Gemeinsame Gesundheitsinitiative:
Sozialpartner stellen Leitbild vor

Mit ihrer gemeinsamen Initiative »Gutes und gesundes Arbeiten in der Chemie-Branche« wollen Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) das Gesundheitsmanagement auf eine neue Stufe stellen und weitere Impulse zur Sicherung und Förderung der physischen und psychischen Gesundheit auf betrieblicher Ebene geben. Damit wird auch ein Beitrag zur sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeit geleistet, welche Teil der gemeinsamen Initiative Chemie³ von BAVC, IG BCE und VCI sind.

Den Auftakt der Gesundheitsinitiative bildete die Sozialpartner-Fachtagung »Gutes und gesundes Arbeiten in der Chemie-Branche« mit etwa 150 Teilnehmern Mitte September bei der Evonik Industries AG in Essen.

Gesundheit als Aufgabe der Sozialpartner
 
Eröffnet wurde die Fachtagung von BAVC-Präsidentin Margret Suckale und Ralf Sikorski, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE. In ihrer Rede betonte Suckale, Arbeitsplätze und Arbeitsorganisation sollten möglichst so gestaltet sein, dass Fehlbelastungen und Überlastungen vermieden werden. Zugleich gehe es darum, die Eigenverantwortung der Mitarbeiter zu stärken, um die individuelle Beschäftigungsfähigkeit langfristig zu erhalten. Dies sei besonders wichtig angesichts des wachsenden Wettbewerbsdrucks und der demografischen Herausforderung. Forderungen nach einer Anti-Stress-Verordnung erteilte sie eine Absage. Neue Gesetze und Regulierungen seien weder hilfreich noch zielführend. Nicht in einer ständig wachsenden Regelungsdichte, sondern in einer konsequenten und praxisnahen Prävention im Dialog der Akteure sehen die Chemie-Arbeitgeber die Gewähr für eine effektive Lösung betrieblicher Arbeitsschutz- und Präventionsfragen.
 
Ralf Sikorski verwies auf die besonderen Herausforderungen einer sich verändernden Arbeitswelt und nannte dabei neben dem andauernden technologischen Fortschritt insbesondere die Beschleunigung der Arbeitsprozesse und die Zunahme der Arbeitsverdichtung. Die psychische Belastung in der Arbeitswelt habe eine neue Dimension erreicht. Appelle in die eigenen Reihen seien notwendig; sie müssten allerdings in tatsächliches Handeln einmünden, um Verbesserungen zu erwirken.
 
Erfolgsfaktoren und Herausforderungen
 
Anschließend wurden gute Beispiele aus der Praxis von Evonik Industries (»well@work«) sowie AbbVie Deutschland (»Gemeinsam für Ihre Gesundheit«) sowohl von Arbeitgeber- als auch von Arbeitnehmerseite beleuchtet. Aus Sicht der Wissenschaft betonte Joachim Fischer, Universität Heidelberg, die Notwendigkeit einer strategischen Ausrichtung des Gesundheitsmanagements. Eine alleinige Fehlzeitenbetrachtung greife zu kurz, vielmehr müsse Gesundheit in der Organisation umfassend verankert werden. Thomas Köhler, Sprecher der Geschäftsführung der BG RCI, hob hervor, dass Arbeitsschutz und Gesundheit nicht getrennt werden können. Er erläuterte die Präventionsstrategie der BG RCI und verwies auf den unterstützenden Instrumentenkasten, von dem insbesondere KMU profitieren können.
Abschließend wurden Erfolgsfaktoren und Herausforderungen für die Gesundheit in der Arbeitswelt im Rahmen einer Podiumsrunde diskutiert. Dabei wurde erneut der Themenkomplex Stress, psychische Belastung und ständige Erreichbarkeit aufgegriffen. Von BAVC-Hauptgeschäftsführer Klaus-Peter Stiller wurde in diesem Zusammenhang nochmals unterstrichen, dass die Ursachen psychischer Belastung sowohl im privaten wie auch beruflichen Umfeld liegen können. Die Arbeitgeber nehmen die Fragestellung schon jetzt sehr ernst, weil sie ein großes Interesse an der Gesundheit ihrer Beschäftigten haben. Pauschale Vorgaben durch den Gesetzgeber seien jedoch nicht geeignet, den spezifischen Gegebenheiten und Anforderungen in den verschiedenen Branchen und Betrieben gerecht zu werden.
Ralf Sikorski hob hervor, dass eine gute Arbeitsgestaltung aufgrund andauernder Veränderungsprozesse heute notwendiger sei denn je. Hierzu gehöre auch eine gegenüber den Beschäftigten wertschätzende Unternehmens- und Führungskultur. Er sprach sich dafür aus, Regelungen nach Möglichkeit in Verantwortung der Sozialpartner zu finden; gleichwohl müsse es darum gehen, bereits bestehende Regeln auch tatsächlich einzuhalten (z.B. Arbeitszeitgesetz) und bedarfsgerecht neue Regeln zu definieren, etwa beim Thema Erreichbarkeit. Hierbei seien auch erweitere Beteiligungsmöglichkeiten der Betriebsräte erforderlich.
 
Branchenleitbild für ein erfolgreiches betriebliches Gesundheits­management
 
Im Rahmen der Fachtagung wurde zudem das Leitbild »Erfolgreiches betriebliches Gesundheitsmanagement« im gemeinsamen Verständnis der Chemie-Sozialpartner vorgestellt. Das Leitbild soll den Betriebsparteien vor Ort als Orientierungs- und Diskussionsgrundlage für die Ausgestaltung bzw. Fortentwicklung der eigenen Gesundheitsaktivitäten dienen. Es beschreibt, welche Elemente das betriebliche Gesundheitsmanagement umfasst, wie die Zusammenarbeit von Unternehmensleitung, Betriebsräten, Werksärzten und Arbeitsschützern effektiv gestaltet werden kann und welche Schritte umgesetzt werden müssen, um erfolgreich zu sein.
BAVC und IG BCE rufen alle verantwortlichen Akteure auf, den zu ihrem Unternehmen passenden nächsten Entwicklungsschritt anzugehen. Auch sind die Beschäftigten selbst aufgefordert, durch ihr Verhalten im privaten und beruflichen Kontext einen aktiven Beitrag zur Gesundheitsförderung zu leisten.
 
Dokumentation im Sozialpartnernetz
Eine Dokumentation der gesamten Fachtagung inklusive der Präsentationen der Vortragenden finden Sie im gemeinsamen Internet-Auftritt von BAVC und IG BCE unter www.chemie-sozialpartner.de
 
Standpunkt von BAVC-Präsidentin Margret Suckale:
 
„Als Sozialpartner möchten wir das komplexe Thema Gesundheit noch stärker gemeinsam gestalten. Wir kennen die betrieblichen Notwendigkeiten und können — anders als der Gesetzgeber — branchenspezifische Lösungen finden. Die Gesundheit der Mitarbeiter ist kein geeignetes Thema für neue Verordnungen, sondern für den Dialog zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Ein starkes Engagement im Gesundheitsmanagement zahlt sich aus. Denn gesunde, motivierte und leistungsfähige Mitarbeiter sind entscheidend für den Erfolg unserer Branche. 
 
 
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