Umfrage zu TV Demo und TEA:
Tarifliche Spielräume werden genutzt

Die Chemie-Sozialpartner haben bereits mehrfach innovative Tarifverträge entwickelt. Schon im Jahr 2001 wurde der Tarifvertrag Einmalzahlungen und Altersvorsorge (TEA) abgeschlossen. Ein weiterer Meilenstein ist der Tarifvertrag Lebensarbeitszeit und Demografie (TV Demo) aus dem Jahr 2008. Der BAVC erhebt seit 2010 im Abstand von drei Jahren umfangreiche Daten zur Umsetzung dieser beiden Tarifverträge in der betrieblichen Praxis. Die zentralen Ergebnisse werden in dieser und der nächsten Impuls-Ausgabe zusammengefasst.

Repräsentative Umfrage

An der neuesten Umfrage (Stand 31. Dezember 2016) haben sich knapp 400 Unternehmen mit über 300.000 Beschäftigten beteiligt (davon rund 220.000 Tarifbeschäftigte). Die Umfrage ist damit als repräsentativ für die Mitgliedschaft der Chemie-Arbeitgeberverbände anzusehen. Die teilnehmenden Unternehmen sind nach 13 Wirtschaftszweigen klassifiziert. Deutliche Schwerpunkte liegen bei Unternehmen aus den Bereichen Chemische Grundstoffe (21 Prozent), Sonstige chemische Erzeugnisse (19 Prozent) sowie Pharmazeutische Erzeugnisse (15 Prozent).

Verwendung der Demografiefonds

Die betrieblichen Demografiefonds können mit einer Betriebsvereinbarung für Langzeitkonten, Altersteilzeit, Teilrente, die Berufsunfähigkeitszusatzversicherung Chemie (BUC), tarifliche Altersvorsorge, lebensphasenorientierte Arbeitszeitgestaltung und/oder Gesundheitsvorsorge genutzt werden. Über 90 Prozent der Unternehmen mit 98 Prozent der Beschäftigten haben eine Betriebsvereinbarung über die Verwendung des Demografiefonds mit ihrem Betriebsrat abgeschlossen. Das zeigt, dass die tariflichen Spielräume von den Unternehmen bedarfsgerecht genutzt und ausgefüllt werden.

Der mit Abstand größte Teil der Unternehmen verwendet den Demografiefonds ganz oder teilweise für die tarifliche Altersvorsorge. Dies sind 65 Prozent der Unternehmen, in denen 51 Prozent der Tarifbeschäftigten der Branche tätig sind. An zweiter Stelle folgt eine Verwendung für Langzeitkonten (38 Prozent der Unternehmen). In den Unternehmen, die den Demografiefonds ganz oder teilweise für Langzeitkonten verwenden, arbeiten 65 Prozent der Tarifbeschäftigten. Langzeitkonten werden also häufiger von größeren Unternehmen genutzt.

Die Berufsunfähigkeitszusatzversicherung Chemie (BUC) wird in 9 Prozent der Unternehmen angeboten, in welchen 4 Prozent der Tarifbeschäftigten tätig sind. Dieses Modell wird demnach insbesondere von kleineren und mittleren Unternehmen gut angenommen.

In 12 Prozent der Unternehmen wird der Demografiefonds für die Finanzierung von Altersteilzeit verwendet. Diese Unternehmen beschäftigten 17 Prozent der von der Umfrage erfassten Tarifbeschäftigten.

Im Modell „reduzierte Vollzeit 80“ (RV 80) verwenden je 5 Prozent der Unternehmen den Demografiefonds für das Lebensphasen-Modell sowie für flexible Übergänge. Diese Unternehmen repräsentieren knapp 18 bzw. 20 Prozent der Beschäftigten, wonach das Instrument also vor allem von größeren Unternehmen genutzt wird. Hier sind Dopplungen besonders häufig; vielen Tarifbeschäftigten stehen also beide RV 80-Modelle offen.

Der Verwendungszweck Gesundheitsvorsorge wurde im Jahr seiner Einführung bereits von 8 Prozent der Unternehmen mit 16 Prozent der Beschäftigten genutzt. Häufig sind dies Teil- oder Restbeträge des Demografiefonds, zum Beispiel nicht abgerufene Beiträge zur Altersvorsorge. Der Verwendungszweck Teilrente wurde von keinem der an der Umfrage beteiligten Unternehmen angegeben.

Aktive Gestaltung des demografischen Wandels

Die befragten Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern aber nicht nur im Rahmen des Demografiefonds ein großes Spektrum an Instrumenten an, sondern auch mit darüber hinausgehenden finanziellen Mitteln.

So werden in knapp 31 Prozent der befragten Unternehmen Maßnahmen der Gesundheitsvorsorge angeboten, die über den gesetzlich geregelten Arbeits- und Gesundheitsschutz hinausgehen. Häufig genannte Angebote sind zusätzliche Vorsorge- und Gesundheitsuntersuchungen, Sportaktivitäten oder Rückenkurse. Für anerkannte Präventionsprogramme wie Betsi („Beschäftigungsfähigkeit teilhabeorientiert sichern“) verwenden dagegen nur 3 Prozent der Unternehmen den Demografiefonds und/oder zusätzliche Beiträge.

Insgesamt werden in 38 Prozent der befragten Unternehmen Langzeitkonten angeboten — in der gesamten Wirtschaft sind es nach Studien des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hingegen lediglich 2 Prozent aller Betriebe.

Die Umfrage hat zudem ergeben, dass insgesamt 28 Prozent der Unternehmen grundsätzlich Altersteilzeit anbieten. Insgesamt stehen 3 Prozent der Tarifbeschäftigten in einem Altersteilzeitverhältnis.

In der nächsten Ausgabe informieren wir Sie über die wichtigsten Umfrageergebnisse im Bereich der tariflichen Altersvorsorge.

 

Serie zu Tarifverträgen
Unsere fünfteilige Serie zu den Chemie-Tarifverträgen können Sie nachlesen auf unserer Website www.bavc.de

 


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