Rentendebatte:
Funktionierende Systeme stärken

Rentenpolitik taugt als Wahlkampfthema nur, wenn demografische Notwendigkeiten nicht ausgeblendet werden. Es ist Aufgabe der Politik, dafür Sorge zu tragen, dass die gesetzliche Rentenversicherung bezahlbar bleibt und zukünftige Rentnergenerationen von ihrer Rente leben können.

Erschwert wird die Debatte durch wenig seriöse Berichterstattung. So geht eine WDR-Studie, nach der ab 2030 fast jedem zweiten Neurentner eine Rente maximal auf Grundsicherungsniveau droht, von falschen Voraussetzungen aus. Auch heute haben ehemalige Geringverdiener unter den Rentnern nur ein durchschnittliches Rentenniveau von etwa 850 Euro. Trotzdem sind nicht 30 oder 40 Prozent der Rentner auf Grundsicherung angewiesen, sondern nur 3 Prozent.

Gefährliche »Stabilisierung« des Rentenniveaus

Die aktuelle Forderung, das Rentenniveau von derzeit 47,5 auf 50 Prozent anzuheben, würde nach Schätzungen des IW Köln bis 2029 etwa 52 Milliarden Euro kosten. Der Rentenbeitrag müsste dann auf 25 Prozent steigen (derzeit 18,7 Prozent). Alternativ müsste der Steuerzuschuss des Bundes erhöht werden.

Da die Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung in Zukunft nicht ausreichen werden, um den gewohnten Lebensstandard zu sichern, ist mit Blick auf die demografische Entwicklung und der damit verbundenen unumgänglichen Absenkung des Rentenniveaus eine zusätzliche kapitalgedeckte Vorsorge zwingend erforderlich.

Zusatzvorsorge auch in Niedrigzinsphasen sinnvoll

Diese Notwendigkeit bleibt auch in Niedrigzinsphasen bestehen. Bei der Altersvorsorge ist stets zu beachten, dass es sich um eine Anlage mit jahrzehntelanger Perspektive handelt. Niedrigzinsphasen können auf lange Sicht durch Phasen höherer Zinsen wieder ausgeglichen werden. Aus Sicht der Chemie-Arbeitgeber ist eine Mischung aus umlagefinanzierter und kapitalgedeckter Vorsorge entscheidend für die Absicherung im Alter.

Keine »vierte Säule« nötig

Aus Hessen kommt der Vorschlag einer »Deutschland-Rente«, die »einfach, sicher und günstig« über einen Staatsfonds organisiert werden soll. Der Vorschlag ist an vielen Stellen noch nicht zu Ende gedacht und somit ein unfertiges Konzept. Die inhaltlichen Bestandteile sind aus Sicht der Chemie-Arbeitgeber nicht geeignet, die zukünftigen Herausforderungen der Altersvorsorge in Deutschland zu lösen.

Auch ist die Schlussfolgerung verfehlt, es bedürfe einer alternativen Möglichkeit, kapitalgedeckte Altersvorsorge zu betreiben. Vielmehr müssen die vorhandenen Säulen zukunftsfähig ausgestaltet werden. Auf keinen Fall dürfen gut funktionierende Regelungen und Einrichtungen gefährdet oder beschädigt werden. Gerade in der Chemie nehmen aufgrund des großen Engagements der Sozialpartner bereits 80 Prozent der Mitarbeiter an der tariflichen Altersvorsorge teil. Dies gilt es durch sinnvolle Regelungen weiterzuentwickeln und voranzutreiben.

Standpunkt von BAVC-Präsidentin Margret Suckale

»An der Erhöhung des Renteneintrittsalters geht aus demografischen Gründen kein Weg vorbei. Falsche Signale wie die Rente mit 63 darf es nicht noch einmal geben. Um absehbare Rentenlücken zu schließen, sollten wir uns darauf konzentrieren, funktionierende Systeme zu stärken und zum Beispiel die betriebliche Altersvorsorge weiterentwickeln. Genauso, wie wir es in der Chemie schon seit vielen Jahren erfolgreich tun. «



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