Sonderausbildungsgänge für Abiturienten

Sonderausbildungsgänge für Abiturienten

Spezielle Ausbildungsgänge für Abiturienten sind längst eine echte Alternative zu Studium und klassischer dualer Lehre. Immer mehr Abiturienten interessieren sich daher für die Kombination von praktischer Ausbildung im Betrieb und theoretischem Unterricht an Berufsakademien und Fachhochschulen.

Duales Prinzip

Typisches Kennzeichen der Sonderausbildung ist die Übertragung des in der Berufsausbildung bewährten "dualen Prinzips" auf die Abiturientenausbildung. Die Ausbildung findet an zwei Lernorten statt.
Die Praxisnähe der Ausbildung ist dadurch gegeben, dass jeder Teilnehmer dieser Sonderausbildungsgänge mit einem Unternehmen einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen hat und während der Ausbildung in verschiedenen Abteilungen des Unternehmens mit der Praxis in Berührung kommt.
Den Wissenschaftsbezug garantiert die theoretische Ausbildung durch Fachdozenten in den Betrieben oder durch Dozenten und Professoren in den Wirtschafts- und Verwaltungsakademien, Berufsakademien, Hochschulen, Spezialklassen der Berufsschulen und branchenspezifischen Ausbildungsstätten.

Die Anfänge

Auf Initiative der Wirtschaft entstanden Anfang der siebziger Jahre die ersten Sonderausbildungsgänge für Abiturienten in Baden-Württemberg. Mittlerweile hat sich diese besondere Ausbildungsform, die duale Berufsausbildung im Betrieb und Studium an einer Berufsakademie miteinander kombiniert, bundesweit als Erfolgsmodell bewährt.

Bundesweite Verbreitung

Mit rund 19.400 Studierenden ist die Berufsakademie in Baden-Württemberg bundesweit die zahlenmäßig bedeutendste. Außer den Berufsakademien in Berlin, Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen stehen für diese Ausbildungsform eine Reihe ähnlicher Einrichtungen zur Verfügung - auch in einigen anderen Bundesländern. So gibt es Ausbildungsprogramme in Zusammenarbeit mit Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien (VWA), mit Fachhochschulen (FH) und mit Universitäten. Derzeit absolvieren bundesweit rund 45.000 junge Leute ein im weitesten Sinne duales Studium - also eine praktische Ausbildung plus Studium (Tabelle).
Im Ausbildungsjahr 2002/2003 standen über 35.000 solcher Sonderausbildungsgänge in etwa 10.000 Betrieben zur Verfügung. Rechnet man noch die Kooperationsprojekte mit Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien sowie mit Fachhochschulen und Universitäten hinzu, gibt es in Deutschland rund 16.000 Betriebe, die spezielle Ausbildungsplätze für Abiturienten im Angebot haben.
Etwa 60 Prozent der gesamten Ausbildungsplätze gehören zum kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Bereich, weitere 21 Prozent zum Ingenieurwesen, 13 Prozent zu den Informatik- und Wirtschaftsinformatik-Ausbildungsgängen.

Chemische Industrie

Die ausbildungsstatistische Erhebung des BAVC aus dem Jahr 2001 hatte ergeben, dass in den Unternehmen der chemischen Industrie knapp 1.200 junge Menschen einen dieser Sonderausbildungsgänge für Abiturienten absolvieren. Dies sind immerhin gut 5 % aller in der Erhebung erfassten Ausbildungsverhältnisse. Im Jahr 2003 sind in der Chemie bundesweit wiederum mehr als 500 Neueinsteiger in diesen kombinierten Ausbildungsgängen zu verzeichnen.

Bewerberauswahl

Nach einer vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln durchgeführten Unternehmensbefragung gehen für einen Sonderausbildungsplatz im Schnitt 48 Bewerbungen ein. Die Bewerberzahl übersteigt also bei weitem die Anzahl der vorhandenen Plätze. So sehen sich die Unternehmen veranlasst, möglichst aussagefähige Kriterien zu entwickeln, um die am besten geeigneten Bewerber herauszufinden.
Zeugnisnoten allein sind bei der Auswahl der Auszubildenden beziehungsweise der künftigen Mitarbeiter längst kein ausreichender Maßstab mehr. Die meisten Firmen prüfen daher die Bewerber mit Hilfe von Intelligenz-, Leistungs- und Eignungstests und führen Gruppeninterviews sowie Auswahlgespräche mit jedem einzelnen Bewerber.

Ausbildungsorganisation

Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Praxis und Theoriephasen wechseln dabei untereinander ab (siehe Grafik). Das theoretische Wissen vermitteln Berufsakademien, Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien, Fachhochschulen und Universitäten oder überbetriebliche Bildungseinrichtungen. Die praktischen Ausbildungsphasen absolvieren die Auszubildenden in Unternehmen.

Ausbildungsabschluss

Ein erster berufsqualifizierender Abschluss wird bereits nach zwei Jahren erreicht - etwa als Handels- oder Wirtschaftsassistent.
Nach einem weiteren Jahr ist der Ausbildungsgang dann in der Regel beendet - mit folgenden Abschlüssen:
- Dipl.-Betriebswirt (BA)/(FH),
- Wirtschafts-Diplom-Betriebswirt (VWA),
- Dipl.-Wirtschaftsingenieur (BA)/(FH),
- Dipl.-Wirtschaftsinformatiker (BA)/(FH),
- Dipl.-Informatiker (FH),
- Dipl.-Ingenieur (BA)/(FH).

Hohe Attraktivität

Die abiturientenspezifischen Ausbildungsgänge belegen, dass es gelungen ist, eine erfolgreiche Karriereoption zum klassischen Hochschulstudium zu realisieren. Schließlich beruht die hohe Attraktivität dieser speziellen Ausbildungsangebote gerade auch auf der Transparenz der Ausbildungsorganisation, den Verdienstmöglichkeiten und Karrierechancen.

Geringe Abbrecherquote

Diese Bedingungen tragen dazu bei, dass die Abbrecherquote von so genannten BA-Studenten unter 10 Prozent liegt und damit deutlich unter der Abbrecherquote einer traditionellen dualen Berufsausbildung (25 Prozent) und eines Hochschulstudiums (30 Prozent).
Hohe Erfolgsquote
Weiteres Indiz für die gute Hand der Unternehmen bei der Bewerberauswahl ist die hohe Erfolgsquote bei den Diplom-Abschlussprüfungen. So gehen die befragten Unternehmen davon aus, dass im Mittel 98 Prozent aller Teilnehmer die Ausbildung erfolgreich beenden.

Karrierechancen

Da die Unternehmen die abiturientenspezifischen Ausbildungsgänge gezielt als ein Instrument der Personalentwicklung und -rekrutierung einsetzen, gelingt den Betrieben die Bindung der BA-Absolventen und damit der Verbleib des neu geschaffenen Wissenskapitals im Unternehmen in starkem Maße.

(Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln, www.iwkoeln.de)



Lehre plus Studium: Das Angebot Sonderausbildung für Abiturienten

Studien- Auszubildende Teilnehmer
gänge Unternehmen

Berufsakademien 250 10.922 35.376
Fachhochschulen/
Universitäte 181 3.062 6.183
Verwaltungs- und
Wirtschafts-
akademien 38 2.219 3.446
insgesamt 469 16.203 45.005

Stand: 2003; Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft.

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