Bildungsgipfel Chemie

Bildungsgipfel Chemie

Auf dem Bildungsgipfel Chemie am 22. Mai 2003 in Frankfurt am Main haben die Vorsitzenden der vier großen Chemieorganisationen gemeinsame Positionen für Reformen in der naturwissenschaftlichen Bildung vorgelegt. Bereits vor dem Bekanntwerden der schlechten Ergebnisse der PISA-Studie hatten sich im Mai 2001 der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC), die IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), und der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in der Bildungsinitiative Chemie zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist es, den naturwissenschaftlichen Unterricht an den Schulen zu stärken und attraktiver zu machen. Sie will Schüler für die Chemie begeistern und Akzeptanz für die Chemie als Zukunftswissenschaft wecken. Die Bildungsinitiative hat dazu ein breit angelegtes Dialogprojekt mit Politik, Schulen, Hochschulen, Unternehmen und Verbänden initiiert.

Für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands als Innovationsstandort

Die inzwischen vorliegenden Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Bildungsinitiative gehen weit über die Chemie hinaus. Die Quintessenz: Es ist ein ganzheitlicher Reform-Ansatz von Vorschulalter, Grund- und weiterführender Schule, über Studium und beruflicher Ausbildung bis hin zu Weiterbildung und lebenslangem Lernen nötig, wenn die Zukunftsfähigkeit Deutschlands als Innovationsstandort langfristig gehalten werden soll. Die Vorsitzenden der vier Organisationen stellten hierzu konkrete Vorschläge vor.

Fundierte Allgemeinbildung

VCI-Präsident Prof. Dr. Wilhelm Simson betonte die Notwendigkeit einer fundierten Allgemeinbildung und stellte die Schlussfolgerungen für den schulischen Bereich vor:

- Sachunterricht sollte bereits in der Grundschule beginnen, spielerisches Kennenlernen schon im Vorschulalter, um
Begeisterung für naturwissenschaftliche Phänomene zu wecken.
- An den Schulen soll ein Drittel Stundenanteil Mathematik und Naturwissenschaften unterrichtet werden.
- Naturwissenschaftlicher Unterricht sollte durch alle Jahrgangsstufen kontinuierlich erteilt werden.
- Ab Jahrgangstufe 8 sollten Biologie, Chemie und Physik als Pflichtfächer bis zum Ende der Sekundarstufe I
unterrichtet werden.
- In der Sekundarstufe II sollte die Festigung der Grundlagen und eine nachhaltige naturwissenschaftliche
Allgemeinbildung Vorrang vor überzogener thematischer Spezialisierung haben.
- Zwei naturwissenschaftliche Fächer sollten im Abitur obligatorisch geprüft werden.

Schlüsselqualifikationen für Beruf und Studium

Dr. Rüdiger Erckel, Präsident des BAVC, hob für den Bereich der beruflichen Ausbildung hervor: "Hauptziel der Schulbildung muss es sein, die Schüler adäquat auf die weitere Ausbildung vorzubereiten " sei es die berufliche Bildung, sei es die Hochschulbildung." Zu den Schlüsselqualifikationen, die die Wirtschaft von der Schule fordere, könnten die naturwissenschaftlichen Fächer einen hervorragenden Beitrag leisten. Hierzu zählten Konzentrationsfähigkeit, Ausdauer, Disziplin und Belastbarkeit der Schulabgänger.
Das duale System der Berufsausbildung in Betrieb und Berufsschule habe sich insgesamt bewährt. Angesichts der veränderten wirtschaftlichen und technischen Bedingungen müsse jedoch nun das Berufsbildungsgesetz fortentwickelt werden. Die Ausbildungsordnungen müssten flexibler gestaltet, eine länderübergreifende Vergleichbarkeit der Berufsschulabschlüsse hergestellt werden.

Erckel begrüßte ausdrücklich die zeitlich begrenzte Aussetzung der AEVO. Diese Erleichterung könne mehr Arbeitgeber zur Aufnahme von Ausbildung motivieren. Der BAVC-Präsident plädierte für den Vorrang freiwilliger Regelungen für zusätzliche Ausbildungsplätze nach dem Muster der jüngsten Vereinbarungen der Chemie-Tarifpartner (siehe Seite 3). Er machte deutlich: "Eine zwangsweise Ausbildungsabgabe würde einen Sturm der Entrüstung bei der ,Allianz der Gutwilligen‘ auslösen, die bisher schon weit über Bedarf ausbilden."

Ausbildung, Weiterbildung und lebenslanges Lernen

Hubertus Schmoldt, Vorsitzender der IG BCE, unterstrich die Bedeutung einer qualifizierten Ausbildung und der ständigen Weiterbildung für die Beschäftigungsfähig- keit der Arbeitnehmer. Unter Hinweis auf die Vereinbarungen hierzu in der Chemie-Tarifrunde 2003 sagte er, dass quantitative wie qualitative Aspekte die Tarifpolitik in der Chemie gleichermaßen prägten. Innovative Lösungen für neue Herausforderungen seien das Markenzeichen.
So sei es gelungen, das hohe Niveau an Ausbildungsplätzen zu stabilisieren. Darüber hinaus wurde vereinbart, bis 2007 die Zahl der Ausbildungsplätze in der Chemie zu steigern. Dann wird die jetzt noch zunehmende Zahl an Schulabgängern wieder sinken - und somit auch die Nachfragen an Ausbildungsplätzen.

Erstmals wurde ein bundesweiter Qualifizierungstarifvertrag abgeschlossen. Damit würden Möglichkeiten zur zusätzlichen Qualifizierung geschaffen. Im übrigen sei dieser Vertrag ein Beispiel für Flexibilität im Flächentarif. Die Tarifparteien hätten hier einen Rahmen vorgegeben, der von den Betrieben ausgefüllt werden müsse. Es gelten die Prinzipien der Freiwilligkeit und einer fairen Kostenteilung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei Bildungsmaßnahmen. "Mit dem neuen Qualifizierungsvertrag" - so Schmoldt - "setzen wir in der Chemie um, was an Ideen in das Positionspapier der Bildungsinitiative eingeflossen ist."

Hochschulen im Umbruch

Prof. Dr. Fred Robert Heiker, Präsident der GDCh, wies darauf hin, dass die Hochschulausbildung in Deutschland sich dem internationalen Bildungswettbewerb stellen müsse. Der Aufbau von international vergleichbaren Bachelor- und Masterstudiengängen biete den Hochschulen die Chance, sich im Wettbewerb national wie international zu profilieren.

Zur Profilierung könne auch die Einführung von Studiengebühren beitragen. Studierwillige dürften aber nicht aus finanziellen Gründen vom Studium abgehalten werden. Deshalb müssten die Studiengebühren gekoppelt werden mit leistungsorientierten Stipendien und Kreditvergaben an Studenten. Die Hochschulen müssten - so Heiker - ferner bei der Auswahl ihrer Studierenden mitbestimmen können.

Voraussetzung sei aber auch eine verbesserte naturwissenschaftliche Ausbildung an den Schulen. Sie müsse bereits bei der Lehrerausbildung ansetzen. Für die Ausbildung der Primarstufenlehrer sei eine verbindliche naturwissenschaftliche Grundlage vorzusehen.

- Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.bildungsinitiative-chemie.de.

- Die Broschüre "Bildungspolitische Positionen der Bildungsinitiative Chemie" können Sie per E-Mail anfordern:
ausbilder@bavc.de.

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