Entgeltgleichheitsgesetz:
Totalschaden verhindert?

'Das Gegenteil von gut ist nicht böse, sondern gut gemeint' — treffender als mit diesem Zitat von Kurt Tucholsky lässt sich die Politik von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) in Sachen Entgeltgleichheit kaum zusammenfassen. Zunächst hat die Ministerin über Monate alles daran gesetzt, den vermeintlichen Unterschied in der Bezahlung von Männern und Frauen größer aussehen zu lassen als er tatsächlich ist. Dann wurde mit Vehemenz der Eindruck erweckt, per Gesetz ließe sich in kürzester Zeit ändern, was Ausdruck eines über Jahrzehnte geprägten Berufswahlverhaltens und unzureichender Betreuungsmöglichkeiten ist. Begleitet wurde das Vorhaben von einem Generalverdacht gegenüber den Tarifparteien, Frauen absichtlich schlechter zu bezahlen als Männer.

Vorteil Tarifbindung

Jetzt hat der Koalitionsausschuss die Reißleine gezogen. Die Vorsitzenden von CDU, CSU und SPD haben sich darauf verständigt, die Pläne von Ministerin Schwesig zumindest teilweise zu stoppen. So ist zwar weiterhin ein Auskunftsanspruch für die Beschäftigten vorgesehen. Der Inhalt dieses Anspruchs wird jedoch an die Tarifbindung des Unternehmens gekoppelt. Ist ein Unternehmen Mitglied im Arbeitgeberverband, genügt es, auf den Tarifvertrag zu verweisen. Zudem gibt es keinen individuellen Auskunftsanspruch des Arbeitnehmers. Sein Ansprechpartner ist der Betriebsrat. Das schützt die Betriebe vor Bürokratie und ist sachlich geboten.

Tarifverträge garantieren Entgeltgleichheit

Denn Tarifverträge wie in der Chemie unterscheiden nicht nach Geschlecht. Diese Privilegierung tarifgebundener Unternehmen ist die zentrale Forderung der Chemie-Arbeitgeber, um einen Totalschaden per Gesetz zu verhindern.

Trotz dieser Lichtblicke ist nicht zu erwarten, dass das Entgeltgleichheitsgesetz die eigentlichen Ursachen für Gehaltsunterschiede von Männern und Frauen beseitigt. Wenn wir wirklich etwas bewegen wollen, müssen wir beim Berufswahlverhalten junger Frauen ansetzen und ausreichend Möglichkeiten zum Beispiel zur Kinderbetreuung schaffen. Die Unternehmen leisten da oft mehr als die Politik. Aber gerade die ist jetzt am Zug: Mit jedem zusätzlichen Kitaplatz wäre mehr erreicht als mit jedem neuen Auskunftsanspruch.



Downloads

Typ Dateiname Dateigröße
pdf Impuls_11_2016_Entgeltgleichheitsgesetz.pdf 63,9 KB

BAVC-Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie Nachrichten, Infodienste und Pressemitteilungen bequem per E-Mail

BAVC auf Twitter

Folgen Sie dem BAVC auf Twitter, um aktuelle Informationen und Neuigkeiten des Verbandes in Echtzeit zu erhalten.

BAVC-Partner

Heute Morgen Sozialpartnernetz Berufskompass Chemie Chemiepensionsfonds So.WIN mint UCI CSSA INQA Chemie hoch 3
VOILA_REP_ID=C12574AC:00338A87