Probezeit in der Ausbildung

Was ist bei der Probezeit in der Ausbildung zu beachten?

Das Berufsausbildungsverhältnis beginnt mit der Probezeit. Diese Phase am Anfang der Ausbildung soll beiden Vertragspartnern die Möglichkeit geben, die getroffene Entscheidung zu überprüfen. Die Probezeit ist also eine Bedenkzeit für Auszubildende, ob er oder sie die richtige Entscheidung bei der Berufswahl getroffen hat und für den Betrieb, ob der oder die neue Auszubildende für den Beruf geeignet ist und sich in das Betriebsgeschehen einfügen kann.

Planung der Probezeit
Die Probezeit bietet die Möglichkeit, die Berufs- oder Bewerberauswahl zu korrigieren. Sie darf jedoch nicht die sorgfältige Auswahl von Bewerberinnen und Bewerbern ersetzen. Die Eignung der Auszubildenden kann am besten festgestellt werden, wenn sie während der Probezeit berufstypische Aufgaben ausführen. Dabei ist von vornherein zu bedenken, wie die Auswertung der Aufgabenerledigung und schließlich die Beurteilung der Auszubildenden während der Probezeit erfolgen soll.

Dauer der Probezeit
Für die Dauer der Probezeit gibt das Berufsbildungsgesetz (BBiG) in § 13 einen verbindlichen Rahmen vor. Danach muss die Probezeit mindestens einen Monat und darf maximal drei Monate betragen. Die konkrete Dauer der Probezeit wird im Ausbildungsvertrag zwischen dem Ausbildenden und dem Auszubildenden vereinbart.
Aufgrund der besonderen Bedeutung der zu treffenden Entscheidung, nämlich ob das Ausbildungsverhältnis fortgeführt oder aufgelöst wird, empfehlen viele Ausbildungspraktiker die Maximalfrist der Probezeit von drei Monaten auszuschöpfen.

Dafür spricht aus ihrer Sicht, dass die Auszubildenden für die Zeiten der Berufsschule beispielsweise gar nicht im Betrieb sind, was die Möglichkeit der Erprobung im Betrieb für beide Seiten einschränkt.

Kündigung während der Probezeit
Während der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis jederzeit, ohne Einhalten einer Frist und ohne Begründung von beiden Seiten gelöst werden (§ 15 BBiG). Die Kündigung in der Probezeit muss schriftlich erfolgen und muss dem Kündigungsempfänger noch vor Ende der Probezeit zugegangen sein. Kündigt ein minderjähriger Auszubildender, so benötigt er die vorherige Einwilligung des gesetzlichen Vertreters. Kündigt der Betrieb einem minderjährigen Azubi, so muss die Kündigungserklärung gegenüber dem gesetzlichen Vertreter abgegeben werden. Die Kündigung während der Probezeit führt grundsätzlich nicht zu Schadensersatzansprüchen.

Auch die Kündigung während der Probezeit darf nicht gegen ein gesetzliches Verbot verstoßen, z.B. gegen den besonderen Kündigungsschutz nach dem Mutterschutzgesetz bei Schwangerschaften. Findet im Betrieb das Betriebsverfassungsgesetz Anwendung, so muss der Betriebsrat vor jeder Kündigung gehört werden. Eine ohne Anhörung des Betriebsrates ausgesprochene Kündigung ist unwirksam. Dies gilt auch für die Kündigung während der Probezeit bei Auszubildenden.

Beurteilung von Jugendlichen
Bei der Beurteilung eines Auszubildenden sind nicht die gleichen Kriterien anzulegen wie bei der üblichen Mitarbeiterbeurteilung. Ein Berufsanfänger ist in seiner Verhaltensweise noch durch die vorangegangene schulische Ausbildung geprägt. Die Jugendlichen müssen sich auf die Arbeitswelt umstellen und sich an deren Regeln erst noch gewöhnen und benötigen die eine oder andere Hilfestellung in dieser Umstellungs- und Eingewöhnungsphase. Die meisten Auszubildenden befinden sich in ihrer Persönlichkeitsentfaltung auch noch in einem nicht abgeschlossenen Entwicklungsstadium. Dies sollte bei einem nicht "erwachsenengerechten" Verhalten berücksichtigt werden.

Entscheidungskriterien
Die Ausbilder sollten sich bereits vor Beginn der Ausbildung Gedanken machen, welche Eignungskriterien und berufstypischen Aufgaben für die jeweiligen Ausbildungsberufe gefordert sind. Gegenüber den Auszubildenden sollte gleich zu Beginn der Ausbildung kommuniziert werden, dass während der Probezeit eine Beurteilung stattfindet und welche Punkte (Fach-, Methoden, Sozialkompetenz) aus Sicht des Betriebes für eine erfolgreiche Ausbildung von besonderer Bedeutung sind. Ein entsprechendes Beurteilungsgespräch, gegebenenfalls auch mehrere, ist frühzeitig einzuplanen.

Bei der Beurteilung der Auszubildenden sollten dabei neben deren Leistungsfähigkeit auch das Lern- und Sozialverhalten Eingang finden. Folgende Leitfragen können hierbei Hilfestellung geben:

- Liegt ein echtes Interesse am Beruf vor, um das Ausbildungsziel auch zu erreichen?
- Ist der Auszubildende in der Lage, neue Aufgabenstellungen erfolgreich zu bewältigen?
- Wie sieht es mit der Belastbarkeit aus?
- Inwiefern wird Einsatzwille und Leistungsbereitschaft gezeigt?
- Wie ist das Verhalten gegenüber anderen Auszubildenden, den Ausbildern und den sonstigen Mitarbeitern?
- Wie lernfähig ist der Auszubildende?

Die Ausbilder sollten während der Probezeit möglichst viele unterschiedliche Aufgaben aus verschiedenen Bereichen stellen, um ihr Urteil auf eine breite Basis zu stützen. Monotone Routinearbeiten und Nebentätigkeiten erlauben nur ein unzureichendes Urteil über die berufliche Eignung. Zudem sollten Erfahrungen und Einschätzungen aus allen beteiligten Lernorten zusammengetragen und berücksichtigt werden (Betrieb, Berufsschule, Lernzentrum oder Lehrwerkstatt usw.).

Entscheidung bei Defiziten
Bei auffallenden Defiziten empfiehlt es sich, bereits zur Mitte der Probezeit ein Feedbackgespräch zu führen, um frühzeitig gegensteuern zu können. Dabei sollte auch das Gespräch mit den Eltern gesucht werden. Selbst bei schwerwiegenden Defiziten müssen diese nicht gleich zur Auflösung des Ausbildungsvertrages führen. Entscheidend ist vielmehr, wie der Auszubildende mit den festgestellten Defiziten umgeht und wie groß die Bereitschaft und letztlich die Wahrscheinlichkeit ist, diese in einem vertretbaren Zeitraum durch Änderung des eigenen Verhaltens, durch Lernhilfen oder sonstige Unterstützungsmaßnahmen auszuräumen. Fällt die Prognose aus Sicht des Betriebes jedoch eindeutig negativ aus und lassen sich im weiteren Verlauf auch keine positiven Veränderungen erkennen, so sollte tatsächlich die Beendigung des Ausbildungsverhältnisses in der Probezeit in Betracht gezogen werden. Ansonsten wird aus Sicht aller Beteiligten wertvolle Zeit und Energie in einen falschen oder erfolglosen Weg investiert.

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