Das Horror-Quartal

Die gesamtwirtschaftliche Leistung: Minus 6,7 Prozent im ersten Quartal 2009. Minus 21,2 Prozent im verarbeitenden Gewerbe und minus 17,6 Prozent in der chemischen Industrie - einen solchen nahezu ungebremsten Absturz binnen Jahresfrist hat die deutsche Wirtschaft in der Nachkriegsgeschichte allenfalls noch in den Jahren nach der Ölkrise 1973 erlebt. Dies trifft auch für die chemische Industrie zu.

Krisenjahr 2009

Nachdem das erste Quartal dermaßen verhagelt war, mussten auch die Erwartungen für das Gesamtjahr weiter zurückgeschraubt werden. So rechnet der Verband der Chemischen Industrie (VCI) inzwischen mit einem Produktionsrückgang von rund 10 Prozent und einer Umsatzeinbuße von 12 Prozent für 2009. Auch dies wäre ein Negativ-Rekord.

Die Kapazitätsauslastung in der chemischen Industrie hat im ersten Quartal 2009 mit knapp 72 Prozent ebenfalls einen Tiefstand erreicht (siehe Grafik).
Üblicherweise bewegt sich die Kapazitätsauslastung der Chemie-Industrie deutlich oberhalb von 80 Prozent. Aufgrund der anhaltend schwachen Auftragslage haben viele Chemie-Unternehmen ihre Produktion weiter zurückgefahren oder ganze Anlagen abgeschaltet.

Umsatzminus im In- und Ausland

Im Gefolge der weltweiten Talfahrt ist der Gesamtumsatz der chemischen Industrie (einschließlich handels- und fachfremder Umsätze) gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 19 Prozent auf 33,7 Milliarden Euro gefallen. Dabei waren Inlandsumsatz und Auslandsumsatz gleichermaßen betroffen. Der Inlandsumsatz sank um 18,1 Prozent auf 14,3 Milliarden Euro, der Auslandsumsatz sogar um 19,7 Prozent auf 19,4 Milliarden Euro.

Erzeugerpreise rückläufig

Da die Rohölpreise im ersten Quartal 2009 gegenüber dem Jahresendquartal 2008 um fast 20 Prozent zurückgegangen sind, haben auch die Kontraktpreise für wichtige Primärchemikalien als Folgeprodukte deutlich nachgegeben. Dies hatte zur Folge, dass die Chemie-Erzeugerpreise im Vorjahresvergleich nicht weiter angestiegen sind. Gegenüber dem Jahresendquartal 2008 waren sie sogar erkennbar rückläufig.

Wegen der volatilen Naphtha- und Rohölpreise werden inzwischen statt Quartals- vermehrt Monats-kontrakte abgeschlossen, um diese besser an die Rohstoffpreisentwicklung anpassen zu können.

Beschäftigung bisher stabil

Zu den bemerkenswerten Daten der ersten drei Monate zählt, dass die Beschäftigung trotz des massiven Wirtschaftseinbruchs in der chemischen Industrie weitgehend stabil gehalten werden konnte. Im ersten Quartal waren durchschnittlich rund 440.400 Mitarbeiter beschäftigt (Abgrenzung: Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten). Dies ist in erster Linie dem Einsatz flexibler Arbeitszeitinstrumente sowie einer deutlichen Ausweitung der Kurzarbeit zuzuschreiben (siehe Informationsbrief 5/2009).

Auch auf der Entgeltseite sind gemäß Tarifvertrag Flexibilisierungs-Möglichkeiten gegeben (siehe unten). Mit diesem Instrumentarium ist die chemische Industrie gut gerüstet, um Nachfrageschwankungen abfedern zu können. Ziel der Chemie-Unternehmen ist es, Beschäftigung so weit wie möglich zu erhalten, zumal in wenigen Jahren geburtenschwächere Jahrgänge auf den Arbeitsmarkt kommen werden. Demografische Engpässe sind dann nicht auszuschließen.

Lichtblicke?

'Die Branche steht vor ihrer größten Herausforderung seit der Ölkrise Anfang der 70er-Jahre' formuliert der VCI in seinem jüngsten Quartalsbericht und ergänzt: 'Entsprechend schlecht ist die Stimmung in den Chefetagen der Chemie-Unternehmen'.

Allerdings ist die pessimistische Lagebeurteilung seit einiger Zeit einer nicht mehr ganz so skeptischen Erwartungshaltung gewichen. So haben sich die Geschäftserwartungen für das nächste Halbjahr in den letzten Monaten Stück für Stück verbessert. Dies deutet auf eine wieder ansteigende Kurve im Jahresverlauf hin. Das berühmte 'Licht am Ende des Tunnels' ist sichtbar.

Obwohl sich die Chemie-Produktion im Jahresverlauf und insbesondere zum Jahresende hin erholen dürfte, wird der Jahresdurchschnitt 2009 bei einem zweistelligen Minus liegen. Klammert man zudem die weniger konjunkturempfindliche Pharma-Sparte aus, könnte der Produktionsrückgang sogar eine Dimension von minus 15 Prozent erreichen.



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