Tarifempfehlung der IG BCE
Forderung passt nicht in die Landschaft

Enttäuscht zeigte sich der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) über die am 10. November beschlossene Forderungsempfehlung des IG BCE-Hauptvorstands zur anlaufenden Chemie-Tarifrunde 2015. »Wir hatten erwartet, dass auch bei der IG BCE angekommen ist, dass sich in weiten Teilen der Chemie-Branche die Konjunktur ganz erheblich eingetrübt hat. Dies lässt sich mit den Vorstellungen der IG BCE überhaupt nicht in Einklang bringen«, erklärte der Tarifverhandlungsführer des BAVC, Hans-Carsten Hansen, und appellierte eindringlich an die wirtschaftliche Vernunft des Tarifpartners.

Maß halten angesichts trüber Konjunktur-Aussichten
 
»Bei stagnierender Produktivität und einer Inflation im Null-Komma-Bereich gibt es den Verteilungsspielraum für die geforderte Tariferhöhung — zwischen 4 und 5 Prozent — nicht einmal ansatzweise«, monierte Hansen. »Das passt einfach nicht in die Landschaft.«
Die Konjunktur-Erwartungen für 2015 wurden massiv zurückgeschraubt. »Dies ist eine deutliche Warnung für die Chemie-Industrie. Das muss auch die IG BCE erkennen und berücksichtigen, wenn sie ihre Forderungen für die kommende Tarifrunde diskutiert«, mahnte BAVC-Hauptgeschäftsführer Klaus-Peter Stiller. »Die wirtschaftliche Situation der Chemie-Branche — mit gedrosselter Produktion und rückläufigen Erzeugerpreisen — erfordert eine realistische Entgeltpolitik«, so Stiller. Notwendig sei deshalb die Rückkehr zu einer produktivitätsorientierten Tarifpolitik, die die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in den Mittelpunkt stellt.
 
Unsicherheiten und steigender Wettbewerbsdruck
 
Die Gründe für die anhaltende Schwächephase sind vielschichtig: Geopolitische Krisen, allen voran die Auseinandersetzung des Westens mit Russland, haben neue Unsicherheiten erzeugt und das Investitionsklima verschlechtert. Die Wirtschaft gerät infolge hoher Energiekosten am Standort Deutschland unter immer stärkeren globalen Wettbewerbsdruck. Die erhoffte Erholung im Euroraum lässt auf sich warten. In Deutschland vermissen die Unternehmen eine investitionsfreundliche Politik vonseiten der großen Koalition. Dies alles belastet die exportorientierte deutsche Industrie.
Für die Gesamtwirtschaft wurde diese Schwächephase auch durch die jüngst veröffentlichte Konjunktur-Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) bestätigt. Demnach hat sich die Stimmung der deutschen Unternehmen für 2015 spürbar verschlechtert. Bei Investitionen und Neueinstellungen würden viele Firmen vorsichtiger agieren als noch im Frühjahr 2014.
 
Bremsspuren zeigen sich auch bereits in der Chemie. Im Jahresverlauf hat sich das ifo-Geschäftsklima Chemie eingetrübt, die Geschäftslage hat sich unterjährig verschlechtert. Auch bei den Geschäftserwartungen für die kommenden 6 Monate wurden die Firmen zunehmend skeptischer, der Wert war zuletzt negativ.
 
Vor diesem Hintergrund fordern die Chemie-Arbeitgeber den Tarifpartner auf, die endgültige Forderung für die anstehende Tarifrunde bis Ende Januar zu überdenken. »In den Tarifverhandlungen muss eine Lösung gefunden werden, die für die Beschäftigten fair ist, gleichzeitig aber die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärkt«, betont Stiller.
 
Gegen flächendeckende Frühverrentungsmodelle
 
Neben höheren Löhnen setzte die IG BCE auch qualitative Themen auf die Agenda. Mit der Forderung nach einer Vier- bzw. Drei-Tage-Woche für ältere Beschäftigte bringt sie damit die Weiterentwicklung des Tarifvertrages »Lebensarbeitszeit und Demografie« sowie die Ausweitung des Demografiefonds ins Spiel.
»Ein flächendeckendes Frühverrentungsmodell ab 60 wird es mit uns nicht geben«, erklärte Stiller zu diesem erneuten Vorstoß der IG BCE, die Arbeitszeit für ältere Beschäftigte zu reduzieren. Die demografische Entwicklung erzwinge einen Mentalitätswandel in der Arbeitswelt, den die IG BCE nicht ausblenden könne. »Es kann heute nicht mehr darum gehen, möglichst frühzeitig aus dem Berufsleben auszuscheiden oder generell die Arbeitszeit altersbezogen zu verkürzen. Es geht heute darum, dass unsere Beschäftigten möglichst lange im Betrieb bleiben — und das gesund und leistungsfähig.«
Stiller ruft in diesem Zusammenhang die Vielzahl bereits vereinbarter tariflicher Optionen zur Gestaltung der Lebensarbeitszeit in Erinnerung: »Die Tarifparteien haben in den letzten Jahren zahlreiche Flexibilisierungen der Arbeitszeit und Möglichkeiten zur Gestaltung von flexiblen Übergängen geschaffen. Dazu zählen Instrumente wie Langzeitkonten, Teilrente und eine überarbeitete Altersteilzeit ebenso wie Modelle der lebensphasenorientierten Arbeitszeitgestaltung.« Wie eine aktuelle Unternehmensbefragung des BAVC bestätigt, werden diese Instrumente umfassend und bedarfsgerecht genutzt (mehr Informationen dazu in dieser Ausgabe).
 
Mehr Bezug zur Realität
 
»An einem tarifpolitischen Wunschkonzert mit großem Orchester wollen wir nicht einmal als Zuhörer teilnehmen«, fasste Verhandlungsführer Hansen die BAVC-
Erwiderung zusammen und mahnte eine rechtzeitige Überarbeitung der Gewerkschaftsforderungen mit mehr Bezug zur Realität an.
Die endgültige Forderung der IG BCE-Bundestarifkommission wird am 22. Janu­ar 2015 erwartet. Die Tarifverhandlungen für die 550.000 Beschäftigten in den 1.900 Betrieben der deutschen Chemie-Industrie beginnen dann am 26. Januar 2015 mit dem Auftakt der regionalen Verhandlungsrunde für den Bezirk Nordrhein.

 

Drei Fragen an
Hans-Carsten Hansen, Verhandlungsführer der Chemie-Arbeitgeber
 
Was ist die Ausgangslage für die Tarifrunde 2015?
Das Chemie-Geschäft ist bislang deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben, die Konjunktur hat sich eingetrübt. Die Aussichten für 2015 sind alles andere als vielversprechend, es gibt erhebliche Risiken. Das bestreitet niemand ernsthaft. Dieser schwierigen Lage müssen die Verhandlungen Rechnung tragen.
 
Was erwarten Sie von der IG BCE?
Wirtschaftliche Vernunft. Wenn Produktivitätssteigerungen und frühere Inflationsraten als Begründung für Lohnerhöhungen praktisch ausfallen, dann ist der Verteilungsspielraum klein. Das muss die Gewerkschaft respektieren. Alles, was die Wettbewerbsfähigkeit weiter schwächt, ist mit uns nicht zu machen. Und da verwundert auch, dass dort neue Sehnsucht nach Frühverrentung geweckt wird, während wir die Beschäftigten brauchen und die Arbeitsplätze der inländischen Standorte sichern wollen.
 
Die Chemie-Tarifrunde 2015 …
… muss auch für kleinere und mittelgroße Unternehmen verkraftbar sein, wo bereits große Anspannung und Sorge zu spüren ist. Tarifverhandlungen sind kein Rosinenpicken und kein Schönheitswettbewerb, sondern müssen für die gesamte Fläche der Branche taugliche Ergebnisse liefern. Ein fairer Partner akzeptiert, dass auch mal mit kleiner Münze gezahlt wird.
 


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