Chemie-Industrie in der Rezession
Flexibel durch die Krise

Die Folgen der globalen Rezession treffen die chemische Industrie hart. Mit einer außergewöhnlichen Geschwindigkeit schlägt die Krise auf Aufträge, Produktion und Umsatz durch. So mussten die Chemie-Unternehmen im ersten Quartal 2009 Umsatzrückgänge von 19 Prozent verkraften. Für das Gesamtjahr steht die aktuelle Prognose bei einem Umsatzminus von 12 Prozent. Die Kapazitätsauslastung liegt bei 72 Prozent. Der Kostendruck steigt.

Marschroute

In dieser kritischen Situation tun die Arbeitgeber alles dafür, die Beschäftigung so weit wie möglich zu stabilisieren. Im eigenen Interesse der Unternehmen sollen Fachkräfte gehalten werden, um für den nächsten Aufschwung gerüstet zu sein. Mit dieser Marschroute ist es der chemischen Industrie in Deutschland bisher gelungen, weitgehend ohne die ultima ratio der betriebsbedingten Kündigung auszukommen. Die Unternehmen setzen weiter auf weniger einschneidende Mittel, um die Wirtschaftskrise zu überstehen.

Flexi-Instrumente

So eröffnet der Chemie-Flächentarif eine Reihe von Möglichkeiten für effektives Krisen-Management:
z. B. der Entgeltkorridor, die Verschiebung oder Absenkung der Jahresleistung sowie der Arbeitszeitkorridor (Details siehe Seite 6).

Und die Flexibilität wird gebraucht: Seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise im Herbst 2008 hat die Nutzung der Flexibilisierungs-Instrumente deutlich zugenommen. Zweifellos hat der flexible Chemie-Flächentarif in den vergangenen Monaten einen erheblichen Beitrag zur Sicherung von Wettbewerbsfähigkeit und damit von Standort und Beschäftigung geleistet. In den kommenden Monaten ist weiterhin mit einer starken Nachfrage nach Flexibilisierungen zu rechnen.

Transparenz und Fairness

Bei der Anwendung der Flexibilisierungs-Instrumente sind Transparenz, Verlässlichkeit und Fairness oberstes Gebot. In der Regel setzt der Einsatz von Flexi-Instrumenten die Zustimmung der Tarifparteien voraus. Ohne einen objektiv vorhandenen und nachprüfbaren Bedarf kommen Flexibilisierungen nicht in Frage. Trittbrettfahrer, die die Situation ohne Not ausnutzen wollen, beschädigen das flexible Tarifsystem für alle, die es dringend brauchen.

Auf der anderen Seite wird eine dogmatische Handhabung von Zustimmungsverfahren der derzeitigen Lage nicht gerecht. Gefragt ist eine rasche und nachvollziehbare Entscheidungsfindung durch die beteiligten Sozialpartner.

Einzelfallbetrachtung

Mit jedem Einzelfall ist verantwortlich auf Grundlage der besonderen Chemie-Sozialpartnerschaft zu verfahren. Diesen Prozess wollen Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) in Zukunft verstärkt unterstützen, indem kontroverse Fälle direkt auf Bundesebene diskutiert werden können. Den derzeitigen Erfahrungen entsprechend wird dies lediglich für einige Sonderfälle in Betracht kommen.

Kurzarbeit

Ein weiteres wesentliches Instrument zur Beschäftigungssicherung ist Kurzarbeit. Zahlreiche Chemie-Unternehmen nutzen dieses Mittel. BAVC-Präsident Eggert Voscherau unterstützt daher die Initiative von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz zur Kurzarbeit. Insbesondere die vollständige Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge nach sechs Monaten Kurzarbeit sei eine 'echte Kostenentlastung für die Unternehmen' erklärte Voscherau gegenüber der Presse. 'Damit haben die Unternehmen mehr Luft, um die Krise zu überstehen'. Der BAVC-Präsident wies allerdings auch auf die Grenzen der Kurzarbeit hin: 'Sie macht nur dann Sinn, wenn das Unternehmen damit betriebswirtschaftlich überleben kann'.



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