden älter und wir werden weniger. Und die, die älter werden, bleiben länger jung.
Das gilt ohne Abstriche auch für die Beschäftigten in der chemischen Industrie. Fachkräfte werden knapp, der Nachwuchs fehlt. Trotz dieses eindeutigen Befundes tauchen in der politischen Diskussion immer wieder allzu einfache Wahrheiten auf, die wie Nebelbomben den Blick auf die Herausforderung der alternden Gesellschaft verstellen. Hier die 5 Mythen der Demografie-Debatte im Überblick:
 
1. Ältere finden keinen Job
 
Falsch! Immer mehr Ältere sind heute berufstätig: „Innerhalb von weniger als 5 Jahren hat sich der Anteil der Beschäftigten mit einer sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstelle unter den 60- bis 64-Jährigen um gut 10 Prozentpunkte erhöht“, schreibt das Handelsblatt unter Berufung auf Daten der Bundesagentur für Arbeit. Diese Entwicklung ist eine Folge der richtigen Entscheidung des Gesetzgebers für die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre. Ein Blick in die Chemie bestätigt den Trend: Allein in den letzten 10 Jahren ist der Anteil der über 50-jährigen Beschäftigten von 22 Prozent auf fast 30 Prozent gestiegen.
 
2. Ältere sind weniger produktiv
 
Falsch! Durch die steigende Lebenserwartung können sich die Mitarbeiter heute über mehr Lebenszeit freuen, die sie bei guter Gesundheit verbringen. Im Demografie-Bericht der Bundesregierung heißt es: „Immer mehr Menschen erreichen ein hohes Alter bei besserer körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit. Die Anzahl der Lebensjahre, die die Menschen in Gesundheit verbringen, wächst. Die Lebenserwartung von Männern und Frauen steigt nicht, weil sich der Alterungsprozess verlangsamt, sondern weil er vor allem immer später im Leben einsetzt. Die Menschen werden nicht nur immer älter, sondern bleiben auch länger gesund.“
 
3. Mehr Ausbildung löst Fachkräfteproblem
 
Falsch! Selbst wenn die Unternehmen noch mehr Ausbildungsplätze anbieten würden: Der Fachkräftemangel wird kommen. Da immer weniger Kinder geboren werden, gibt es auch immer weniger Schulabgänger und somit weniger Potenzial für eine Ausbildung z.B. in der chemischen Industrie. Laut Prognose der Kultusministerkonferenz geht die Zahl der Schulabgänger in den nächsten 10 Jahren um ein Fünftel zurück. Die Chemie-Unternehmen investieren schon heute massiv in Ausbildung. Seit 2003, dem Start des Tarifvertrags „Zukunft durch Ausbildung“, haben die Arbeitgeber das Ausbildungsplatzangebot um fast 10 Prozent gesteigert. Da aber in den nächsten Jahren die „Babyboomer“ in den Ruhestand gehen und nicht genügend junge Menschen nachrücken werden, weil sie nicht geboren wurden, wird sich der Mangel weiter verschärfen.
 
4. Mehr Zuwanderung löst Demografieproblem
 
Falsch! Selbst wenn in Zukunft mehr qualifizierte Fachkräfte nach Deutschland einwandern, wird der Mangel an Fachkräften allenfalls gelindert. In den letzten Jahren hatte Deutschland jedoch eine negative Zuwanderungsbilanz, d.h. mehr Menschen verließen das Land, als zu uns kamen. Erst seit kurzem scheint sich der Trend zu drehen, weil mehr Menschen aus den kriselnden Staaten Südeuropas nach Deutschland einwandern. Wie nachhaltig diese Trendwende ist, bleibt abzuwarten.
 
5. Mehr Frauen im Job lösen Fachkräfteproblem
 
Falsch! Es ist zweifellos notwendig und gewünscht, die Erwerbsbeteiligung von Frauen weiter zu erhöhen. Aber auch steigende Erwerbsquoten von Frauen werden nicht dazu führen, die demografiebedingten Verluste auszugleichen. Das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit hat berechnet: Bis 2025 werden uns 3,5 Millionen Erwerbspersonen fehlen. Darin sind sowohl ein positiver Zuwanderungssaldo von 100.000 Personen jährlich als auch die steigenden Erwerbsquoten von Frauen bereits berücksichtigt.
 
Insgesamt zeigt sich: Von A wie Arbeitszeit bis Z wie Zuwanderung gibt es zahlreiche Stellschrauben für den Umgang mit der alternden Gesellschaft. Der demografische Wandel ist real und er hat schon jetzt Folgen für die Arbeitswelt. Es sind nicht zuletzt die Tarifpartner, die Antworten auf diese Entwicklung finden müssen. Die Zeit drängt. Noch lässt sich der Wandel gestalten.


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