Chemie hoch 3-Tagung in Nauen
Nachhaltigkeit ist Zukunftsfähigkeit

Nachhaltigkeit bedeutet, ökonomische Leistungsfähigkeit, ökologische Verantwortung und soziale Gerechtigkeit zu verbinden. Mit diesem Credo positioniert sich die deutsche chemische Industrie im Rahmen der Brancheninitiative Chemie³ in der Nachhaltigkeits­debatte — so auch Ende Mai auf einer Tagung in Nauen bei Berlin.

Die Ausrichtung des eigenen Handelns auf die Zukunft lässt sich am besten abseits des üblichen Tagesgeschehens diskutieren. Um nichts anderes geht es beim Thema Nachhaltigkeit, und so war das Landgut Borsig im brandenburgischen Nauen eine exzellente Wahl. Weit ab vom Hauptstadttrubel tauschten sich am 22. Mai Vertreter der Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³ mit den Stakeholdern unserer Branche aus: mit Umweltverbänden, Unternehmen aus den unterschiedlichsten Wirtschaftsbereichen, aber auch der Wissenschaft, Ministerien und vielen mehr.
 
Erster öffentlicher Großauftritt seit Start der Initiative
 
Zum ersten Mal seit dem Start der Initiative im Mai 2013 suchte Chemie³ die Aufmerksamkeit einer breiteren Öffentlichkeit — und fand sie: Gut 100 Teilnehmer wollten nicht nur wissen, was es mit der Nachhaltigkeitsinitiative auf sich hat, sondern brachten sich in vier parallelen Workshops mit ihrer Expertise, aber auch mit ihren zum Teil kritischen Positionen ein.
Genau dies — der kritisch-konstruktive Austausch zwischen Chemie³ und den Stakeholdern — war Sinn und Zweck der Veranstaltung. „Nauen“ bot die Möglichkeit, den vor wenigen Monaten begonnenen Stakeholder-Dialog auf breiter Front und mit inhaltlichem Tiefgang fortzusetzen.
 
Nachhaltigkeit konkret: Vertiefende Diskussion in Workshops
 
Eine der größten Herausforderungen der Nachhaltigkeitsdebatte und damit von Chemie³ ist es, das Thema aus dem Wolkenkuckucksheim einer globalen Expertenszene an die Wirklichkeit von Branche und Unternehmen heranzuführen. Was genau ist unter Nachhaltigkeit zu verstehen? Und worin besteht die Relevanz des Themas jenseits der Produktion von Hochglanzbroschüren?
Vier parallele Workshops nahmen sich dieser Erdungsaufgabe an und debattierten über das Innovationspotenzial nachhaltiger Unternehmensführung, die Problematik der Zuschreibung von Verantwortung in der Lieferkette, die Möglichkeiten und Grenzen der Bildung von Unternehmenspartnerschaften sowie gelebte Sozialpartnerschaft in Betrieb und Branche.
 
Soziale Nachhaltigkeit neu gedacht — als nachhaltige Personalpolitik
 
Der Titel des letztgenannten Workshops, dessen zentrale Ergebnisse hier exemplarisch wiedergegeben werden sollen, fällt unter die so genannte soziale Dimension der Nachhaltigkeit, die in der Sustainable-Development-Debatte ein traditionell stiefmütterliches Dasein führt. „Wir praktizieren in der Chemie seit Jahrzehnten echte Sozialpartnerschaft, die wir immer weiter verfeinern“, betonte BAVC-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Goos im Rahmen der Veranstaltung. „Das ist unser Erfolgsgeheimnis für Wettbewerbsfähigkeit, gute Arbeit und ein wichtiger Beitrag zur sozialen Dimension von Nachhaltigkeit.“
 
Neben der Sorge um die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen (ökologische Dimension) und die wirtschaftliche Tragfähigkeit des eigenen Tuns (ökonomische Dimension) ist es wesentlich der Faktor Mensch, der über die Leistungs-, Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit von Branchen und Unternehmen bestimmt.
 
Dass der schonungsvolle, eben nachhaltige Umgang mit dieser Ressource vor dem Hintergrund des demografischen Wandels mit all seinen Folgeerscheinungen — Alterung und Schrumpfung der Bevölkerung, Fachkräftemangel, Verlust an Innovationsfähigkeit usw. — nicht nur ein, sondern in der globalisierten Wissens­gesellschaft der entscheidende Wettbewerbsfaktor und damit Business Case ist, hat Matthias Dipper, Head of International Labor Relations & Employment/Corporate Human Resources bei Clariant, auf den Begriff gebracht: In seinem Impulsreferat plädierte er für eine „nachhaltige Personalpolitik“, die einem alternativen Verständnis von sozialer Nachhaltigkeit folge: weg von der — durchaus berechtigten — Sorge um Armutsbekämpfung und gesellschaftliche Ungleichheit, hin zum Fokus auf eine intelligente, langfristig ausgerichtete Beschäftigungspolitik.
 
Nachhaltige Personalpolitik bestehe aus folgenden Bausteinen: Demografie-Management, lebensphasen­orientierte Arbeitszeitpolitik, Chancengleichheit, lebenslanges Lernen, Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung, Diversity und Altersvorsorge. Diese Elemente entfalten ihre positive Wirkung umso stärker, je besser die jeweilige Führungs- und Unternehmenskultur und je ausgeprägter die Sozialpartnerschaft auf Branchenebene, je entwickelter also eine Kultur des respektvollen Miteinanders ist.
 
Ökonomie, Ökologie und Soziales
 
Dass Nachhaltigkeit nichts mit Gutmenschentum zu tun hat, wurde durch diesen ebenso wie durch alle anderen Workshops deutlich. Nachhaltigkeit meint Zukunftsfähigkeit: Eine chemische Industrie, die, unter den Augen einer immer kritischeren Öffentlichkeit und den Bedingungen globalen Wettbewerbs, die Umwelt mit Füßen tritt, die Wirtschaftlichkeit des eigenen Handelns missachtet und ihr teuerstes Gut — die Mitarbeiter — nicht hegt und pflegt, stellt sich über kurz oder lang selbst in Frage.


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