Start in den Beruf: Erfolgreiche Initiative der Chemie-Sozialpartner zur Ausbildungsförderung von Jugendlichen

Das „Start in den Beruf“-Programm in der Chemiebranche zielt auf die Förderung von Schulabgängern, die bisher keine Lehrstelle gefunden haben und denen die Voraussetzungen für die erfolgreiche Aufnahme einer Berufsausbildung noch fehlen. Gestartet wurde diese Initiative von BAVC und IG BCE im Jahr 2000. Bis heute sind in den beteiligten Unternehmen 7 Durchläufe mit durchschnittlich rund 200 Teilnehmern absolviert worden. Der laufende Einstellungsjahrgang 2007 ist noch in vollem Gange und auch im Jahr 2008 wird das Programm fortgesetzt. Bisher ist es stets gelungen, dem größten Teil der Jugendlichen Zukunftsperspektiven für eine erfolgreiche berufliche Entwicklung zu eröffnen.

Konzept „Start in den Beruf“
Durch das 6- bis 12-monatige Förderprogramm „Start in den Beruf“ sollen Jugendliche zur Aufnahme einer qualifizierten Berufsausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) befähigt werden. Dieses Ziel soll durch die Verzahnung von betrieblicher Praxis (betrieblicher Einsatz) und theoretischer Unterweisung (Berufsschule und/oder Förderunterricht) und mit sozialpädagogischer Betreuung erfolgen.
Damit können auch Defizite im Verhaltensbereich ausgeglichen werden. Der Aufbau sozialer Kompetenzen trägt mit zum Erlernen von Schlüsselqualifikationen und dem Erwerb von Handlungskompetenz bei.
Die konkrete Ausgestaltung und Umsetzung hängt jeweils von den betrieblichen Gegebenheiten sowie von den Bedürfnissen der Jugendlichen ab.

Sozialpartner-Initiative
Bereits seit 1977 existierte in der chemischen Industrie der „Tarifvertrag für Jugendliche ohne Hauptschulabschluss“, 1982 ausgeweitet auch auf ausländische Jugendliche, der auf die Vermittlung von Berufsfertigkeiten und Berufsfähigkeiten abzielte, welche die Jugendlichen zur Ausübung einer beruflichen Tätigkeit oder zur Begründung eines Berufsausbildungsverhältnisses befähigen sollte. 1989 folgte der Tarifvertrag zur Förderung der Integration von Jugendlichen.
Die ursprüngliche Idee der Jugendförderung wurde im Laufe der Zeit immer weiter entwickelt. In Anlehnung an das pädagogische Grundkonzept des Programms „Start in den Beruf“, mit welchem in der BASF bereits seit 1993 leistungsbereite Jugendliche für eine anschließende Berufsausbildung fit gemacht wurden, haben die Chemie-Sozialpartner BAVC und IG BCE schließlich im Jahr 2000 „Start in den Beruf“ als Programm für die gesamte Chemiebranche ins Leben gerufen, um so das Engagement zu verbreitern.
Mit „Start in den Beruf“ sollen Schulabgänger, denen die Voraussetzungen für die Aufnahme einer Ausbildung fehlen, durch ein Förderprogramm zur Ausbildung qualifiziert oder in das Berufsleben eingegliedert werden. Primäres Ziel ist dabei die Qualifizierung für eine anschließende Berufsausbildung.

UCI-Förderung
Die Jugendlichen in einer Start-Maßnahme erhalten gemäß Tarifvertrag zur Förderung der Integration von Jugendlichen eine Eingliederungsvergütung von monatlich 430 Euro (West) bzw. 376 Euro (Ost).
Der Unterstützungsverein der chemischen Industrie (UCI) als gemeinsame Einrichtung von BAVC und IG BCE gewährt auf Antrag einen Förderbeitrag als Zuschuss zum Lebensunterhalt für Jugendliche bis zum vollendeten 20. Lebensjahr, die an einem entsprechenden Programm teilnehmen. Derzeit beträgt die monatliche UCI-Förderung 205 EUR (West) bzw. 180 EUR (Ost).
Ein Anspruch auf Förderung besteht nicht. Die genauen Fördermodalitäten sind im Tarifvertrag über den Unterstützungsverein der chemischen Industrie geregelt.
Bis heute wurden durch den UCI rund 1.400 Jugendliche mit einem Gesamtvolumen von 2,7 Mio. Euro gefördert. Darüber hinaus gibt es aber auch noch eine Reihe von „Start“-Plätzen, die in den Unternehmen ohne Förderung durch den UCI realisiert werden.

EQJ-Programm
Hierzu gehören auch alle Angebote von Chemie-Unternehmen im Sonderprogramm „Einstiegsqualifizierung Jugendlicher“ (EQJ), welches im Rahmen des Ausbildungspaktes etabliert wurde. Auch mit den EQJ-Angeboten soll Jugendlichen, die bisher ohne Ausbildungsplatz geblieben sind, der Einstieg in Ausbildung und Arbeit gelingen.

Zukunft durch Ausbildung
Aus gesellschaftspolitischer Verantwortung unterstützen die Tarifvertragsparteien BAVC und IG BCE die Bereitschaft der Chemie-Unternehmen, Jugendlichen mit besonderem Entwicklungsbedarf durch entsprechende Förder- und Integrationsmaßnahmen („Start in den Beruf“, EQJ u. ä.) neue Ausbildungs- und Berufsperspektiven zu eröffnen.
Bei der Umsetzung des seit 2003 erfolgreich praktizierten Tarifvertrags „Zukunft durch Ausbildung“ haben sich die Tarifvertragsparteien deshalb darauf verständigt, neben Auszubildenden nach dem Berufsbildungsgesetz und Studierenden in dualen Studiengängen auch die Plätze für Berufsvorbereitungs- und Integrationsmaßnahmen beim Ausbildungsengagement der Chemieunternehmen zu berücksichtigen (Abb. 1).

Gesellschaftspolitisches
Engagement
Die am „Start in den Beruf“-Programm beteiligten Unternehmen, aber auch alle diejenigen Unternehmen, die EQJ-Maßnahmen oder sonstige Förderprogramme für benachteiligte Jugendliche praktizieren, zeigen ein hohes gesellschaftspolitisches und auch finanzielles Engagement. In einen „Start“-Platz investieren die beteiligten Chemie-Unternehmen ca. 12.000 bis 14.000 Euro.
Für eine Vielzahl von Jugendlichen ergeben sich hierdurch gute Chancen auf eine berufliche Ausbildung und damit für ein eigenständiges Leben.

Leistungsfähigkeit stärken
Die Jugendlichen sammeln in den Start- und EQJ-Programmen Erfahrungen in der Arbeitswelt und lernen je nach Angebot die betrieblichen Anforderungen und Abläufe in ganz verschiedenen Berufsfeldern kennen. Dies ermöglicht ihnen Berufsorientierung, z. B. in naturwissenschaftlichen und gewerblich-technischen Berufen, im kaufmännischen Bereich oder bei Berufen im Handwerks- oder im Gastronomiebereich.
„Wir helfen den Teilnehmern, ihre Stärken zu entdecken und zu entwickeln und fördern notwendige Schlüsselqualifikationen. Zu unseren Zielen gehört auch, die Ausdauer der Teilnehmer zu verbessern sowie Genauigkeit und Sorgfalt zu schulen. Indem die Jugendlichen lernen, zielgerichtet zu arbeiten, wird ihre Motivation gefördert und die eigene Leistungsfähigkeit entdeckt“, so ein Bildungsleiter eines der beteiligten Unternehmen.

Gute Erfolgsquoten
Mit 84% überwiegt der Anteil der jungen Männer im „Start“-Programm demjenigen der Frauen (16%) bei weitem. Über die Hälfte der Jugendlichen im geförderten „Start“-Programm besitzt einen Migrationshintergrund.
Die bisherigen Erfolgsquoten von „Start in den Beruf“ rechtfertigen das Engagement der Unternehmen und die finanzielle Förderung durch den Unterstützungsverein der chemischen Industrie (siehe Abb. 2).
Von den insgesamt 1.397 Jugendlichen der Jahrgänge 2000 bis 2006, die durch den UCI gefördert wurden, haben laut UCI-Angaben rund 80 % im Anschluss entweder eine Ausbildung begonnen (71%), eine weiterführende Schule besucht (5%), direkt einen Arbeitsplatz angetreten (2%) oder eine sonstige Anschlussmaßnahme begonnen (2%). Etwa 20 % der Teilnehmer haben das Programm abgebrochen bzw. ihr anschließender Verbleib ist unbekannt.
Zum Vergleich: Die Begleitforschung zum EQJ-Programm im Rahmen des Ausbildungspaktes weist in ihrem aktuellen Zwischenbericht eine Übergangsquote von EQJ in Ausbildung in Höhe von 75 % aus.
Die TOP 5 der Ausbildungsberufe im Anschluss an das „Start“-Programm sind Chemikant/in, Industriemechaniker/in, Anlagenmechaniker/in, Produktionsfachkraft Chemie sowie Elektroniker/in für Energie- und Gebäudetechnik. Es überwiegen damit klassische Facharbeiterberufe, die in der chemischen Industrie etabliert und nachgefragt sind.

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