Konjunktur:
Schwierigere Zeiten

Die Stimmung der deutschen Wirtschaft ist im Jahresverlauf merklich abgekühlt. Der bislang vorherrschende Optimismus ist einer neuen Nüchternheit gewichen. Von Rezession kann zwar nach wie vor keine Rede sein, aber die Erwartungen werden zunehmend nach unten geschraubt. Die Gründe liegen auf der Hand: Der Konflikt in der Ukraine ist von einer politischen Lösung weit entfernt; im Nahen Osten scheint eine Eskalation jederzeit möglich.

Anhaltende Unsicherheit
 
Die Zuspitzung der geopolitischen Krisen geht an der deutschen Wirtschaft nicht spurlos vorbei, zumal Europa als Wachstumsmotor ausfällt, solange die notwendigen Reformen in Frankreich und Italien nicht in Schwung kommen. Die anhaltende Unsicherheit führt zu Zurückhaltung bei Aufträgen und Investitionen. Hinzu kommt, dass Deutschland durch die Rente mit 63, die Mütterrente und den gesetzlichen Mindestlohn zusätzlichen Ballast an Bord genommen hat.
Auch die chemische Industrie musste im 2. Quartal 2014 einen Dämpfer hinnehmen. Umsatz und Produktion lagen gegenüber dem 1. Quartal im Minus. Insbesondere das Inlandsgeschäft fiel schwächer aus, weil viele industrielle Kunden ihre Produktion gedrosselt haben. Die Aussichten für die Chemie werden mittlerweile schlechter eingeschätzt als noch vor einigen Monaten.
 
Erwartungen anpassen — auch für die Tarifrunden
 
Die sinkenden Geschäftserwartungen spiegeln sich auch in den beiden wichtigsten Konjunkturindikatoren wider: So ist der ifo-Geschäftsklimaindex mittlerweile 5 Monate in Folge gefallen, der ZEW-Konjunkturindex sogar 9 Monate hintereinander. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft hat seine BIP-Prognosen für 2014 und 2015 bereits deutlich reduziert, jeweils um mehr als einen halben Prozentpunkt.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die geopolitische Lage entwickelt und wie die deutsche Wirtschaft hiervon betroffen sein wird. Setzt sich der konjunkturelle Negativtrend fort, werden weitere Institute und auch die Bundesregierung dem schwierigeren Fahrwasser Rechnung tragen und ihre Erwartungen zurücknehmen. Diesen Schritt müssen dann auch die Gewerkschaften gehen, wenn sie sich nun auf die anstehenden Tarifrunden vorbereiten.
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