Lohnstückkosten: Langer Bremsweg

Die Lohnstückkosten der deutschen Industrie gehören im internationalen Vergleich zu den höchsten. Sie sind hierzulande in den vergangenen beiden Jahren allerdings zurückgegangen. Das ist im internationalen Wettbewerb ein positives Zeichen.

Hohe deutsche Arbeitskosten

Mit 27,87 Euro waren die Arbeitskosten je Arbeiterstunde im westdeutschen verarbeitenden Gewerbe im vergangenen Jahr die dritthöchsten aller Industrienationen. Dem wird entgegen gesetzt, dass der Standort Deutschland dafür mit einem überdurchschnittlichen Produktivitätsniveau aufwarten könne.

High tech und Low cost

Diese Argumentation übersieht jedoch, dass eine hohe Produktivität durchaus auch mit geringen Arbeitskosten einhergehen kann. Dies ist zum Beispiel immer dann der Fall, wenn Unternehmen aus Industriestaaten Tochterfirmen in Niedriglohnländern gründen und dabei ihre Technologie und ihr Know-how mitbringen.
Für die Standortwahl sind daher die Arbeitskosten eine wichtige Größe. Will man allerdings die Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Volkswirtschaften vergleichen, ist es sinnvoll, auch die Produktivität mit unter die Lupe zu nehmen.

Nummer 4 im Produktivitäts-Ranking

Dabei zeigt sich, dass die deutsche Industrie in Sachen Leistungsfähigkeit nach neuesten Daten international durchaus gut im Rennen liegt. Im Produktivitäts-Ranking von 15 Ländern erreichte das verarbeitende Gewerbe Deutschlands im Jahr 2005 immerhin den vierten Platz.
Nur Norwegen, Belgien und Schweden weisen eine noch höhere Produktivität je Erwerbstätigenstunde auf. Ähnlich wie die Bundesrepublik schneiden noch die Niederlande und die Vereinigten Staaten ab.
Den Nachteil der übermäßigen Arbeitskostenlast kann die vergleichsweise hohe Produktivität in Deutschland jedoch nicht vollständig wettmachen – wie die Lohnstückkosten als das Verhältnis der beiden Größen verdeutlichen.
So musste von den 15 verglichenen Industriestandorten die Bundesrepublik im vergangenen Jahr die fünfthöchsten Lohnstückkosten schultern. Nur Großbritannien und Dänemark lagen merklich, Italien und Frankreich knapp über dem deutschen Niveau.

Im Durchschnitt billiger

Im Durchschnitt produzieren die Konkurrenten mit 10 % niedrigeren Lohnstückkosten als die hiesigen Industrieunternehmen. Japans Lohnstückkosten waren sogar um 25 % niedriger. Südkorea kam auf einen noch etwas besseren Wert – und das trotz einer nicht einmal halb so hohen Produktivität wie in Deutschland.
Die langfristige Entwicklung der Lohnstückkosten sieht für Deutschland vergleichsweise ungünstig aus. Denn von 1991 bis 2005 legten sie um insgesamt 3 % zu, während bei den Wettbewerbern ein Rückgang von gut 2 % zu verzeichnen war. Dabei haben vor allem die überzogenen Lohnerhöhungen in der ersten Hälfte der neunziger Jahre negativ zu Buche geschlagen.

Auf der Kosten-Bremse

In den vergangenen beiden Jahren hat man in Deutschland allerdings auf die Kosten-Bremse getreten. Die Lohnstückkosten sanken 2004 um 4 % und ein Jahr später noch einmal um 3 % – dank relativ moderater Lohnanpassungen und einem spürbaren Produktivitätsschub. Daher konnten die deutschen Unternehmen zuletzt – trotz neuer Konkurrenten beispielsweise aus China – international ihre Marktanteile behaupten. Und angesichts der im ersten Halbjahr weiter rückläufigen Lohnstückkosten erscheinen die Perspektiven auch für 2006 günstig.

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