Chemie³-Initiative:
Soziale Fortschrittsindikatoren

Ob im Zwischenmenschlichen, im Wirtschaftsleben oder in der Politik: Wer ein Versprechen abgibt, wird spätestens in Krisenzeiten daran erinnert. Chemie³, die Nachhaltigkeitsinitiative von BAVC, IG BCE und VCI, hat diese Logik von der Stunde der Wahrheit früh verinnerlicht. Denn eines der fünf strategischen Ziele, die sich die drei Allianzpartner bis 2017 gegeben haben, lautet so schlicht wie unmissverständlich: »den Erfolg der Initiative belegbar machen.«

Den Erfolg der Initiative belegbar machen
 
Was tun, sprach Zeus? Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken angesichts der Größe der Aufgabe, einigten sich BAVC, IG BCE und VCI schnell auf ein Vorgehen, das dem Prinzip der Arbeitsteilung folgt: Sollten die Kollegen vom Wirtschaftsverband doch die ökonomische und ökologische Dimension der Nachhaltigkeit in den Blick nehmen, die Sozialpartner dagegen ihr ureigenes Terrain — das Soziale, den Faktor Mensch im Nachhaltigkeitsdreieck — beackern! Und so verabredeten die drei Organisationen, entsprechende Projekte auf den Weg zu bringen, sich fortwährend wechselseitig zu informieren und abzustimmen und zum guten Schluss ein konsistentes Indikatorenset vorzulegen: eines, das in der Lage ist, Entwicklungen in den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit auf Branchenebene aufzuzeigen.
 
Der Weg zum Ziel: lesen, reden, entscheiden
 
BAVC und IG BCE stehen dabei vor einer besonderen Herausforderung. Nie zuvor haben sich die Sozialpartner einer Branche auf ein gemeinsames Verständnis dessen geeinigt, was »sozial nachhaltig« ist; noch wurde je von Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern ein gemeinsames Branchen-Indikatorenset für die soziale Dimension der Nachhaltigkeit entwickelt. Was lässt sich nicht alles unter den Catch-all-Begriff »soziale Nachhaltigkeit« packen: gesellschaftliches Engagement, gute Arbeit, Diversity, Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, lebenslanges Lernen und Chancengleichheit — um nur einige mögliche Definitionsbausteine zu nennen. Um just diese Definitionsfrage — was fällt unter den Begriff »soziale Nachhaltigkeit« — zu klären und entsprechende Indikatoren zu bestimmen, haben die Sozialpartner gemeinsam mit der Chemie-Stiftung Sozialpartner-Akademie (CSSA) Anfang des Jahres das Projekt »Fortschrittsindikatoren sozialer Nachhaltigkeit« ins Leben gerufen.
Projektzuschnitt und zeitliche Ausdehnung tragen der Komplexität der Fragestellung Rechnung. Es lässt sich zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite eben nicht im Handstreich entscheiden, wann eine Branche wie sozial nachhaltig ist. Hierzu bedarf es einer gründlichen Aufbereitung der bestehenden Definitionen- und Indikatorenlandschaft, einer umfassenden Beratung durch Experten und eines gut organisierten Aushandlungsprozesses der Sozialpartner — eben eines Verfahrens, das sowohl beratend-wissenschaftliche als auch politische Züge trägt. Erst wird gelesen, dann geredet und abschließend entschieden.
 
Guter Expertenrat von außen
 
Die Rolle eines kritisch-konstruktiven Begleiters, Faktenzuträgers und Ideengebers nimmt der »Expertenrat« ein, ein Gremium, das überwiegend aus Wissenschaftlern besteht, die sich auf so unterschiedlichen Themengebieten wie Methodik, CSR, Führung und Unternehmenskultur, Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz oder Personalmanagement hervorgetan haben. Erstmals trat der Expertenrat am 28. April zu einem eintägigen Workshop in Wiesbaden zusammen. Im Plenum und in Kleingruppen leisteten die Teilnehmer viel Begriffsarbeit, entwickelten erste methodische Ansätze und mahnten die Anschlussfähigkeit des Projekts an die globale Nachhaltigkeitsdebatte an (z.B. die auf UN-Ebene geführte Diskussion um Sustainable Development Goals). Die Erkenntnisse des Expertenrates fließen in die Konzeption von Fragebögen ein, mit denen branchenexterne Nachhaltigkeitsexperten sowie unsere Branche repräsentierende Personengruppen zu ihrem Verständnis sozialer Nachhaltigkeit interviewt werden sollen: Personaler, Betriebsräte und Beschäftigte. Doch auch den Gesamtdiskussionsprozess soll der Expertenrat befruchten. Die Idee dahinter: Letztlich muss alles, was politisch ausgehandelt wird, wissenschaftlich fundiert sein und sich in die laufende Nachhaltigkeitsdebatte einfügen.
 
Indikatorenset für die soziale Dimension
 
Bevor das Indikatorenset für die soziale Dimension steht, muss noch viel Wasser den Rhein hinabfließen. Parallel zur wissenschaftlich-methodischen Arbeit im Expertenrat und den Befragungen, die ein möglichst breites Bild von den vorherrschenden Vorstellungen sozialer Nachhaltigkeit vermitteln sollen, wird ein Projekt-»Beirat« sich darauf zu verständigen haben, welche der oben genannten Definitionsbausteine überhaupt für beide Seiten, Arbeitgeber wie Gewerkschaft, infrage kommen — und welche Indikatoren die jeweils geeigneten sind. Der Beirat setzt sich paritätisch aus Vertretern der Chemie-Sozialpartner zusammen, seine Bedeutung wird durch die hochkarätige Besetzung unterstrichen: Neben den beiden Ko-Vorsitzenden, IG BCE-Chef Michael Vassiliadis und BAVC-Vorstandsmitglied Kathrin Menges, arbeiten Sozialpartner in führender Funktion auf Bundes-, regionaler und Unternehmensebene in dem Gremium mit.
Wenn alles gut geht, werden sich Mitte 2016 — zum ersten Mal überhaupt — die Sozialpartner einer Branche auf eine gemeinsame Definition und ein Indikatorenset für das verständigt haben, was »sozial nachhaltig« ist. Eine harte Nuss, die sich zu knacken lohnt.

 

Nähere Infos zur Nachhaltigkeitsinitiative finden Sie unter www.chemiehoch3.de
 
 


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