Steigen die Preise wirklich?

Verbraucherfrust an den Zapfsäulen, bei Strom- und Gaspreisen und im Supermarkt. Steigende Preise überall? Zu der Beunruhigung tragen fast täglich Ankündigungen von Preisanhebungen für die unterschiedlichsten Produkte bei.

Deutsche Inflationsängste ...

Geradezu überempfindlich registrieren derzeit die Deutschen, dass offenbar die Preise auf breiter Front anziehen. Dies schürt eine "Ur-Angst" der Deutschen, geprägt durch Hyperinflation und Weltwirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg und Währungsreform nach dem Zweiten Weltkrieg, die sich unauslöschbar in das kollektive Bewusstsein der Nation eingebrannt haben. Furcht hat Konjunktur: Nach einer kürzlich von einer namhaften Versicherung in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage ist der Anstieg der Lebenshaltungskosten für zwei Drittel aller Deutschen die größte Befürchtung.

... und Inflationsfakten

Was ist davon zu halten? Seit einiger Zeit hat sich auch in Ökonomenkreisen der Begriff der "gefühlten Inflation" eingebürgert. Gemeint ist damit die Preisentwicklung einiger herausragender, besonders sensibler Produkte (Beispiel Benzin, Beispiel Butter). Verändern sich diese, wird dies ganz besonders wahrgenommen und als repräsentativ für die Entwicklung des Verbraucherpreisniveaus als Ganzes uminterpretiert.

Das Statistische Bundesamt, das anhand eines repräsentativen Warenkorbs und zahlreicher Einzelpreise die Veränderung des Verbraucherpreisniveaus monatlich misst, kommt indessen zu anderen Ergebnissen: Der Verbraucherpreisindex für Deutschland bewegt sich nach wie vor in "ruhigen Bahnen". Zwar konstatieren die Wiesbadener Statistiker eine leichte Beschleunigung der Inflationsrate von ihrem niedrigsten Stand im September 2006 (1,0 Prozent) über den Januar 2007 (1,6 Prozent), bei dem die Mehrwertsteuererhöhung eine Rolle spielte, bis hin zu 1,9 Prozent im August, worin sich neben den steigenden Ölpreisen auch die Preiserhöhungen für
Nahrungsmittel ausgewirkt haben. Über den gesamten Warenkorb gerechnet, der aus insgesamt 12 Warengruppen besteht (angefangen von Nahrungsmitteln über Bekleidung, Wohnungsmiete, Haushaltseinrichtung, Gesundheit, Verkehr, Nachrichten bis hin zu Ausgaben für Freizeit, Bildung und Gaststätten), zeigt sich eine Preisentwicklung, die sicher nicht das Etikett "Inflation" verdient. Im Gegenteil: Nach der Nomenklatur der Europäischen Zentralbank (EZB) ist bei einer Geldentwertungsrate um die 2 Prozent noch von (relativer) Preisstabilität auszugehen.

Preisstabilität seit Jahren

Betrachtet man die Entwicklung in diesem Jahrzehnt, so ist diese durch eine bemerkenswerte Preisstabilität gekennzeichnet. Lediglich in den Jahren 2001 und 2005 wurde die Zwei-Prozent-Marke erreicht. In den anderen Jahren lag die Preissteigerungsrate zum Teil erheblich darunter. Auch für das laufende Jahr signalisieren die Raten keineswegs Außergewöhnliches. Im Durchschnitt der ersten acht Monate hat sich der Verbraucherpreisindex gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 1,8 Prozent erhöht. Dies ist auch die Prognose der führenden Wirtschaftsforschungs-Institute in ihrem Frühjahrsgutachten 2007 für das Gesamtjahr. 1,8 Prozent ist auch die Rate, die die Wirtschaftsforscher für das Jahr 2008 veranschlagen.

Selbst wenn der Preisanstieg sich noch etwas beschleunigen würde, wäre das "kein Beinbruch". Das ifo-Institut für Wirtschaftsforschung, das die aktuellste Prognose vorgelegt hat, geht für dieses Jahr von einem durchschnittlichen Preisplus von 2,1 Prozent aus, sagt aber für 2008 ebenfalls "nur" 1,8 Prozent voraus.

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