Armutsbericht: Von der Wirklichkeit überholt

Aus dem dritten Armutsbericht der Bundesregierung ist bei vielen nur eines hängen geblieben: Jeder achte Deutsche lebt an der Grenze zur Armut. Schaut man sich das 427 Seiten starke Werk jedoch etwas genauer an und vergleicht die Ergebnisse in Deutschland mit den europäischen Nachbarstaaten, so bleibt für Panikmache nicht viel Raum. Das Risiko, in Deutschland arm zu werden, liegt unter dem EU-Durchschnitt.

Der soziale Ausgleich funktioniert

Im europäischen Vergleich ist das soziale Netz in der Bundesrepublik nach wie vor tragfähig – dazu leisten auch die Hartz IV-Regelungen ihren Beitrag. Einschließlich der Sozialtransfers verfügten im Jahr 2005 nur 13 Prozent der Deutschen über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (siehe Kasten), während dies im EU-Schnitt auf 16 Prozent der Bürger zutraf.
Vor der staatlichen Umverteilung gab es keinen Unterschied: In Deutschland wie auch in den anderen EU-Mitgliedsstaaten waren rund 26 Prozent der Einwohner allein mit ihrem selbst erwirtschafteten Verdienst von Armut bedroht.
Armutsrisiko wieder gesunken
Noch weitaus wichtiger als Deutschlands solide soziale Position innerhalb Europas ist die Entwicklung der letzten Jahre:
Seit 2005 – dem Jahr, auf dem der Armutsbericht basiert und in dem das Hartz IV-Gesetz gerade erst in Kraft getreten war – hat sich dank der Arbeitsmarktreformen und der konjunkturellen Belebung vieles zum Besseren gewendet.
So ist die Zahl der Arbeitslosen von 2005 bis 2007 im Jahresdurchschnitt um mehr als eine Million zurückgegangen. Davon profitierten gerade die besonders armutsgefährdeten Bevölkerungsgruppen: Zum Beispiel ist die Jugendarbeitslosigkeit um nahezu
35 Prozent gesunken. Auch die Zahl der älteren Arbeitslosen ging um 18 Prozent zurück. Darüber hinaus konnte die Zahl der Langzeitarbeitslosen deutlich reduziert werden:
Um insgesamt 12 Prozent.
  
Wer ist armutsgefährdet?
 
Nach einer Übereinkunft der EU-Staaten gilt als armutsgefährdet, wer über ein Nettoeinkommen von weniger als 60 Prozent des jeweiligen nationalen Mittelwertes verfügt.
Dies ist jedoch eine rein statistische Betrachtungsweise: Je nachdem wie hoch dieser Mittelwert ist, lässt sich auch mit 60 Prozent davon gut leben. Der Schwellenwert für Armutsgefährdung liegt in Deutschland für allein Lebende bei 9.370 Euro pro Jahr (781 Euro im Monat). Den niedrigsten Wert liefert Litauen mit 1.519 Euro pro Jahr, den höchsten Luxemburg mit 17.808 Euro jährlich.


Downloads

Typ Dateiname Dateigröße
pdf IB_09_2008_Armutsbericht.pdf 109,8 KB

BAVC-Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie Nachrichten, Infodienste und Pressemitteilungen bequem per E-Mail

BAVC auf Twitter

Folgen Sie dem BAVC auf Twitter, um aktuelle Informationen und Neuigkeiten des Verbandes in Echtzeit zu erhalten.

BAVC-Partner

Heute Morgen Sozialpartnernetz Berufskompass Chemie Chemiepensionsfonds So.WIN mint UCI CSSA INQA Chemie hoch 3
VOILA_REP_ID=C12574AC:00338A87