Hintergrund der Chemie-Tarifrunde 2008:Mehr Risiken – weniger Wachstum

Die Chemie-Tarifrunde 2008 findet in einem wirtschaftlichen Umfeld statt, das durch weltweit rückläufige Wachstumsraten gekennzeichnet ist. Es ist jedoch kein Rezessions-Szenario, wenngleich die Unsicherheiten und Risiken unverkennbar zugenommen haben.

- Alle Experten sind sich einig, dass sich das Wachstum der Weltwirtschaft verlangsamen wird. Jüngste Prognose des internationalen Währungsfonds (IWF): Nach 4,9 Prozent im Jahr 2007 wird sich das 2008er-Wachstum auf 4,1 Prozent vermindern.

- Die Prognostiker sind sich darüber hinaus einig, dass das Wirtschaftswachstum in Deutschland ebenfalls abflachen wird. Jüngste Prognose im Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung: 1,7 Prozent nach 2,5 Prozent im Jahr 2007.

- Damit wird sich – so das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) – auch das industrielle Wachstum halbieren (von 6,4 auf 3,1 Prozent).

- Im Kielwasser dieser Entwicklung rechnet der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in diesem Jahr mit einem von 4,3 auf 2,5 Prozent abgeschwächten Chemie-Wachstum.

Steigendes Risiko-Potenzial

Eine Reihe von Risiken wird zunehmend unkalkulierbar:

- die Entwicklung der Ölpreise,
- der Euro/Dollar-Kurs,
- die Auswirkungen der US-Immobilien- und Kreditkrise auf Deutschland,
- die zunehmende Konkurrenz in Nah- und Fernost.

Dieses Szenario sollte Anlass genug sein, die weitere wirtschaftliche Entwicklung der gesamten chemischen Industrie mit Vorsicht zu betrachten.

2007: Gutes Chemie-Jahr ...

Dies legt auch der Blick zurück nahe. Die Daten des Statistischen Bundesamtes zur Entwicklung von Produktion, Preisen, Umsatz und Beschäftigung zeigen, dass 2007 für die Chemie insgesamt ein gutes Jahr war. Allerdings schnitt die Industrie insgesamt besser ab.

... aber Abschwächung im Jahresverlauf

Die insgesamt guten Ergebnisse für 2007 dürfen jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass sich im Jahresverlauf eine deutliche Abschwächung ergeben hat. Dies gilt einerseits für die quartalsweise Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes, die das Statistische Bundesamt soeben veröffentlicht hat.

2008: Verhaltene Aussichten

Das gilt andererseits auch für die Entwicklung der Chemie-Produktion. Insbesondere die letzten drei Monate 2007 waren durch deutlich geringere Wachstumsraten gekennzeichnet.
Dementsprechend fällt auch die Prognose für das Chemie-Wachstum 2008 mit 2,5 Prozent deutlich verhaltener aus.

Netto-Umsatzrendite: Differenziertes Bild

Nach einer vom BAVC durchgeführten Umfrage, an der sich 664 Unternehmen mit 362.000 Beschäftigten beteiligt haben, zeigt die aktuelle Ertragslage, gemessen an der Netto-Umsatzrendite 2007 (Jahresüberschuss nach Steuern zu Gesamtumsatz), ein sehr differenziertes Bild. Immerhin ein Fünftel der Unternehmen (20,8 Prozent) hatte eine Umsatzrendite von unter 3 Prozent, weitere 22,7 Prozent meldeten eine Umsatzrendite von 3 bis 5 Prozent.
Ein knappes Viertel (24,9 Prozent) hatte eine Netto-Umsatzrendite zwischen 5 und 10 Prozent. Eine Umsatzrendite von über 10 Prozent erreichten lediglich 13,1 Prozent der Unternehmen. Demgegenüber stehen 8 Prozent der befragten Unternehmen, die im vergangenen Jahr Verlust gemacht haben.

Auch Großunternehmen zunehmend unter Konkurrenzdruck

Die Globalisierung und der damit verbundene Strukturwandel machen auch vor den größten Chemie-Unternehmen nicht Halt. Die „Global Player“ stehen unter einem enormen Konkurrenzdruck, wie die TOP 15 der umsatzstärksten Chemie-Firmen der Welt zeigt. Das Schaubild (s. S. 3) macht deutlich, dass allein fünf neue Firmen im Zeitraum von 2000 bis 2007 in die TOP 15 aufgerückt sind. Sie waren dort vorher nicht vertreten und haben andere verdrängt.
Zwei der Neuen, SINOPEC aus China und RELIANCE aus Indien, kommen aus dem asiatischen Raum, eines, SABIC (Saudi-Arabien), aus dem Nahen Osten. Dies sind zugleich die Regionen, in denen sich die dynamischen Chemie-Märkte der Zukunft befinden. Aber auch auf dem „Heimatmarkt“ in Europa geht der Konzentrations- und Konsolidierungsprozess mit zunehmender Wettbewerbsintensität weiter: Basell aus den Niederlanden und Ineos aus Großbritannien haben hier das größte Tempo vorgelegt. Diesen Herausforderungen müssen sich die deutschen ChemieKonzerne stellen.

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