Westdeutsche Chemie: Spitzenreiter bei ArbeitskostenWechselkurse verschieben das Bild

Die Arbeitskostenanalyse des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie (BAVC) für das Jahr 2004 zeigt, dass der Chemiestandort Westdeutschland im internationalen Vergleich trotz eines nur unterdurchschnittlichen Kostenanstiegs um 0,9 vH auf 41,57 Euro weiterhin Kosten-Rang 1 einnimmt.

Spitzengruppe unverändert
Da die meisten anderen europäischen Länder, insbesondere diejenigen, die dem Euroraum angehören, zum Teil deutlich höhere Steigerungsraten zu verzeichnen hatten, ist der Abstand im zurückliegenden Jahr zwar etwas geschrumpft, aber nach wie vor erheblich. Auf den Rängen 1 bis 9 der internationalen Chemie-Arbeitskostenskala hat sich keine Veränderung ergeben (siehe Tabelle). Im Mittelfeld gab es dagegen - insbesondere wechselkursbedingt - einige Verschiebungen. Das betrifft Japan und die USA, die durch die Aufwertung des Euro billiger geworden sind.

Osteuropa: Niedrigkosten-Standorte
Auch am "Tabellenende" ist die Reihenfolge - wie an der Tabellenspitze - unverändert geblieben. Die "alten" EU-Länder Portugal und Griechenland liegen in Sachen Chemie-Arbeitskosten weiter auf den unteren Rängen. Ein erheblicher Abstand besteht zu den osteuropäischen Beitrittsländern, deren
Arbeitskosten sich massiv erhöht haben, aber noch immer erst 23 bis 13 vH des westdeutschen Niveaus erreichen.

Wechselkurseffekte
In den osteuropäischen Ländern sind die Arbeitskosten in heimischer Währung erheblich gestiegen, wobei im Falle Polens die Abwertung des Zloty den Kostenanstieg weitgehend abgefedert hat. Im Falle Ungarns und der Slowakei hat die Wechselkursentwicklung dagegen den heimischen Kostenauftrieb noch beschleunigt.
Generell ist auffällig, dass sich die größten Veränderungen gegenüber den Ländern ergeben haben, die nicht dem Euroraum angehören. So hat das wieder erstarkte britische Pfund dazu beigetragen, dass, auf Eurobasis gerechnet, die englischen Chemie-Arbeitskosten um 6,3 vH angestiegen sind. Der Abstand zum westdeutschen Niveau hat sich deutlich verringert. Nach 76 vH im Jahr 2003 rangieren die britischen Arbeitskosten nun bei 80 vH des westdeutschen Niveaus. Der schwache Dollar hat andererseits dazu geführt, dass die USA auf der Arbeitskostenleiter etliche Sprosssen nach unten gerutscht sind und mittlerweile sogar unter Ostdeutschland und Spanien stehen.

Ostdeutscher Chemie-Standort behauptet
Wie bereits im Vorjahr rangiert die ostdeutsche Chemie-Industrie, gemessen am Arbeitskosten-Indikator, im unteren Mittelfeld und hat sich auch hinsichtlich der Anstiegsrate im Durchschnitt der anderen Länder bewegt. Die ostdeutsche Chemie hat damit ihre relativ günstige Arbeitskostenposition behauptet.

Beträchtliche Abstände - Konsolidierung
Wie die Indexreihe für 2004 zeigt, kommt nur die belgische Chemie an das westdeutsche Arbeitskostenniveau heran. Zu wichtigen Chemie-Konkurrenzländern wie den Niederlanden und Frankreich besteht schon ein Abstand von 13 bzw. 14 vH, zu Großbritannien sind es sogar 20 vH. Der Abstand zu Japan beträgt inzwischen 32 vH und zu den USA
42 vH. Die osteuropäischen EU-Beitrittsländer sind unter Arbeitskostenaspekten nach wie vor "konkurrenzlos" günstig.

Standort-Indikator Arbeitskosten
Kritiker des internationalen Vergleichs von Arbeitskosten machen geltend, dass höhere Arbeitskosten in der Regel durch eine höhere Produktivität legitimiert seien. Daher sei es aussagekräftiger, die Lohnstückkosten zu
betrachten. Diese setzen Arbeitskosten und Produktivität zueinander ins Verhältnis.

Das "Produktivitätsargument" ist jedoch zweischneidig: Mit der Globalisierung sind auch die produktionstechnischen Bedingungen international immer ähnlicher geworden. Insbesondere bei neu errichteten Anlagen z. B. in Osteuropa oder in Südostasien ist deren Produktivität den deutschen Standorten gleichwertig, wenn nicht gar überlegen. Wie Umfragen unter Unternehmen ergeben haben, orientieren sich diese bei ihren Standortentscheidungen aus diesem Grunde nicht primär an der Produktivität, die sie weltweit als praktisch homogen erachten, sondern zuerst an den Unterschieden in den Arbeitskosten.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kommt in einem Benchmarking für den Standort Deutschland zu dem Schluss, dass die industriellen Arbeitskosten nach wie vor und in verstärktem Maße ein "originärer" Standortfaktor sind und folgert: "Bei Standortentscheidungen werden deshalb immer weniger die unterschiedlichen Produktivitätsniveaus zum entscheidenden Kriterium, sondern in zunehmendem Maße das Arbeitskostengefälle".

Chemie-Arbeitskosten international 2004–2000
je Beschäftigtenstunde in Euro

Land 20041) Index 20031) 2004 : 2003 in % 2000 2004 : 2000 in %
Deutschland (West)1) 41,57 100 41,21 0,9 37,93 9,6
Belgien3) 41,26 99 40,65 1,5 37,78 9,2
Dänemark 37,63 91 36,49 3,1 31,38 19,9
Niederlande 36,13 87 35,29 2,4 32,00 12,9
Frankreich 35,61 86 34,58 3,0 31,07 14,6
Schweden 35,19 85 34,41 2,3 33,51 5,0
Großbritannien 33,07 80 31,11 6,3 31,68 4,4
Österreich 30,99 75 30,59 1,3 28,51 8,7
Finnland 30,35 73 29,32 3,5 25,50 19,0
Italien 29,26 70 28,30 3,4 26,50 10,4
Japan 28,45 68 29,14 -2,4 38,29 -25,7
Irland 28,45 68 27,19 4,6 22,09 28,8
Luxemburg 25,06 60 24,30 3,1 22,58 11,0
Deutschland (Ost)2)4) 24,83 60 24,13 2,9 20,58 20,7
Spanien 24,26 58 23,34 3,9 20,44 18,7
USA 24,07 58 25,11 -4,1 27,23 -11,6
Portugal 14,58 35 14,24 2,4 12,43 17,3
Griechenland 13,43 32 12,71 5,7 11,22 19,7
Ungarn4) 9,53 23 8,64 10,3 6,12 55,7
Tschechien4) 6,59 16 6,21 6,1 4,37 50,8
Slowakei4) 6,25 15 5,56 12,4 4,46 40,1
Polen4) 5,41 13 5,36 0,9 5,21 3,8

Quelle: Eurostat (2000). 1) Berechnung des BAVC. 2) 2004 und 2003: Berechnung des AGV Nordostchemie. 3) Neuberechnung: Basis 2000
revidiert. 4) 2003 revidiert.

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