Chemie-Konjunktur 2007: Weniger Wachstum

Für die deutsche chemische Industrie war 2006 ein insgesamt gutes Jahr. So wird ein Umsatzwachstum von 6 Prozent auf 162 Mrd. Euro erwartet. Die Produktion wächst ebenfalls deutlich, wird aber mit großer Wahrscheinlichkeit unter den prognostizierten 3,5 Prozent bleiben. Das Statistische Bundesamt hat für die Chemie soeben einen Produktionsrückgang im Oktober von 0,3 Prozent publiziert und auch den September nachträglich nach unten korrigiert. Damit deutet sich für das vierte Quartal 2006 eine weitere konjunkturelle Beruhigung an.
Wie die monatliche Darstellung ausweist, ist es seit Mitte 2006 zu einer spürbaren Abkühlung gekommen. Auch die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate haben sich Stück für Stück eingetrübt. Der Saldo der Geschäftserwartungen aus positiven und negativen Meldungen ist seit Jahresmitte kontinuierlich gesunken und erst im Dezember wieder leicht angestiegen. Dieser Zukunftsindikator bestätigt insoweit die Erwartungen, dass im kommenden Jahr die konjunkturellen Bäume nicht in den Himmel wachsen werden. Entsprechend lauten die Prognosen für das Chemiewachstum im Jahr 2007 auf 2 Prozent. Gleichzeitig wird damit gerechnet, dass bei einem nur mäßigen Anstieg der Chemie-Erzeugerpreise um 0,5 Prozent das Umsatzplus im Jahr 2007 bei etwa 2,5 Prozent liegen dürfte und damit deutlich schwächer ausfallen wird als im Jahr 2006.
Auf jeden Fall ist – unbeschadet der Exaktheit der Prognose im Einzelnen – festzustellen, dass die konjunkturelle Dynamik spürbar nachlassen wird.Damit einhergehend wird auch die Produktivitätsentwicklung auf einen flacheren Pfad einschwenken.

Strukturelle Diskrepanzen dauern an
Aber nicht nur das ruhigere konjunkturelle Fahrwasser gibt zur Vorsicht Anlass, sondern auch das Fortbestehen der strukturellen Diskrepanzen. Dies zeigt sich zum Beispiel bei den Arbeitskosten. So lagen die Chemie-Arbeitskosten je Beschäftigtenstunde in Westdeutschland im Jahr 2005 bei 41,38 Euro. In Ungarn als „teuerstem“ Standort Osteuropas lagen die Chemie-Arbeitskosten je Beschäftigten bei 10,25 Euro, in Polen waren es sogar nur 6,24 Euro. Gegenüber den deutschen Chemie-Arbeitskosten ist dies ein Abstand in einer Dimension zwischen 75 und 85 Prozent. Eine verantwortungsvolle Standortpolitik in Deutschland muss dafür Sorge tragen, dass sich dieser Standortnachteil Deutschlands nicht weiter verschärft. Neuinvestitionen können überall auf der Welt mit dem gleichen technischen Standard – und damit Produktivität – erfolgen, auch in Osteuropa. Unter diesem Aspekt kommt den Arbeitskosten – neben Unterschieden in der Besteuerung – eine entscheidende Bedeutung zu.

Chemiearbeitskosten-Niveau:
Konkurrenten nähern sich nur langsam
Selbst wenn in Deutschland die Arbeitskosten nur mäßig steigen, würde das massive Kostengefälle noch jahrelang bestehen bleiben und sich erst in Jahrzehnten angleichen.
Unterstellt man, dass in Deutschland die Arbeitskosten um jährlich 1 Prozent wachsen, in den USA um 3 Prozent, in Ungarn und Polen dagegen um jährlich 10 Prozent, so wird im Jahr 2015 der Abstand immer noch signifikant sein. Selbst wenn sich diese unterschiedliche Kostendynamik weitere fünf Jahre fortsetzen würde, läge das deutsche Arbeitskostenniveau noch immer deutlich über den genannten Ländern.

Angleichung in Ferne
Um die Dimension nochmals zu verdeutlichen: Läuft diese Entwicklung ungestört weiter, würde es immer noch bis zum Jahr 2022 dauern, bis Ungarns Arbeitskosten gleichgezogen haben. Im Falle Polens würde diese Angleichung selbst bis zum Jahr 2025 noch nicht erreicht sein.

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