Chemie-Konjunktur: Prognose zurückgeschraubt

Das Chemie-Wachstum ist im Verlauf des Jahres 2008 merklich abgesackt. Der „Konjunktur-Sommer“ der Chemie hat inzwischen eine Null vor dem Komma. Im Juli wuchs die Chemie-Produktion im Vorjahresvergleich nur noch um 0,1 Prozent, kumuliert über die Monate Januar bis Juli waren es 0,6 Prozent.

Getragen wurde das Chemie-Wachstum allerdings nur noch von den Bereichen Pharma (plus 5,1 Prozent) und Polymere (plus 1,0 Prozent), während die anorganischen Grundchemikalien (minus 3,7 Prozent), die Fein- und Spezialchemikalien (minus 4,0 Prozent) sowie die Seifen-, Wasch-, Reinigungs- und Körperpflegemittel (minus 1,9 Prozent)
bereits mehr oder weniger stark im Minus
lagen.
 
Altbekannte Wachstumsbremsen
 
Konnte die Chemie-Konjunktur im ersten Quartal noch mit dem Prädikat „durchschnittlich“ oder „passabel“ belegt werden, hat sich im zweiten Quartal das Blatt gewendet. Auch gesamtwirtschaftlich standen die Signale auf rot.
Die Ursachen für die jetzt eingetretene Abschwächung waren bereits zu Beginn der letzten Chemie-Tarifrunde geltend gemacht worden: hohe Rohstoff- und Energiekosten, starker Euro, nachlassende Dynamik der europäischen Industrie-Konjunktur, zunehmend negative Auswirkungen der Finanzmarktkrise in den USA. Das vorerst letzte Kapitel mit dem Ende der amerikanischen Investmentbanken, der Verstaatlichung der größten Hypothekenbanken und immensen Kapitalspritzen zur Stützung des weltgrößten Versicherungsunternehmens ist in den amtlichen Zahlentableaus noch gar nicht enthalten.
In der Breite haben jedoch die Wirtschaftsforschungsinstitute ebenso wie EU und OECD schon jetzt ihre Prognosen teils deutlich nach unten geschraubt.
 
Bedingungen verschlechtert
 
Das gilt auch für die deutsche chemische Industrie. War zu Jahresbeginn noch ein Wachstum von 2,5 Prozent im Bereich des Möglichen, haben sich im weiteren Jahresverlauf die Bedingungen offensichtlich verschlechtert. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) hat seine Wachstumsprognose für 2008 auf nunmehr ein Prozent zurückgenommen. Der VCI wörtlich: „Die Chemie-Unternehmen produzieren weiterhin auf hohem Niveau. Allerdings beurteilen sie die kommenden Monate zunehmend skeptischer. Das Wachstum wird sich weiter abschwächen. Ein Einbruch ist aber nicht in Sicht.“
 
Kostendruck – Preisschub
 
Die Kosten für Naphtha und Primärchemikalien haben sich weiter deutlich erhöht. So lag zum Beispiel Naphtha im zweiten Quartal bei 631 Euro je Tonne, 12,5 Prozent mehr als noch ein Quartal zuvor. Auch die aktuellen Preise für Ethylen, Propylen, Benzol und Xylol sind zuletzt mit zweistelligen Raten gestiegen.
 
Der Kostenschub bei Chemie-Rohstoffen hat sich auch in den Chemie-Erzeugerpreisen niedergeschlagen. Diese sind im August um immerhin 8,4 Prozent gestiegen. Im Durchschnitt der Monate Januar bis August 2008 lag die Preissteigerungsrate für Chemie-Produkte bei knapp 5 Prozent. Allerdings stützt dies nicht die Margen der Branche, sondern ist meist ein durchlaufender Posten. In vielen Fällen war nicht einmal die volle Weitergabe des Kostenschubs in den Chemie-Preisen möglich. So dürfte für das Gesamtjahr zwar von einem deutlichen nominellen Umsatzplus auszugehen sein. Preisbereinigt, also real, dürften sich die Umsätze jedoch tendenziell auf der Stagnationslinie befinden.
 
Entgelte im Plus
 
Die Entgeltsumme je Chemie-Beschäftigten erreichte im Schnitt der ersten sieben Monate dieses Jahres ein Plus von 3,2 Prozent, während es im verarbeitenden Gewerbe nur zwei Prozent waren.
Die Chemie-Beschäftigung hat sich konsolidiert. Sie ist gegenüber dem Vorjahr kaum verändert.
 
Produktivität abgeflacht
 
Die Chemie-Produktivität, gemessen am Produktionsergebnis je Beschäftigten, wies im Schnitt der ersten sieben Monate dieses Jahres nur noch ein Plus von 0,8 Prozent auf. Spiegelbildlich dazu sind die Lohnstückkosten, die in den letzten Jahren tendenziell rückläufig waren, mit 2,4 Prozent erstmals wieder angestiegen.
 
Negative Erwartungen
 
Das im ifo-Konjunkturtest ausgewiesene Chemie-Geschäftsklima hat sich in den letzten Monaten Stück für Stück eingetrübt und ist mit einem Saldo aus positiven und negativen Antworten von minus 24 deutlich in den Keller gerutscht.
 
Nach einer kurzen Erholung zu Jahresbeginn gab es für den Erwartungsindikator nur noch eine Richtung: nach unten.
 
Dabei ist auch zu Buche geschlagen, dass sich die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland in den letzten Monaten spürbar verschlechtert hat. Sowohl die industrielle als auch die private Nachfrage leidet unter steigenden Inflationsraten. Aber auch die Impulse aus dem Auslandsgeschäft haben spürbar nachgelassen. Und die Folgen der aktuellen Finanzkrise sind derzeit nicht kalkulierbar (siehe Seite 1).
 
 


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