CSSA-Seminar:
Arbeitsbeziehungen in Spanien

Worin unterscheidet sich das spanische vom deutschen Arbeitsrecht? Wie sieht die Beziehung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in Spanien aus und wie lässt sich ihre Zusammenarbeit erfolgreich gestalten? Diese Fragen diskutierten Betriebsräte, Personalverantwortliche und Arbeitsrechtler Ende September in Wiesbaden anlässlich des CSSA-Seminars »Arbeitsbeziehungen in Spanien«.

Keine Mitbestimmung – hohe Abfindungen

Ein wesentlicher Unterschied der beiden Arbeitsrechtssysteme liegt darin, dass in Spanien eine Mitbestimmung durch den Betriebsrat nicht existiert. Seine Aufgaben beschränken sich auf eine beratende Funktion; darüber hinaus besteht ein Informations- und Anhörungsrecht. Diskutiert wurden auch die Unterschiede bei der Kündigung. In Spanien ist die Anzahl ungerechtfertigter Kündigungen (»Improcedencia«) recht hoch. Trotz fehlender Rechtfertigung sind solche Kündigungen wegen der Zahlung einer entsprechend hohen Abfindung durch den Arbeitgeber in der Regel wirksam.

Die entscheidende Phase für die Herausbildung der modernen demokratischen Arbeitsbeziehungen und der freien Gewerkschaften in Spanien begann mit dem demokratischen Übergang nach dem Ende des Franco-Regimes 1975. Heute beträgt der gewerkschaftliche Organisationsgrad 19 Prozent und ist damit ähnlich gering wie in Deutschland. Die Tariflandschaft in Spanien ist gekennzeichnet durch stark miteinander konkurrierende Verhandlungsebenen und einen hohen Grad an staatlicher Intervention in die Arbeitsbeziehungen. Mit einer Anzahl von rund 1.400 bilden deutsche Firmen die größte Gruppe der in Spanien ansässigen ausländischen Unternehmen. Die schlimmsten Zeiten der Wirtschaftskrise scheint Spanien zwar überwunden zu haben, die Arbeitslosigkeit ist aber nach wie vor hoch — besonders bei jungen Menschen.

Kulturelle Unterschiede annehmen

Juan Carlos Guzmán, Presidente Regional bei Evonik España y Portugal, berichtete von seinen Erfahrungen aus der Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Spaniern. Die Hierarchie in spanischen Unternehmen sei generell nicht so starr wie in Deutschland. Hingegen spiele der menschliche Kontakt eine tragende Rolle und sei selbst über mehrere hierarchische Ebenen hinweg sehr offen und direkt. Er rät deutschen Managern in Spanien, sich gerade anfangs die nötige Zeit für ihre Mitarbeiter zu nehmen, offen nach dem zu fragen, was eventuell nicht verstanden wird, um eine effektive Führung nicht zu beeinträchtigen. Denn die Mentalitätsunterschiede zwischen Deutschen und Spaniern sind größer als man auf den ersten Blick vermutet. Daniel Jost, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender der Chemischen Fabrik Budenheim KG, ergänzte diesen Vortrag aus Arbeitnehmersicht und stellte ein Pilotprojekt von Budenheim vor, das jungen, arbeitssuchenden Spaniern eine berufliche Perspektive in Deutschland bieten soll.

 

Hintergrund:
Die Chemie-Sozialpartner BAVC und IG BCE haben 2010 die Sozialpartner-Vereinbarung »Europäische Betriebsräte in der chemischen Industrie« abgeschlossen. Mit der Länderreihe unterstützt die CSSA (Chemie-Stiftung Sozialpartner-Akademie) die betrieblichen Sozialpartner in der Umsetzung ihrer Vereinbarung.

Mehr Informationen über www.cssa-wiesbaden.de 



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