Arbeitskosten international:
Nur Belgien ist teurer

Die chemische Industrie steht in einem scharfen internationalen Wettbewerb. Über Erfolg und Misserfolg entscheiden nicht zuletzt die Arbeitskosten. Dabei richtet sich der Blick auf die EU-Nachbarländer, in globalen Märkten aber auch auf die außereuropäischen Konkurrenten.

Die Arbeitskosten der westdeutschen chemischen Industrie beliefen sich im Jahr 2014 auf 52,96 Euro je Beschäftigtenstunde. Nur der vergleichsweise kleine Konkurrent Belgien ist noch teurer. Die übrigen EU-Nachbarländer können hingegen mit zum Teil deutlich niedrigeren Kosten kalkulieren — ebenso wie die USA und Japan. Dies zeigen die Ergebnisse der jüngsten BAVC-Auswertung zur internationalen Arbeitskosten-Rangliste der Chemie-Branche für das Jahr 2014.
 
Kosten-Ranking: Deutschland mit »Spitzenplatz«
 
Setzt man die westdeutschen Chemie-Arbeitskosten des Jahres 2014 in Höhe von 52,96 Euro je Stunde gleich 100, so verdeutlicht diese Indexbetrachtung den Kostenabstand im Ländervergleich. Beim Spitzenreiter Belgien (57,50 Euro) schlagen insbesondere die hohen Personalzusatzkosten zu Buche. Hier müssen die Arbeitgeber mehr als 30 Prozent der Lohnsumme als gesetzliche Sozialversicherungsbeiträge abführen. Von den großen Industrieländern ist jedoch keines teurer als die westdeutsche Chemie.
 
Ein ähnliches Kostenniveau findet sich allein noch in den Niederlanden (50,52 Euro). Etablierte Wettbewerber wie Frankreich (46,77 Euro), Schweden (45,74 Euro) oder Österreich (45,02 Euro) können bereits mit 12 bis 15 Prozent niedrigeren Kosten für die Arbeitsstunde kalkulieren. Der Abstand der westdeutschen Chemie-Arbeitskosten zu den angelsächsischen Ländern ist weiterhin beträchtlich. In den USA kostete die Arbeitsstunde umgerechnet 32,67 Euro, in Großbritannien 28,97 Euro und damit 38 bzw. 45 Prozent weniger. Auch Japan und Spanien agieren auf einem vergleichbar niedrigen Kostenniveau. Sie können damit beim Faktor Arbeit auch günstiger produzieren als die Unternehmen in der ostdeutschen Chemie. Dort mussten zuletzt 34,33 Euro je Beschäftigtenstunde aufgewendet werden, vergleichbar viel wie in Italien (34,67 Euro). Das Kostenniveau der benachbarten osteuropäischen Konkurrenz in Ungarn, Tschechien oder Polen liegt mit 9 bis 11 Euro je Stunde aber bei weniger als einem Drittel der ostdeutschen Arbeitskosten.
 
Andere Länder mit höherer Kostendisziplin
 
Im vorliegenden Betrachtungszeitraum von 2012 bis 2014 hat sich die Beschäftigtenstunde in der westdeutschen Chemie um 5,3 Prozent verteuert, in Ostdeutschland noch etwas stärker, und zwar um 5,7 Prozent. Eine größere Kostendynamik mit zum Teil zweistelligen Zuwächsen weisen die osteuropäischen Länder auf, dies allerdings von einem erheblich niedrigeren Kostenniveau aus. Während die Niederlande und Österreich einen schnelleren Kostenanstieg verkraften müssen und somit im internationalen Vergleich an Boden verloren haben, konnten mit Frankreich, Italien und Spanien bedeutsame Chemie-Standorte ihre Position durch verstärkte Kostendisziplin jeweils verbessern.
Natürlich spielen bei internationalen Vergleichen auch die Wechselkurse eine Rolle, wenn es um die Konkurrenz jenseits der Eurozone geht. Die US-Chemie konnte im Betrachtungszeitraum 2012 bis 2014 von der leichten Dollar-Abwertung gegenüber dem Euro profitieren. Während die US-Arbeitskosten auf Dollar-Basis um 9,3 Prozent gewachsen sind, milderte der Währungseffekt dies in Euro gerechnet auf 5,7 Prozent ab. Noch gravierender fällt dieser Effekt im Japan-Vergleich aus. Wechselkursbedingt haben sich die Arbeitskosten auf Euro-Basis dort um ein Viertel reduziert.
 
Die im Jahr 2015 eingesetzte Abschwächung des Euros hilft den deutschen Unternehmen, die internationalen Kostennachteile abzumildern. Die Kostendifferenz ist allerdings auch bei sinkendem Eurokurs noch erheblich — und im Wettbewerb mit Konkurrenten aus der Eurozone spielt der Wechselkurs ohnehin keine Rolle.
 
Steigender Druck auf die deutsche Chemie
 
Für die exportorientierte Chemie-Industrie in Deutschland ist die Höhe der Arbeitskosten ein wesentlicher Standortfaktor. Eine zu große Kostenlast mindert die preisliche Wettbewerbsfähigkeit und damit den Erfolg auf den globalen Märkten.
Haupttreiber der Arbeitskosten sind die Löhne. Die Kehrseite der Medaille ist dabei, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit verringert, wenn die hohen Chemie-Arbeitskosten nicht durch eine entsprechend hohe Produktivität erwirtschaftet werden. In den vergangenen Jahren ist dies nicht mehr in ausreichendem Maße gelungen. Die Lohnstückkosten in der deutschen Chemie-Branche sind kontinuierlich angewachsen — dies schwächt auf Dauer die internationale Wettbewerbsfähigkeit.   
 
 
Standpunkt von BAVC-Präsidentin Margret Suckale
 
»Wettbewerbsfähige Arbeitsplätze gibt es nur in wettbewerbsfähigen Unternehmen. Das gilt ganz besonders für international ausgerichtete Branchen wie die Chemie. Eine der zentralen Stellschrauben sind die Arbeitskosten. In der im Frühjahr beginnenden Chemie-Tarifrunde 2016 kommt es darauf an, die Balance zwischen höheren Löhnen und der wirtschaftlichen Situation der Unternehmen zu finden. Weiterhin gilt: Je teurer wir sind, desto besser, schneller und produktiver müssen wir sein, um unsere Position im internationalen Wettbewerb halten zu können.«
 
 


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