Sozialpartner-Fachtagung:
Arbeit und Leben in Balance

Das zehnte Jubiläum der Sozialpartner-Vereinbarung »Für eine chancengleiche und familienbewusste Personalpolitik« haben Chemie-Arbeitgeber und Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) zum Anlass genommen, mit der Politik aktuelle familien- und frauenpolitische Vorhaben vor dem Hintergrund einer veränderten Lebens- und Arbeitswelt zu diskutieren.

Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Mehr Frauen in Führungspositionen, Teilzeit auch für Spitzenkräfte und alte Rollenbilder aufbrechen: Die Chemie-Sozialpartner wollen die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit mit familiären Aufgaben für Eltern und Pflegende in der Branche weiter verbessern. Angesichts eines steigenden Fachkräftebedarfs, des demografischen Wandels und der fortschreitenden Digitalisierung bedarf es dafür einer noch stärker an Chancengleichheit orientierten Personalpolitik.

In vier Foren diskutierten die rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sozialpartner-Fachtagung, welche neuen Herausforderungen und Chancen für eine chancengleiche und familienbewusste Personalpolitik bestehen. In einer Podiumsdiskussion standen der IG BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis, BAVC-Präsidentin Margret Suckale, Henkel- und BAVC-Vorstandsmitglied Kathrin Menges sowie Henkel-Betriebsrätin Yvonne Jones Rede und Antwort. Sie diskutierten die politischen Rahmenbedingungen und zeigten mit praktischen Beispielen auf, welche Vorteile eine familienbewusste und chancengleiche Personalpolitik schafft.

Neue Sozialpartner-Vereinbarung unterzeichnet

Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete die Unterzeichnung der neuen Sozialpartner-Vereinbarung »Arbeiten und Leben in Balance — Neue Herausforderungen in einer veränderten Arbeitswelt« im Beisein von Staatssekretärin Elke Ferner aus dem Familienministerium. Mit dieser neuen Vereinbarung bekräftigen die Chemie-Sozialpartner ihr gemeinsames Engagement für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Hierzu appellieren sie an Unternehmen und Betriebsräte, Chancengleichheit von Männern und Frauen als wichtige unternehmerische Aufgabe zu fördern und zu sichern. Als Multiplikatoren gegenüber Politik und Wirtschaft wollen IG BCE und BAVC die sich ändernde Arbeitswelt aktiv mitgestalten.

Die Sozialpartner-Vereinbarungen in der chemischen Industrie sind Beleg dafür, dass die Tarifpartner auch außerhalb von Tarifverhandlungen konkrete Ergebnisse erzielen können — zum Vorteil der Unternehmen und der Beschäftigten.

Neue Herausforderungen

»Nach wie vor haben wir ein viel zu starres Modell von beruflicher Biografie. Es darf nicht sein, dass die Karrierechancen gut qualifizierter Frauen — und Männer — sinken, wenn sie sich entscheiden, eine Familie zu gründen«, sagte Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE. »Es ist mehr Flexibilität bei den Unternehmen nötig. Beschäftigte müssen beispielsweise ihre Arbeitszeit in bestimmten Lebensphasen reduzieren können. Und auch an der Präsenzkultur in vielen Betrieben muss sich etwas ändern.«

»Mehr als zehn Jahre Engagement für mehr Chancengleichheit und Familienbewusstsein haben uns zu Trendsettern gemacht«, bewertet Edeltraud Glänzer, stellvertretende Vorsitzende der IG BCE, die Sozialpartner-Vereinbarung. »Wir blicken nicht nur auf eine erfolgreiche Bilanz mit zahlreichen betrieblichen Vereinbarungen und gemeinsamen Veranstaltungen zurück, sondern stellen uns auch den neuen Herausforderungen. Mir ist dabei besonders wichtig, dass wir alle Beschäftigtengruppen im Blick behalten — unabhängig von Alter und Geschlecht.«

Agenda für mehr Chancengleichheit

In seinem Ausblick widmete sich BAVC-Hauptgeschäftsführer Klaus-Peter Stiller der Agenda für eine neue Chancengleichheit. »Die Flexibilisierung der Arbeitszeit und des Arbeitsorts ist dabei Fluch und Segen zugleich«, erklärte er. Einerseits schaffe die neue Flexibilität Möglichkeiten für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Andererseits sei die damit einhergehende Entgrenzung von Arbeitszeit und Freizeit für viele Beschäftigte ungewohnt. Es sei Zeit für einen Mentalitätswandel: Die Digitalisierung schafft neue Arbeitsmodelle, die eine Abkehr von der Präsenzkultur erfordern — und ermöglichen. »›Leistung vor Anwesenheit‹ muss das neue Motto sein«, so Stiller. In Zeiten des digitalen Wandels würden starre Arbeitsstrukturen durch dynamische, flache Hierarchien und ­veränderte Arbeitsaufgaben ersetzt. »Was wir heute kennen, ist morgen schon nicht mehr üblich. Diese Veränderungen erfordern neue Führungsmodelle und -kompetenzen in einer neuen Unternehmenskultur«, betonte Stiller.

Paritätischer Arbeitskreis von BAVC und IG BCE

Die Expertinnen und Experten des paritätischen Arbeitskreises Chancengleichheit von BAVC und IG BCE nahmen den Ball auf. Noch am Folgetag bewerteten Betriebsräte und Personalverantwortliche aus den Unternehmen gemeinsam mit Vertretern beider Organisationen die Ergebnisse der Tagung und arbeiteten an einem weiteren Fahrplan für die nächsten Jahre.

Seit seiner Gründung vor mehr als zehn Jahren unterstützt der paritätische ­Arbeitskreis die Betriebsparteien bei der Umsetzung einer chancengleichen und familienbewussten Personalpolitik. Hierzu erstellt er Handlungshilfen und Checklisten, organisiert den Erfahrungsaustausch und sammelt Praxisbeispiele.

 

Die neue Sozialpartner-Vereinbarung finden Sie auf der BAVC-Homepage http://www.bavc.de

 

Standpunkt

Margret Suckale
BAVC-Präsidentin

»Moderne Technologien und neue Arten der Zusammenarbeit bieten zunehmend Chancen dafür, dass Arbeit nicht mehr strikt zeit- und ortsgebunden stattfinden muss. Die höhere Flexibilität sollten wir als Sozialpartner gemeinsam verantwortlich ausgestalten, denn davon profitieren alle Beteiligten. Außerdem ist der Staat gefragt, ein flächendeckendes Ganztags-Betreuungsangebot in Kindergärten und Schulen auf den Weg zu bringen. «



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