Flexible Chemie-Flächentarife:Beitrag zum Standorterhalt

Der Flächentarifvertrag hat im letzten Jahrzehnt seinen Charakter erheblich verändert: Die Zahl der Öffnungsklauseln hat deutlich zugenommen; Standortvereinbarungen sind heute weit verbreitete Praxis. Mit diesen Lösungen waren die Tarifvertragsparteien der chemischen Industrie vielfach Vorreiter. In keiner anderen großen Tarifbranche wurde so früh und so umfassend das Tarifwerk modernisiert wie in der Chemie. Seit 1993 haben der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) schrittweise Regelungsspielräume für die Betriebsparteien geschaffen, mit denen sie - mit Zustimmung der Tarifvertragsparteien - die Arbeitszeit, das Entgelt und die Einmalzahlungen variieren können.

Niedersachsen-Studie

Die reformierten Flächentarife in der chemischen Industrie haben erkennbar zur Beschäftigungssicherung, Standorterhebung und Wettbewerbsstärkung beigetragen. Das zeigen jetzt die Ergebnisse einer qualitativen Studie, die in der niedersächsischen chemischen Industrie durchgeführt wurde. Befragt wurden Betriebsräte und Personalleiter in mittelständischen und großen Unternehmen.

Flächentarif stabilisiert

Wesentliche Erkenntnisse der Studie sind:
Die Öffnungsklauseln der Chemie haben den Flächentarifvertrag und die Tarifautonomie in Zeiten einer globalisierten Ökonomie stabilisiert, indem sie den Geschäftsführungen und den Betriebsräten erhebliche Gestaltungsmöglichkeiten gewähren. Der flexible Tarifvertrag der chemischen Industrie bietet den Betriebsparteien genügend Raum, um passgenaue Lösungen für ihre Unternehmen zu finden. Dabei gelten die Klauseln nicht nur für Notsituationen, sondern auch dann, wenn die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden muss.
Trotz eines zunehmend härter werdenden internationalen Wettbewerbs blieb die Anzahl der Mitgliedsunternehmen in Niedersachsen nahezu konstant. Es gab keine Austrittswelle von Arbeitgebern, auch keine renommierte Firma floh aus dem Flächentarif.

Zustimmung zu Flächentarifverträgen

Die Flächentarifverträge der Chemie werden von den befragten Betriebsräten und den Personalleitern befürwortet. Für die Betriebsräte liegt die Stärke des Flächentarifvertrags vorrangig in seiner Schutz- und Verteilungsfunktion. Die Personalleiter sehen die Flächentarife in erster Linie aus dem Blickwinkel der Kosten, wobei die maßgebenden Faktoren das Arbeitsentgelt und die Arbeitszeit sind.

Korridore für Arbeitszeit und Entgelt

Von den niedersächsischen Mitgliedsunternehmen machten bisher 35 Prozent Gebrauch von den Öffnungsklauseln. Aktuell sind es rund 19 Prozent. Die am häufigsten genutzte Klausel ist der Arbeitszeitkorridor, gefolgt vom Entgeltkorridor und der Reduzierung der tariflichen Jahresleistung.

Insolvenzen verhindert

Übereinstimmend kommen alle befragten Betriebsräte zu einem positiven Urteil über die in ihren Unternehmen ausgehandelten Standortvereinbarungen, da sich mit ihnen die Perspektive für die Beschäftigten verbesserte. Trotz eines teilweise schrumpfenden Arbeitsvolumens stabilisierte sich in den befragten Unternehmen insgesamt die Anzahl der Beschäftigten. Dabei gelang es in einem Drittel der Fälle, zu einem Mehr an Beschäftigung zu kommen, und in einem weiteren Drittel bewahrten die Standortvereinbarungen die Unternehmen vor einer möglichen Insolvenz. Insgesamt wurden rund 4.000 Arbeitsplätze mittel- und langfristig gesichert. Das sind über 8 Prozent der Arbeitsplätze im Organisationsbereich des Arbeitgeberverbands Chemie Niedersachsen.

Keine Verbandsaustritte

Die befragten Personalleiter bewerten die Tarifverträge der Chemie als belastbar, intakt und zukunftsweisend. Die betriebsbezogenen Flexibilisierungsinstrumente wirkten dem Kostendruck entgegen, der vom verschärften Wettbewerb ausgelöst wird. Ohne die Öffnungsklauseln des Tarifvertrags hätte ein Drittel der befragten Unternehmen überlegt, aus dem Arbeitgeberverband auszutreten.

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