Der Wert des Flächentarifs

Der Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn hat in den letzten Wochen und Monaten eine Diskussion befeuert, die seit längerem schwelt: Im Kern geht es um die Rolle kleiner, aber mächtiger Spartengewerkschaften und um das traditionelle Prinzip der Tarifeinheit. Danach gilt in einem Unternehmen jeweils nur ein Tarifvertrag.

Tarifpolitischer Dammbruch
Sollte das bewährte Prinzip der Tarifeinheit nicht länger für die Sozialpartner in der Bundesrepublik gelten, sehen Tarifexperten die Gefahr eines tarifpolitischen Dammbruchs. „Der Betriebsfrieden würde massiv gestört, weil die Unternehmen ständig mit irgendeiner Berufsgruppe verhandeln müssen“, so Hagen Lesch, Tarifexperte im Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Den Betrieben könnten ständige und langwierige Auseinandersetzungen bevor stehen. Schon die Aussicht auf die Einführung von Revisionsklauseln, aufgrund derer eine Tariferhöhung an die jeweils höhere Einkommenssteigerung einer anderen Berufsgruppe angeglichen werden müsste, führt zu Kopfzerbrechen in den Personalabteilungen der Unternehmen. Ständige Nachverhandlungen könnten zur Regel werden – und damit auch die mögliche Steigerung eines Tarifkonflikts, der Arbeitskampf. Darüber hinaus droht eine Spaltung der Belegschaften.

Vorteil Flächentarif
Gegenüber diesen potenziellen Belastungen für die tägliche Arbeit in den Betrieben werden die Vorteile des Flächentarifvertrages deutlich. Dieser wird den Interessen aller Beschäftigten einer Branche gerecht. Während der Laufzeit des Tarifvertrages herrscht Friedenspflicht. Arbeitskämpfe sind in dieser Zeit bis zum Scheitern einer Verhandlung ausgeschlossen. Eine kontinuierliche Produktion ist also gewährleistet. Dadurch können die Unternehmen ihre Kalkulationen auf eine belastbare Basis stellen. Die Personalkosten sind während der Laufzeit des Tarifvertrages berechenbar. Zudem hält der Flächentarif ständig wiederkehrende Verteilungskonflikte aus den Unternehmen heraus. So wird das Betriebsklima von schädlichen Störungen verschont, die Produktivität der Beschäftigten bleibt auf hohem Niveau, und auch potenzielle Spannungen zwischen einzelnen Belegschaftsgruppen können vermieden werden.

Oberstes Gebot: Flexibilität
Der Flächentarifvertrag kann seine Vorteile jedoch nur entfalten, wenn er den Unternehmen und den Beschäftigten, die ihm unterliegen, ausreichend Spielraum gibt, um auch mit unerwarteten Situationen oder ungünstigen Wirtschaftslagen umzugehen. Ein
moderner Flächentarif setzt daher auf Öffnungsklauseln und auf eine kontrollierte
Dezentralisierung der Tarifpolitik unter dem Dach der Sozialpartner. Aufgabe der Tarifpolitik ist es darüber hinaus, neben der Entwicklung funktionierender Instrumente wie etwa der Öffnungsklauseln, den Ansprüchen aller Beschäftigungsgruppen gerecht zu werden. Hier sind die Tarifpartner gefordert.

Ausgleich der Interessen
Gewerkschaften wie etwa der Großorganisation ver.di wird vorgeworfen, sie würden sich generell eher um untere Lohngruppen kümmern und ihre höher qualifizierten Mitglieder tarifpolitisch nicht ausreichend vertreten. Sollte dieser Zustand fortbestehen, wird der Trend zu Spezialgewerkschaften einflussreicher Beschäftigungsgruppen nicht bei Piloten, Fluglotsen und Ärzten aufhören. Eine mögliche Option, um Mitarbeiter entsprechend ihres Beitrages zur Wertschöpfung und ihrer betrieblichen Verantwortung angemessen zu entlohnen, ist nach Auffassung von Fachleuten eine stärkere Differenzierung der Einkommen nach Leistung.

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