BAVC-Konjunkturumfrage 2013/2014
Erhöhter Kostendruck in der Chemie

Die deutsche Chemie-Industrie muss weiterhin auf eine durchgreifende Erholung warten. Die Produktion legt im laufenden Jahr zwar moderat zu, doch gleichzeitig verstärkt sich bei steigenden Kosten der Druck auf die Verkaufspreise und die Margen. Entsprechend zurückhaltend ist der Ausblick auf den weiteren Geschäftsverlauf und das kommende Jahr.
 
Die gestiegene Kostenbelastung, eine deutlich verschlechterte Ertragslage und die eher verhaltenen Aussichten der Chemie-Branche spiegeln sich auch in den jüngsten Ergebnissen der BAVC-Konjunkturumfrage 2013/2014 wider. An der im Oktober/November 2013 durchgeführten Erhebung haben sich 590 Unternehmen mit rund 344.000 Beschäftigten aus dem Organisationsbereich des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (BAVC) beteiligt.
 
Lage durchwachsen
 
Etwa ein Viertel der befragten Chemie-Unternehmen (24 Prozent) schätzt die aktuelle wirtschaftliche Lage als „gut“ ein, während in Summe ebenfalls ein Viertel der Firmen die aktuelle Situation als „kaum befriedigend“ (19 Prozent) oder gar „schlecht“ (6 Prozent) bewertet. Gegenüber der vorherigen Erhebung im Jahr 2012 ist dies eine Verschlechterung der Lageeinschätzung. Vor einem Jahr empfanden immerhin noch 35 Prozent, dass ihre Geschäftslage gut sei.
 
Ursächlich für diese negative Entwicklung ist insbesondere die Verschlechterung der Ertragssituation in der Chemie-Branche. Per Saldo geben mehr Unternehmen an, dass die Erträge in 2013 gegenüber dem Vorjahr rückläufig sind (24 Prozent), als dass sich hier eine Verbesserung eingestellt hätte (19 Prozent).
 
Ausblick verhalten
 
Da hilft auch die Erwartung einer ansteigenden Produktionsentwicklung für das kommende Jahr wenig (Saldo: plus 16), wenn daraus kaum profitables Wachstum entstehen kann. Dies erklärt womöglich auch die anhaltende Investitionszurückhaltung der Chemie-Firmen am Standort Deutschland und der leicht negative Ausblick für die weitere Beschäftigungsentwicklung.
 
20 Prozent der Befragten planen für das kommende Jahr mehr Investitionen, ebenfalls 20 Prozent der Firmen gehen aber von rückläufigen Investitionen aus — im Ergebnis ein Saldo von Null und bisher kein Anzeichen für eine erhöhte Investitionsdynamik.
 
In den Jahren 2011 und 2012 gab es in der Chemie einen Zuwachs bei den Mitarbeiterzahlen und auch im laufenden Jahr ist die Beschäftigung bisher stabil. Für das Jahr 2014 rechnen nunmehr 15 Prozent der Befragten mit einer steigenden Beschäftigung, 63 Prozent mit gleichbleibenden Zahlen und 21 Prozent mit einer geringeren Beschäftigtenzahl in ihrem Unternehmen.
 
Druck auf die Margen ist groß
 
Stagnierendes Geschäft bei steigenden Kosten — auf diese Formel lässt sich die jüngere Entwicklung der Chemie-Konjunktur konzentrieren.
Zudem hat der verschärfte Preisdruck in den vergangenen Monaten bereits deutliche Spuren in den Ertragszahlen etlicher Chemie-Unternehmen hinterlassen. Dies spiegelt sich auch in den Ergebnissen der BAVC-Konjunkturumfrage wider.
Erstmals seit dem Krisenjahr 2009 übersteigt aktuell der Anteil der „Schlechtverdiener“ (39 Prozent) den Anteil der „Gutverdiener“ (33 Prozent) innerhalb der Branche.
Im Einzelnen: 13 Prozent der antwortenden Unternehmen werden im laufenden Jahr Verluste schreiben — ein im langjährigen Vergleich überdurchschnittlicher Wert. Eine Nettoumsatzrendite (Jahresüberschuss nach Steuern) bis drei Prozent wird von einem Viertel (26 Prozent) aller Befragten erreicht, die sich damit im „Skontobereich“ bewegen werden. 20 Prozent der Firmen liegen im mittleren Segment und erzielen eine Rendite von über drei bis fünf Prozent. Renditen von über fünf bis zehn Prozent bzw. oberhalb von zehn Prozent werden von 19 bzw. 14 Prozent der Befragten erreicht. Mit 8 Prozent war der Anteil derjenigen, die hier keine Antwort gaben, erwartungsgemäß überdurchschnittlich groß.
 
Die Prognosen für das Jahr 2014 lassen keine durchgreifende Besserung bei der Gewinnsituation erwarten. Im Gegenteil: Per Saldo gehen mehr Chemie-Unternehmen für 2014 von sinkenden Erträgen (28 Prozent) als von steigenden Erträgen (20 Prozent) aus.
 
Unsicherheiten und Belastungsfaktoren
 
Aktuell sehen sich die Unternehmen der Chemie-Branche mit einer Reihe von Belastungsfaktoren und weiterhin mit Unsicherheiten für die Geschäftsentwicklung konfrontiert.
Während die Unternehmen darauf setzen, dass sich die Nachfrage­impulse aus den aufstrebenden Volkswirtschaften mittelfristig verbessern werden (Saldo: plus 17), besteht gegenüber der weiteren Entwicklung in Europa Skepsis (Saldo: minus 5). Zu groß sind offenbar die politischen Unwägbarkeiten der EU-Schuldenkrise und zu häufig flammten Krisenszenarien immer wieder auf. Das Vertrauen kehrt hier nur langsam zurück.
Noch gravierender sind die Aussagen zur Kostensituation in den Unternehmen der Chemie-Branche. Hier drückt aktuell der Schuh — und zwar deutlich. Die befragten Unternehmen gehen davon aus, dass sich die folgenden Kostenpositionen mittelfristig weiter verschlechtern werden:
  • Energiekosten: 84 Prozent
  • Arbeitskosten: 69 Prozent
  • Rohstoffkosten: 57 Prozent
Die Chemie-Unternehmen spüren aktuell den Gegenwind aus schwächelnder Konjunktur, sinkenden Verkaufspreisen, negativen Währungseffekten und steigender Kostenbelastung.
Auf die Frage, inwieweit es zutrifft, dass im Unternehmen derzeit verstärkt an Programmen zur Kosten­senkung gearbeitet wird, antworteten
  •  „voll und ganz“: 38 Prozent
  • „weitgehend“: 43 Prozent
  • „weniger“: 17 Prozent
  • „gar nicht“: 2 Prozent
Zusammengefasst: Der Kostendruck zwingt die große Mehrheit der Unternehmen in der Chemie-Branche zum Handeln. Entsprechend stehen Kostensenkungs- und Sparprogramme gegenwärtig weit oben auf der unternehmerischen Agenda


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