Aktuelle Studie
Arbeitszeiten im europäischen Vergleich

Die bei der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound, eine Einrichtung der Europäischen Union) angesiedelte Beobachtungsstelle für die Entwicklung der Arbeitsbeziehungen (EIRO) hat jüngst für das Jahr 2011 Daten zur Entwicklung der Arbeitszeit in der Europäischen Union, einigen Beitrittskandidaten und Norwegen veröffentlicht.
 
Wochenarbeitszeiten
 
In der gesamtwirtschaftlichen Betrachtung hat sich dabei der Abstand der Arbeitszeit zwischen den 15 „alten“ EU-Staaten und den 2004 bzw. 2007 beigetretenen Staaten verringert.
Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten in der Europäischen Union lag demnach insgesamt bei 39,7 Stunden. Für die EU-15 wird ein Wert von 39,5 Stunden und für die neuen Mitgliedstaaten ein Wert von 40,3 Stunden je Woche angegeben.
Die wöchentliche Arbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten in Deutschland betrug im Jahr 2011 demnach gesamtwirtschaftlich 40,6 Stunden. Sie lag damit deutlich über den Durchschnittswerten sowohl für die EU-15 als auch für die EU-27 und wurde in der Europäischen Union insgesamt nur noch von Luxemburg und Rumänien übertroffen. Die kürzesten wöchentlichen Arbeitszeiten wurden für Finnland und Frankreich festgestellt (37,8 bzw. 38,1 Stunden je Woche).
 
Jahresarbeitszeiten
 
Ein anderes Bild ergibt sich bei der Betrachtung der Jahresarbeitszeit. Aufgrund der in Deutschland im europäischen Vergleich überdurchschnittlichen Anzahl von Feiertagen sowie des gemeinsam mit Dänemark und Frankreich durchschnittlich höchsten Urlaubsanspruchs der deutschen Arbeitnehmer (30 Arbeitstage im Jahr) wird für Deutschland gesamtwirtschaftlich ein Wert von 1.658,8 Arbeitsstunden pro Jahr ausgewiesen. Der Durchschnitt für die EU-27 liegt hier bei 1.720,3 und für die EU-15 bei 1.685,6 Stunden pro Jahr und damit jeweils über dem Wert für Deutschland. Lediglich Arbeitnehmer in Dänemark und Frankreich haben in Europa kürzere Jahresarbeitszeiten.
 
Tarifliche Wochenarbeitszeit
 
Hinsichtlich der durchschnittlichen tariflichen Wochenarbeitszeit wird in der EIRO-Studie für Deutschland ein Wert von gesamtwirtschaftlich 37,7 Stunden je Woche angegeben. Damit liegt Deutschland knapp über dem Durchschnitt der westeuropäischen Länder (EU-15), der bei 37,6 Stunden je Woche liegt. Aufgrund der vor allem in den neuen Mitgliedstaaten deutlich höheren Werte (in der Regel 39 oder 40 Stunden je Woche) liegt der Durchschnittswert für die gesamte Europäische Union bei 38,1 Stunden je Woche und damit um 0,4 Stunden über dem Wert für Deutschland.
 
Chemische Industrie im Europa-Vergleich
 
Die Studie weist für 2011 erstmals einen Vergleich der tarifvertraglich vereinbarten Wochenarbeitszeiten für die chemische Industrie in Europa aus. Die Branchen-Abgrenzung folgt bei dieser Betrachtung der NACE-Klassifikation der Wirtschaftszweige für die EU und umfasst die Bereiche „Herstellung von chemischen Erzeugnissen“, „Herstellung von pharmazeutischen Erzeugnissen“ sowie „Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren“.
 
Für Deutschland ist in den EIRO-Daten allein der Wert für die westlichen Bundesländer mit 37,5 Stunden je Woche berücksichtigt worden. Dieser Wert liegt exakt im Durchschnitt der westeuropäischen Länder (EU-15). Der gesamteuropäische Schnitt (EU-27) liegt mit 37,9 Stunden um 0,4 Stunden über dem für Deutschland ausgewiesenen Wert.
 
Auch in der chemischen Industrie sind es vor allem die neuen Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die mit in der Regel 40 Stunden je Woche einen höheren Wert als die westeuropäischen Länder aufweisen. Die tarifvertraglich vereinbarte höhere wöchentliche Arbeitszeit in der chemischen Industrie Ostdeutschlands von 40 Stunden je Woche wird in dem Report erwähnt, floss aber offensichtlich nicht mit in die Berechnungen ein.
Daten zu den Jahresarbeitszeiten in der chemischen Industrie im europäischen Vergleich sind im Rahmen der EIRO-Studie nicht erhoben worden.
 
Leserdienst
Der von der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen herausgegebene Bericht „Working time developments 2011” ist in englischer Sprache verfasst und kann als PDF-Dokument (32 Seiten) angefordert werden über leserdienst@bavc.de
 


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