Konjunktur und Tarifrunde

Am 15. Januar beginnen die Verhandlungen zur Chemie-Tarifrunde 2007. Sie findet vor dem Hintergrund einer komplexen ökonomischen Situation statt. Die Abschwächung der Weltwirtschaft, die Prognosen eines schwächeren Wirtschaftswachstums für Deutschland, die kommende Mehrwertsteuererhöhung sowie eine anhaltend hohe Kostenbelastung für die chemische Industrie werfen ihre Schatten voraus.

Chemiebeschäftigte: Realeinkommensplus

Die Chemiebeschäftigten haben an den wirtschaftlichen Ergebnissen der Jahre 2005 und 2006 partizipiert. Betrachtet man die reine „tabellenwirksame“ Tarifentwicklung,
d. h. ohne Einmalzahlungen, so steht der 2005 vereinbarten 2,7 prozentigen Tariferhöhung während der Laufzeit bislang eine Preissteigerung von nur 2,0 Prozent gegenüber. Auch längerfristig sind die tariflichen Realeinkommen gestiegen – seit dem Jahr 2000 um 15,2 Prozent. Das Verbraucherpreisniveau ist im gleichen Zeitraum nur um 10,8 Prozent gestiegen.
Dass darüber hinaus die Einmalzahlung ihre Wirkung entfaltet hat, zeigt sich an der amtlichen Statistik. Sie weist für Februar 2006, dem Zahlungszeitraum, einen Anstieg der Bruttolohn- und -gehaltsumme je Beschäftigten in der chemischen Industrie von immerhin 6,8 Prozent aus. Der Tarifabschluss aus dem Jahr 2005, der anfänglich für vergleichsweise hoch gehalten wurde, ist im Nachhinein auch durch die wirtschaftliche Entwicklung legitimiert worden.

2007: Wachstum unterdurchschnittlich

Nachdem das Plus im Jahr 2005 noch bei 5,2 Prozent lag und in diesem Jahr bei etwa 3,5 Prozent liegen wird, wird für das Jahr 2007 nur noch ein Wachstum von 2 Prozent prognostiziert. Das Chemiewachstum würde damit unter dem langfristigen Durchschnitt von 2,6 Prozent zurück fallen.

Geschäftserwartungen eingetrübt

Die jüngsten Ergebnisse des ifo-Konjunkturtests für November zeigen, dass sich die Erwartungen der wirtschaftlichen Entwicklung für die nächsten sechs Monate in der chemischen Industrie weiter eingetrübt haben. Der Saldo der Geschäftserwartungen ist abermals geschrumpft. Das in die Zukunft weisende „Konjunkturbarometer“ hat einen Jahrestiefstand erreicht. Damit werden Erwartungen bestätigt, dass zumindest das erste Quartal nächsten Jahres unter keinem guten Stern stehen wird.

Anhaltender Kostendruck

Die konjunkturelle „Entschleunigung“ trifft dabei auf ein Szenario anhaltenden Kostendrucks, wie er durch die in Schwankungen nach oben bewegenden Ölpreisen und im Gefolge damit auch der Preise für
Rohbenzin und Petrochemikalien zum Ausdruck kommt. Fakten: Rohbenzin, das im ersten Quartal 2002 noch 212 Euro je Tonne kostete, ist auf jetzt 469 Euro gestiegen. Ebenso verteuert haben sich die Preise für Energieträger wie Erdgas, Heizöl und Strom, die binnen Jahresfrist zum Teil über 50 Prozent zugelegt haben und damit im internationalen Vergleich eine Spitzenposition einnehmen. Insbesondere die Weiterverarbeiter, zum Beispiel im Kunststoffsektor, sind durch die massiven Rohstoffpreiserhöhungen in erhebliche Schwierigkeiten geraten. Dies gilt auch für den konsumnahen Bereich, in dem Preisüberwälzungen kaum möglich sind.
Dies betrifft etwa den Bereich der Seifen-, Wasch- und Körperpflegemittel sowie die Pharmazeutika.

Arbeitskosten auf Rekordniveau

Weiterhin eine Spitzenposition haben die Arbeitskosten in der westdeutschen Chemie inne. Mit 41,38 Euro je Beschäftigten und Stunde iegen sie mit Ausnahme Belgiens ldeutlich über der europäischen und internationalen Konkurrenz.

Dies gilt erst recht, wenn die EU-Beitrittsländer mit ins Bild genommen werden. Zurzeit besteht folgende Relation der Chemie-Arbeitskosten: Wenn man Westdeutschland gleich 100 setzt, liegt Ungarn bei 25 und Polen sogar nur bei 15.

Deutschlands Weltmarktanteil sinkt

Welches Bedrohungspotenzial gegeben ist, zeigt zum Beispiel der Sachverhalt, dass der deutsche Anteil am Chemie-Weltmarkt, gemessen am Umsatz, innerhalb der letzten zehn Jahre von 9,2 auf 7,6 Prozent gesunken ist, derjenige von China aber von 3,3 auf 8,2 Prozent gestiegen. Ein weiteres Indiz ist der Sachverhalt, dass im vergangenen Jahr die Importe erstmals höher lagen als die Inlandsumsätze. Dies zeigt, dass zumindest für Teile der Chemieproduktion Deutschland offenbar nicht mehr der Standort erster Wahl ist.

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