Chemiekonjunktur: Zenit überschritten

Die deutsche chemische Industrie kann auf ein erfolgreiches erstes Halbjahr 2006 zurückblicken. Umsätze und Produktion konnten ausgeweitet werden. Bei stabilen Lohnstückkosten ist die Produktivität deutlich im Plus. Auch Anhebungen der Erzeugerpreise konnten realisiert werden. Dies geht aus den amtlichen Zahlen hervor, die das Statistische Bundesamt für das erste Halbjahr 2006 veröffentlicht hat.

Plus-Zeichen auf breiter Front ...
Der Gesamtumsatz der chemischen Industrie, also einschließlich Handelsumsätze und fachfremder Umsätze, hat im ersten Halbjahr 2006 mit einem Wert von 80,4 Mrd. Euro das vergleichbare Vorjahresniveau um 5,0% übertroffen. Mit einem Anstieg von 7,1% auf 44,1 Mrd. Euro hat der Auslandsumsatz hierzu überdurchschnittlich beigetragen. Aber auch der Inlandsumsatz (36,3 Mrd. Euro, +2,5%) ist in Bewegung gekommen.
Die überproportionale Abhängigkeit vom Ausland birgt allerdings auch Risiken: Eine Abkühlung des weltwirtschaftlichen Klimas trifft die deutsche Chemie (siehe Seite 2) dann ebenfalls überdurchschnittlich. Hinzu kommt, dass durch die Aufwertung des Euro die Exporte in fremde Währungsräume (insbesondere US-Dollar, britisches Pfund, japanischer Yen) tendenziell erschwert werden, wogegen die Importkonkurrenz zunimmt. Dies wird aus einem Anstieg der Importe um mehr als 16% im ersten Halbjahr 2006 deutlich.
Bemerkenswert erscheint, dass das Umsatzplus im verarbeitenden Gewerbe sowohl im Ausland als auch im Inland ausgeprägter war als in der Chemie (vgl. Tabelle auf Seite 6).
Ein ähnliches Bild wie beim Umsatz ergibt sich auch beim Index der Nettoproduktion, der in der chemischen Industrie im ersten Halbjahr 2006 um 3,4% gestiegen ist. Im verarbeitenden Gewerbe ergab sich ein Plus von immerhin 5,3%.

... mit Abkühlungstendenzen
Darüber hinaus gibt zu denken, dass auch sonst die Halbjahresergebnisse der chemischen Industrie deutlich niedriger waren als im verarbeitenden Gewerbe insgesamt.
Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass die chemische Industrie, die traditionell zu den zyklischen Frühstartern zählt, den konjunkturellen Zenit offenbar überschritten hat. Für das zweite Halbjahr und für das Jahr 2007 ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine mehr oder weniger deutliche Wachstumsabschwächung zu erwarten.
Für das Überschreiten des konjunkturellen Höhepunktes spricht auch die Veränderung in der Produktionsstruktur: Die Verlagerung der Dynamik von den Basischemikalien hin zum konsumnahen Bereich deutet ebenfalls darauf hin, dass sich der Chemiekonjunktur-Zyklus in seiner Spätphase befindet.

Lage-Einschätzung angekratzt
Gestützt wird die These vom Auslaufen des Chemiekonjunktur-Zyklus auch durch die August-Ergebnisse des ifo-Konjunkturtests. Erstmals in diesem Jahr war sowohl bei der Beurteilung der Geschäftslage als auch bei den Erwartungen für sechs Monate ein deutlicher Dämpfer festzustellen. Auch der aktuelle ZEW-Frühindikator weist für den Bereich Chemie/Pharma in die gleiche Richtung.

Erzeugerpreise im Plus
Bei den Chemieerzeugerpreisen liegen schon Daten bis zum Juli vor. Demnach ergab sich für Chemie-Erzeugnisse im Vorjahresvergleich ein Preis-Plus von 3,4%, verglichen mit 2,8% im verarbeitenden Gewerbe insgesamt. Zu bedenken ist allerdings, dass bei den petrochemischen Rohstoffen bzw. den Primär-Chemikalien ein nicht unerheblicher Preisdruck in der Pipeline ist. Die Kontraktpreise für das dritte Quartal sind weiter gestiegen, was einen entsprechenden Kostendruck bei den Weiterverarbeitern bedeutet.

Produktivität und Lohnstückkosten
Die Produktivität, gemessen am Produktionsergebnis je Beschäftigten, ist in der chemischen Industrie im ersten Halbjahr 2006 um 4,7% gestiegen. Dies reflektiert einerseits den Produktionsanstieg und andererseits einen weiteren leichten Rückgang der Chemiebeschäftigung um 1,3% auf einen amtlichen Stand von zuletzt 433.753 (Juni 2006). Das Produktivitätsplus im verarbeitenden Gewerbe lag im ersten Halbjahr bei 6,3% und damit noch oberhalb der Chemieproduktivität. Spiegelbildlich die Entwicklung der Lohnstückkosten, also der Lohnkosten je Produkteinheit: Diese waren im verarbeitenden Gewerbe in den ersten sechs Monten dieses Jahres um 3,5% rückläufig. Mit -0,9% haben sie in der chemischen Industrie praktisch stagniert.

Verdienstentwicklung überdurchschnittlich
Die guten wirtschaftlichen Ergebnisse der chemischen Industrie im ersten Halbjahr haben auch auf der Ebene der Mitarbeiterverdienste ihren Niederschlag gefunden. So ist die Bruttolohn- und –gehaltsumme je Beschäftigten in der chemischen Industrie in diesem Zeitraum um 3,8% gestiegen, verglichen mit 2,5% im Durchschnitt des verarbeitenden Gewerbes. Dabei hat vor allem auch die tariflich vereinbarte Einmalzahlung eine Rolle gespielt, die im Februar fällig geworden ist. Die Bruttolohn- und -gehaltsumme je Beschäftigten für diesen Monat weist ein Plus von 6,8% aus. Da im ersten Halbjahr die Inflationsrate, gemessen am Verbraucherpreisindex, bei 2,0% lag, haben die Chemiemitarbeiter also auch real gerechnet ihre Einkommensposition verbessern können.

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